Reviews Flock Of Dimes © Graham Tolbert

Veröffentlicht am 6.04.2021 | von Susan

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FLOCK OF DIMES – Head Of Roses

Flock-of-Dimes-Head-of-Roses
Foto-Credit © Graham Tolbert

My spirit is dragging
It’s been sleeping enough
I remember what it feels like
When it’s open
Wanna wake it up
Can I be one, can we be two
Can I be for myself, still be still with you
Is it all for fun, is it just brand new
Little life in one
But the ways are two

(Flock of Dimes – Two)

Songs über rote Rose, oder sogar gelbe Rosen gibt es viele. Doch Jenn Wasner liefert ab 2. April, mit Head of Roses, ihrem zweiten Solo-Album als Flock of Dimes, ein ganzes 10-Song-Blumenbouquet. Sonst ist die Multiinstrumentalistin, Produzentin und Songwriterin aus Baltimore mit Andy Stack als Wye Oak, oder Jon Ehrens als Dungeonesse, sowie als gefragte Musikerin für allerlei Kollaborationen umtriebig. Doch wenn schon Solo unterwegs, dann mit einer ordentlichen Portion Wasner und den Geschichten, die ihr ereignisreiches Leben bisher schrieb. Unterstützt wurde sie dabei von Produzenten Nick Sanborn.

Auf den ersten Blick wirkt die Platte wie eine Zusammenstellung einzelner Fragmente aus dem Leben der Musikerin selbst. Wie ein Mixtape, welches einen durch die Zeit des Herzschmerzes begleiten soll. Doch auf dem zweiten Blick ist ihre experimentierfreudige Seite erkennbar. Sie erzählt dabei aus einer dualistischen Perspektive und nutzt dafür ausladenden und hochmelodischen elektro-akustischen Indie-Pop um Erfahrungen rund um gebrochen Herzen zu vertonen: wie ist es, wenn das eigene Herz gebrochen wird, aber wie es sich anfühlt jemand das Herz zu brechen oder vielleicht sogar brechen zu müssen. Jenn trägt dabei die Gefühle buchstäblich auf der Zunge und durchleuchtet mit ihren Songs den Schmerz beider Parteien. 

Im Song Price of Blue geht es um den Versuch und das letztendliche Scheitern einer Beziehung und darum die Wahrheit manchmal nicht erkennen zu können, selbst wenn sie sich direkt vor den eigenen Augen befindet. In Two dreht es sich darum die Balance zwischen Unabhängigkeit und gegenseitiger Abhängigkeit zu finden. Darum, ein Gefühl persönlicher Autonomie und Freiheit zu bewahren und in Einklang zu bringen, um sich tief mit anderen zu verbinden. Sie setzt dabei auf Direktheit und große Emotionen. So erzählt sie auch Geschichten über die eigene Heilung und ihre eigenen, spirituellen Erfahrungen, wie in Hard Way. Sie gibt damit viel von sich preis und man erlebt die Musikerin in einer Verletzlichkeit, die durch ihre vollkommene Ehrlichkeit und Offenheit dargeboten wird. Ein Teil dieser Reise besteht, wie im Titel Walking, auch darin, zu lernen Verantwortung für die Dingen zu übernehmen. Dies gilt auch für das Verhalten, oder die Handlungen, die einer anderen Person, die einem nahe steht, seelischen Schmerz zufügt. Dabei geht es immer wieder um die Entscheidungen, aber auch die Fehler, die man macht. Wie im Titeltrack deutlich spürbar, vor allem auch um Vergebung. Getragen wird das ganze Konstrukt, durch einen Mix aus elektronischen Klängen und gut durchdachten Indie, mit akustischen Gitarren, Klavier, Drum Machine und Synthesizern. Mitgewirkt haben auch einige Freunde der Musikerin, wie Wye-Oak-Kollege Andy Stack, Meg Duffy aka Hand Habits, Matt McCaughan von Bon Iver und Adam Schatz von Landlady. 

Damit ist Head of Roses viel mehr ist als nur eine Umschreibung von Herzschmerz. Es geht darum, was diese Gefühle mit einem machen, wie man manche von ihnen festhalten sollte und andere ziehen lassen muss, um sich selbst nicht zu verlieren. Wasner schöpft dabei aus ihrer jahrelangen Erfahrung, ob persönlicher oder musikalischer Natur und verpackt die tiefgreifenden Lyrics geschickt in ein vollständig geformtes Klanguniversum, in dem auch sehr viel Hoffnung steckt. Vielen Dank für die Blumen, Jenn Wasner. Die blühen auch, an rosigen Tagen!

Flock of Dimes – Head of Roses
VÖ: 2. April 2021, Sub Pop
www.flockofdimes.com
www.instagram.com/flockofdimes
www.facebook.com/flockofdimes

YouTube video

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Über den Autor

Susan wohnt in Hamburg und wollte früher hauptberuflich Groupie werden, bis ihr ein Exfreund einen Song auf Myspace widmete. Der hat bis heute 200 Klicks. Von ihr.



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