Kritik

Veröffentlicht am 22.06.2021 | von Julius Tamm

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SUPERDEEP – Filmkritik

Der Zweck heiligt die Mittel!

(Genosse Oberst Leutnant – Superdeep)

Was macht uns Menschen Angst? Dunkelheit, tiefe Löcher und unbekannte Geräusche sind auf jeden Fall dabei und sie passen so herrlich zusammen. Das dachte sich auch Regisseur Arseny Syuhin und produzierte mit Superdeep einen Horrorfilm über einen sehr tiefen, sehr dunklen Tunnel voller fremder Geräusche – für das gewisse Etwas war es dann aber doch etwas zu dunkel.

Einen 12.000 Meter tiefen Tunnel in die Erde zu graben, um dort für militärische Zwecke zu forschen, klingt nicht unbedingt nach einer schlauen Idee – andererseits war der Kalte Krieg militärisch auch nicht wirklich von schlauen Ideen geprägt. Und so kommt es wie es kommen muss: in der Forschungseinrichtung treten Probleme auf – eine unbekannte Krankheit scheint sich auszubreiten. Zur Rettung wird die russische Epidemiologin Anya (Milena Radulovic) und ein Trupp Soldaten geschickt, die sich in die Tiefe begeben und in geheimer Missionen Proben sammeln sollen. Angekommen am Ort des Geschehens wird schnell klar, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen vor sich geht als sich einer der Forscher vor den Augen von Anya und ihrem Team in die Luft sprengt. Doch trotz der Warnung wagt sich die Gruppe weiter in den Schacht.

Ab jetzt wird es auch schwer, weiter über den Inhalt dieses Filmes zu berichten, da das Bild die meiste Zeit zu dunkel ist, um etwas zu erkennen. Dass Horrorfilme oft düster sind, ist logisch. Was wir nicht sehen können macht uns Angst. Wenn wir aber 80 Prozent eines Films gar nichts sehen können und dadurch wichtige Plot-Elemente verpassen, ist es schnell vorbei mit der Angst. Doch selbst voll ausgeleuchtet würde Superdeep nicht viel überzeugender sein. Ein Grund dafür sind die vielen, wirren Plot-Wendungen, bei denen sich immer wieder gefragt wird: „Wo kommt das jetzt her?“ So zum Beispiel die Romanze zwischen Anya und einem der Soldaten. Immer wieder wird darauf angespielt, doch jeder Flirt zwischen beiden überrascht aufs Neue – völlig aus dem Nichts gerissen und durch mangelnde Schauspielleistung unterstrichen. Genauso bei dem überflüssigen Monster, das in der Mitte des Films auftaucht, kaum zu sehen ist und nur als reines Spannungselement dient.

Ein weiterer Aspekt von Superdeep, der zum Misserfolg des Films beiträgt, ist seine Inkonsequenz. Mal tragen die Protagonist*innen Masken, um sich vor Sporen zu schützen, mal wieder nicht. Besonders absurd wird es, als sich Anya und ihr Lover-Soldat in einem Raum mit Sporen befinden – sie mit Maske, er ohne. Was mit den Infizierten nach dem Einatmen der Sporen passiert, ist ebenfalls flexibel, je nachdem, was der Story gerade hilft. Entweder werden sie in Sekundenschnelle zu matschigen Sporenschleudern, leiden für eine Ewigkeit bevor sie sterben oder werden Teil des Pilz-Monsters.

Egal ob Plot, Schauspielleistung oder Ausleuchtung – bei diesem Film wurde an fast allem gespart. Wer gerne 90 Minuten auf einen dunklen Fernseher schauen und dabei schlechte Dialoge hören will, kann mit Superdeep nicht viel falsch machen.

The Superdeep (RUS 2020)
Regie: Arseniy Sukhin
Cast: Milena Radulovic, Sergey Ivanyuk, Nikolay Kovbas, Nikita Dyuvbanov
Heimkino-VÖ: 24. Juni 2021, Koch Films

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Über den Autor

Hat irgendwas mit Medien studiert, schaut gerne Filme und schreibt auch noch drüber. Autor bei bedroomdisco, FRIZZ Darmstadt, hr-iNFO Online und hessenschau Social Media.



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