Reviews

Veröffentlicht am 23.06.2021 | von Susan

0

WILLIAM FITZSIMMONS – Ready The Astronaut


Foto-© Erin Brown

You caught me dancing on the sun
A million stars were in your eyes
And I fell for you so hard
Think I’ll love you till you die

And I could stare up at the moon
And beg the earth to bend her time
Just to live like we once were
When I thought your heart was mine

Can you please just come around
Is your heart still open
I don’t know where I went wrong
There were words unspoken

(William Fitzsimmons – Dancing on the Sun)

Glück ist eines der wertvollsten Güter im Leben eines Menschen. Und während manchen das Glück regelrecht zufliegt, bekommen andere doch nur die Brösel des Kuchens ab. Auch das Leben des amerikanischen Melancholikers William Fitzsimmons war nicht immer vom Glück gesegnet. Vor allem eine glückliche Ehe konnte ihm in den letzten Jahren nicht zu teil werden und so verzeichnet er statt einer, gleich schon zwei Scheidungen. Es ist allerdings nichts Neues, dass Fitzsimmons diese Erlebnisse, wie auch die Adoption seiner beiden Kinder und die Zeit vor seiner Musikkarriere als Therapeut für Menschen mit psychischen Erkrankungen, stets über seine Musik verarbeitet und das erlebte mit anderen Menschen teilt. Auch in seinem neuen Album Ready The Astronaut, das am 25. Juni erscheint, verarbeitet er die Erlebnisse der letzten Jahre und beweist damit, dass er die Höhen und Tiefen des Lebens zu akzeptieren gelernt hat.

Und so startet die Platte mit dem Opener Dancing on the Sun, wobei der fröhlich klingende Titel trügt und man die Füße sogleich in das melancholische Erlebnisbad Fitzsimmons stecken darf. Er selbst möchte mit dem Song die Kraft der Liebe ansprechen, die unendliche Freude, aber eben auch grenzenlose Trauer auslösen kann, was er an einem romantisierenden Tänzchen auf der Sonne zu erklären versucht, das schnell mit verbrannten Fußsohlen enden kann, wenn man nicht aufpasst. Auch danach kann er, mit No Promises und dem gleichnamigen Titeltrack Ready the Astronaut mit ehrlichen und nach innen gerichteten Folksongs überzeugen.

Auch das er als Kind von Eltern mit Behinderung aufwuchs, verarbeitet er in Deadalus, My Father, in dem er seinen Vater mit einer Gestalt in der griechischen Mythologie vergleicht, der als brillanter Erfinder, Techniker, Baumeister und Künstler galt. Diese Art von Vergleichen und Metaphern findet man häufiger auf der Platte. Da wären zum Beispiel eben auch der Astronaut, der sich nach Höhenflügen sehnt, um dann festzustellen, dass die Luft oben doch immer dünner wird. Oder der Song Icarus, der auf die Geschichte von Ikarus und seinem Vater Dädalus anspielt. Beide wurden vom griechischen König Minos gefangen gehalten und der einzige Ausweg bestand über den Luftweg. Der Übermut von Ikarus führte schließlich dazu, dass er zu nah an die Sonne flog und nach einem Absturz ins Meer starb, was für den Musiker sinnbildlich für die eigene Selbstüberschätzung steht.

Dass es sich bei Ready The Astronaut allerdings am Ende wirklich nicht nur um eine Therapiestunde mit Fitzsimmons handelt, beweist der Musiker allerdings durch die zarten Klänge, als auch die ausdrucksstarken Texte. Aber vor allem seine eigene Aussage zum Album lassen keine Zweifel daran: “I get that question all the time: ‘You ever gonna write some happy music?’ There are a million different good answers—to paraphrase Ani DiFranco, ‘When I’m happy I just want to live, I don’t want to write about it’—all that’s true. Personally, my job description when it was handed to me, for whatever reason, was: ‘You need to write about the hard shit.’ It became my responsibility. It might sound a little egotistical, and I don’t mean it to, but it’s just my job. That’s what I do, and I do it well. So, I write ‘sad music’; if that’s how someone wants to categorize it, that’s fine. But if you look a little deeper, I think there’s a lot more going on.”

Wer die Möglichkeit hat, sollte sich die Chance nicht entgehen lassen, eine Live Show des US-amerikanischen Songwriters zu besuchen, um sich selbst zu überzeugen, was für ein ausgeglichener, freundlicher und bestimmt auch ganz glücklicher Mensch dieser William Fitzsimmons ist.

William Fitzsimmons – Ready The Astronaut
VÖ: 25. Juni 2021, Groenland Records
www.williamfitzsimmons.com
www.facebook.com/williamfitzsimmons

William Fitzsimmons Tour:
26.09.21 Pop Abo @ Konzerthaus, Dortmund
19.04.22 Kulturkirche, Köln
22.04.22 Centralstation, Darmstadt
02.05.22 Freiheitshalle, München
13.05.22 Heimathafen, Berlin

YouTube video

Tags: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,


Über den Autor

Susan wohnt in Hamburg und wollte früher hauptberuflich Groupie werden, bis ihr ein Exfreund einen Song auf Myspace widmete. Der hat bis heute 200 Klicks. Von ihr.



Comments are closed.

Back to Top ↑
  • GLF21

    GLF21

    Leider wird es auch in 2021 kein Golden Leaves Festival geben. Lest hier unsere offizielle Absage.

  • Endlich Open-Air

    Endlich Open-Air

    Endlich Open-Air! Unter dem Motto life & safe holen wir mit unseren Kollegen von der Centralstation und dem 806qm Acts wie Helge Schneider, Joy Denalane, Alice Merton, Mighty Oaks, Altin Gün, Mine, Nura, Muff Potter, Joris und viele mehr auf den Messplatz in Darmstadt.

  • Bedroomdisco Weekly

  • Bedroomdisco TV