Buchvorstellung

Veröffentlicht am 29.07.2021 | von Dominik

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QUENTIN TARANTINO – Es war einmal in Hollywood

Der US-amerikanische Regisseur, Drehbuchautor, Produzent, Kameramann und Schauspieler Quentin Tarantino hat seit dem Beginn seiner Karriere stetig mit Kultstreifen wie Reservoir Dogs, Pulp Fiction, Jackie Brown oder Kill Bill dem Kino seinen ganz eigenen Stempel aufgedrückt. Und auch wenn seine letzten beiden Werke The Hateful Eight und Once Upon a Time in Hollywood abseits von Kritiker-Lobeshymnen und von Preisen in der Gunst der Fans nicht mehr ganz das Niveau seiner Klassiker erreichten, graut es den meisten schon vor dem Ende Tarantinos Schaffensphase, scheint dieser doch sein Wirken als Regisseur mit seinem zehnten Kinofilm abschließen zu wollen. Da verwundert es auch kaum, dass Tarantino mit seinem Debütroman Es war einmal in Hollywood schon mal einen Versuch in anderem kreativen Gewässer wagt – ob er dabei ähnlich kompromisslos und fesselnd schreibt, wie er filmt, erfahrt ihr in unserer Buchvorstellung!

Hollywood 1969, Rick Dalton, einst aufstrebender Serien-Star steht vor dem Scherbenhaufen seiner Karriere. Als Haue-beziehender Schurke befindet er sich auf dem absteigenden Ast gen Versenkung, wobei er sich sein Grab selbst aufgrund von Allüren und Suff geschaufelt hat. Sein Kumpel, Fahrer und Stuntdouble Cliff Booth ist hingegen ein ehemaliger Kriegsheld – und der berüchtigtste Mann an jedem Filmset, weil er der Einzige ist, der je mit einem Mord davongekommen sein könnte. Sharon Tate hingegen hat ihren Traum in der Filmstadt gefunden und lebt hoch über den Hollywood Hills, während Charles Manson mit einem Haufen Hippies, die den Ex-Knacki als spirituellen Führer anhimmeln, seiner Passion ein Rock’n’Roll-Star zu werden noch nachjagt.

„In den Siebzigerjahren waren Romanfassungen von Filmen die ersten Bücher für Erwachsene, die ich las, daher bin ich stolz, Es war einmal in Hollywood als meinen Beitrag zu diesem oft marginalisierten, aber geliebten Subgenre der Literatur anzukündigen. Ich freue mich außerdem sehr, meine Charaktere und ihre Welt weiter zu ergründen für dieses literarische Projekt, das (hoffentlich) neben seinem filmischen Gegenstück bestehen kann.“, sagte Tarantino über seinen Debütroman – und somit wundert auch nicht, dass sich die Geschichte des Romans und die seines mit 10 Oscar-Nominierungen gefeierten aktuellen Films Once Upon a Time In Hollywood in der Zusammenfassung erstmal wie ein Ei dem anderen gleicht. Doch Tarantino geht mit dem Roman weiter, zeigt mehr Fassetten seiner Charaktere – und hauptsächlich noch mehr der von ihm so geliebten Pop-Kultur dieser Ära. Er zerlegt die Handlung und entwirft sie für das Buch komplett neu, was im Film das große Finale ist, wird hier eher beiläufig schon im ersten Drittel wie in einem Nebensatz abgehandelt – ein Roman hat eben andere Regeln. Dazu spielt Tarantino wie auch schon beim Film gekonnt mit der Erwartungshaltung der Konsumenten.

Gleichzeitig überlädt er aber auch die Handlung mit Beiwerk, ergeht sich in endlos wirkendem Nerd-Tum und Name-Dropping – denn was in den Filmen als atmosphärischer Kolorit der Epoche nebenbei durch Ausstattung, Soundtrack oder beiläufige Verweise abgehandelt wird, wird hier eben gerne mal seitenlang durchexerziert. Es ist eben die Hochphase der Pop-Kultur, die Tarantino am meisten zugeneigt ist, er liebt jedes Detail und ergeht sich voll und ganz in den Erklärungen der Bedeutsamkeit für diese Zeit – die Handlung bremst er dabei aber leider komplett aus, um im Schwelgen im Vergangenen zu verweilen. Wer darüber hinwegsehen kann, wird aber mit einem großen Einblick in diese Epoche belohnt – und mit einem Debüt mit Höhen und Tiefen eines der größten Künstler unserer Zeit.

Quentin Tarantino – Es war einmal in Hollywood
VÖ: 8. Juli 2021, Kiepenheuer & Witsch
Gebundene Ausgabe, 416 Seiten
ISBN: 978-3462002287
25,00 €

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Über den Autor

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