Kritik

Veröffentlicht am 25.08.2021 | von Patrick Freitag

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THE FATHER – Filmkritik


Foto-© Tobis

I feel as if I’m losing all my leaves, one after another.

(Anthony – The Father)

Anthony (Anthony Hopkins) lebt mit seiner Tochter Anne (Olivia Colman) zusammen. Während er, der Meinung ist, dass er sein Leben ganz gut alleine bewältigen kann, kümmert sich Anne liebevoll um ihn und versucht ihn von einer Pflegeperson zu überzeugen, um sich selbst zu entlasten und auch ihr Leben wieder zu ordnen. The Father ist eine Geschichte über Demenz und welche Auswirkung diese auf einen selbst und die Personen, die einem nahe stehen, hat.

Nachdem The Father bereits 2020 in den USA anlief und dort voll überzeugte, inklusive zwei gewonnenen Oscars und weiterer Auszeichnungen, kommt der Film nun auch endlich in unsere Kinos! Dabei handelt es sich um ein Kammerspiel, welches vom Regie-Debütanten Florian Zeller, der vorher am Theater tätig war und auch dort schon mit diesem Stück überzeugen konnte, geschrieben und inszeniert wurde.

Und dieses Debüt ist eine Wucht. Die Inszenierung wirkt von Anfang an überzeugend und bedrückend. Nicht nur für Anthony verschwimmt die Welt, sie verschwimmt auch für den Zuschauer. So verändern sich immer wieder Details der Wohnung und auch die Rollen der Schauspieler scheinen nicht immer die selben zu sein. Starke Stilmittel, die Zeller einsetzt, um zu verdeutlichen, wie sich Erinnerungsverlust auf die eigene Wahrnehmung auswirkt, in dem die Erinnerungen für einen selbst zwar real sind, die Wirklichkeit sich aber von ihnen unterscheiden kann. Hier kommt dem Film auch die Form des Kammerspiels zu Gute. Jede Änderung der Wohnung wird dem Zuschauer direkt bewusst, da das Setting nur selten verlassen wird. Man fühlt sich wie Anthony, wenn man auf einmal Details entdeckt, die sich verändert haben und die einen irritieren. Auch wird man als Zuschauer überrumpelt, wenn man Personen auf einmal selbst nicht mehr erkennt. Man beginnt auch an sich zu zweifeln und fragt sich, was da eigentlich gerade passiert. Dies wird auch dadurch unterstützt, dass die Krankheit selbst im Film nie genannt wird. Wie Anthony fragt man sich, ob nicht vielleicht doch irgendwie ein falsches Spiel gespielt wird.

Auch die Verzweiflung der Angehörigen, vertreten durch seine Tochter Anne, wird überzeugend dargestellt. Sie ist alleine, da auch Pflegepersonal in solchen Fällen schwierig zu finden und von ihrem Mann aufgrund von Zweifeln an der Situation keine Unterstützung zu erwarten ist. Dabei gelingt es Zeller auch eine Kritik an den Umgang mit kranken Menschen unter zu bringen, die unter die Haut geht.

Das Schauspiel muss man besonders hervorheben. Anthony Hopkins spielt hier die vielleicht beste Leistung seiner Karriere. Völlig zu Recht hat Hopkins dafür auch den Oscar als bester Hauptdarsteller erhalten. Hopkins spielt hier mehrere Facetten, die in einem grandiosen und mitnehmenden Finale münden. Olivia Colman steckt dabei nicht zurück. Sie baut auf ihre Oscar-prämierte Leistung aus The Favourite auf und überzeugt völlig als mitfühlende und verzweifelte Tochter, die einen zu Tränen rührt.

Ein erdrückendes Regiedebüt, das noch lange im Gedächtnis bleiben wird, mit dem vielleicht stärksten Anthony Hopkins seiner Karriere und einer gewohnt starken Olivia Coleman. Beide Schauspieler tragen den Film, der auch in der Inszenierung vollauf überzeugt. Taschentücher sind zwar unverzichtbar, aber dieser Film ist ein absoluter Muss!

The Father (UK 2020)
Regie: Florian Zeller
Darsteller: Anthony Hopkins, Olivia Colman, Rufus Sewell, Imogen Boots, Mark Gatiss, Olivia Williams
Kinostart: 26. August 2021, Tobis Film

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