Kritik

Veröffentlicht am 14.10.2021 | von Malte Triesch

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RÉSISTANCE – WIDERSTAND – Filmkritik


Foto-© Warner Bros. Pictures

What’s the best way to resist? It’s not to kill them, it’s to survive.

(Marcel Marceau – Résistance – Widerstand)

Résistance – Widerstand erzählt die wahre Geschichte von Marcel Marceau (Jesse Eisenberg), welcher im Zweiten Weltkrieg den Nazis die Stirn bot. Als passionierter Pantomime trat er dem Regime dabei nicht mit einer Waffe, sondern mit seinem unstillbaren Lebensmut entgegen und rettete unzähligen jüdischen Kindern nicht nur das Leben, sondern auch die Hoffnung.

Mindestens im deutschen Geschichtsverständnis ist Marcel Marceau eher eine Randnotiz. Ein Missstand den Regisseur Jonathan Jakubowicz mit Unterstützung der deutschen Filmförderung durch Résistance zu berichtigen versucht. Dabei gibt sich Résistance jedoch bewusst nicht ganz realistisch. Soundtrack, Einleitung und generell die Darstellung der Nazis haben einen starken Horrorfilm Beigeschmack. Mutig, dass hier Matthias Schweighöfer, völlig wider seinem klassisch sympathischen Rollenfach besetzt, als aufstrebender Nazi Barbie aufspielt und sogar mit produziert hat. Trotz des Horroreinschlages und zwei bis drei wirklich verstörenden Szenen, bleibt der Zuschauer von visueller Gewalt verschont. Was dem Film ebenfalls etwas Biss nimmt, ist die Farbgebung und Set-Gestaltung, die fast immer sehr warm und ein bisschen zu klinisch sauber sind. Ebenso die überzeichnete manchmal fast Comic-hafte Darstellung von Marcel Marceau selbst, was jedoch genau wie Jesse Eisenberg als Darsteller gut zu der Figur passt. Ein Pantomime ist eben überzeichnet in seiner Ausdrucksweise, das verschwindet, anders als die Schminke, eben nicht komplett wenn er die Bühne verlässt. Auch wenn der geneigte Cineast nicht umhin kommt immer nur den Schauspieler Eisenberg selbst zu sehen, passt die Rolle des Pantomimen mit der überzeichneten Mimik einfach sehr gut. Eingerahmt wird die Handlung des Films von General Patton (Ed Harris), der seine Truppen mit Marceaus Geschichte auf den nächsten Einsatz gegen die Nazis einschwört. Dass Ed Harris diese Rolle ebenfalls nahezu perfekt ausfüllt, versteht sich von selbst. Innerhalb der stolzen Laufzeit von 120 Minuten und einigen Zeitsprüngen verliert die Handlung selbst jedoch etwas den roten Faden. Als hätte General Patton seine Gedanken nicht ganz sortiert, bevor er vor seine Truppe getreten ist. Auf keiner Seite werden klare Motive für das Handeln aufgezeigt, weder für das pure Böse der Nazis, noch die Aufopferung des Widerstands. Neben dem Warum muss man sich als Zuschauer auch das Wie zu großen Teilen selbst herleiten. Denn wir sehen zwar anhand einiger Szenen das Marceau Lebensmut, wie auch die Leben der Kinder rettet, aber sowohl die physische Flucht als auch die aktive Zeit als Pantomime kommen zu kurz.

Was bleibt ist die erneute Erkenntnis, dass Nazi-Deutschland unglaubliche Verbrechen an der Menschheit begangen hat und man dies nicht vergessen darf. Ebenso die eingangs zitierte Botschaft, dass es wichtiger ist Leben zu retten als zu nehmen. Kriegs- oder Antikriegsfilmfans kommen hier sicher weniger auf ihre Kosten als Fans von Jesse Eisenberg und all jene, die mehr über Marceau wissen wollen. Diese sollten dem Film jedoch eine Chance geben. Marcel Marceau hätte sicher einen mitreißenderen Film verdient, einen der nicht nur eine Randnotiz bei all den Filmen um den 2. Weltkrieg ist. Vielleicht hätte ihm aber genau das genügt, denn, wenn auch nur im Kleinen, seine Erinnerung und seine Botschaft werden weitergetragen.

Résistance (US GB DE FR 2021)
Regie: Jonathan Jakubowicz
Besetzung: Jesse Eisenberg, Clémence Poésy, Ed Harris, Matthias Schweighöfer, Karl Markovics, Édgar Ramírez
Kinostart: 14. Oktober 2021, Warner Bros. Pictures

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Über den Autor

Malte wuchs im idyllischen Lilienthal, direkt an der Grenze zu Bremen, der schönsten Stadt im Norden Deutschlands, auf. Seine frühesten Film-Erinnerungen ist, auf dem Schulhof in der neusten TV Movie alles anzustreichen was gesehen und aufgenommen werden muss. Da die Auswahl an Horrorfilmen hier doch recht be- oder zumindest stark geschnitten war entdeckte er Videotheken für sich bzw. seine Mutter, da man diese ja erst ab 18 betreten durfte. Wenn er nicht gerade Filmreviews schreibt ist er wahrscheinlich im (Heim-)Kino oder vor dem Mikrophon für den OV Sneak Podcasts, SneakyMonday.



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