Kritik

Veröffentlicht am 1.11.2021 | von Malte Triesch

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KOSMETIK DES BÖSEN – Filmkritik

Perfection is achieved, not when there nothing more to add, but when there is nothing left to take away.

(Jeremiasz Angust – A Perfect Enemy)

Der Star-Architekt Jeremiasz Angust (Tomasz Kot) trifft auf dem Weg zum Flughafen scheinbar zufällig die junge, aufreizende und sehr gesprächige Texel Textor (Athena Strates). Gestrandet in der Lounge, da beide ihren Flug verpassen, beginnt Texel ihm ihr Leben in drei repräsentativen Kurzgeschichten zusammenzufassen. Während die Geschichten immer verstörender und Texel immer aufdringlicher wird, keimen Zweifel an der Zufälligkeit der Begegnung und dem geistigen Zustand der jungen Frau auf.

Kosmetik Des Bösen ist ein durch und durch europäischer Mystery-Thriller. Eine spanisch, französisch, deutsche Co-Produktion, hauptsächlich gedreht an einem französischen Flughafen (Charles de Gaulle), von einem spanischen Regisseur (Kike Maíllo), mit einem polnischen Hauptdarsteller (Tomasz Kot), der einen dermaßen extremen französischen Akzent aufbringt, dass man seine Herkunft nie vermuten würde. Das Ganze ist finanziert unter anderem von der deutschen Filmförderung und natürlich primär in Englisch gedreht, um es international vermarkten zu können. Diese unterschiedlichen Einflüsse vermischen sich gekonnt zu einem Film, in dem auch Thriller erprobte Zuschauer sich schwer tun werden die Erzählstruktur oder gar den Plot vorherzusagen. Obgleich die Handlung auf den Flughafen fixiert ist, spielt der Film das breite Spektrum seiner Entstehung unter anderem im Rahmen von Texels Kurzgeschichten auch auf der Ebene der Schauplätze aus, so dass wir auch vom niederländischen Ghetto bis zum Pariser High-End-Apartment viel Abwechslung zu sehen bekommen. Trotz des ausladenden Rahmens ist der Film jedoch ein Kammerspiel zwischen Angust und Texel, was Regisseur Maíllo zum Glück nicht aus den Augen verliert. Wie bei jedem Kammerspiel lastet somit jedoch Gedeih und Verderb des Films auf der Performance der Hauptdarsteller und hier wird er für manche schwer verdaulich. Wo Kot‘s Angust zwischen Arroganz und Selbstmitleid schwankt, wandelt Strate‘s Texel zwischen verführerisch und extrem nervig. Obwohl diese Gewühlsschwankungen, größtenteils sehr überzeigend und stets durch die Handlung gerechtfertigt sind, strapaziert besonders die Figur der Texel die Nerven des Zuschauers streckenweise auf das Äußerste. So werden nicht wenige das Bedürfnis verspüren die Protagonisten zu ohrfeigen, sei es um ihn wachzurütteln oder sie zu verscheuchen oder zumindest für kurze Zeit zur Ruhe zu bringen.

Ein mitreißender Mystery-Thriller, der dem Zuschauer weder Ruhe noch einen Ankerpunkt bietet. Wäre er länger als die knapp 90 Minuten, wäre es ermüdend, würde man die Protagonisten ausgeglichener darstellen, würde Wirkung verpuffen und die Auflösung nicht funktionieren. Das macht den Film zwar nicht perfekt, analog des eingangs erwähnten Zitates aber absolut sehenswert. Vergleiche zu ziehen würde die Twists verraten, eine klare Empfehlung für Fans von Mystery-Thrillern, die sich gerne in und mit einem Film verlaufen, aber am Ende an ein klares Ziel geführt werden wollen, kann man jedoch aussprechen.

A Perfect Enemy (ES DE FR 2021)
Regie: Kike Maíilo
Darsteller: Dominique Pinon, Marta Nieto, Tomasz Kot, Athena Strates
Kinostart: 04. November 2021, Koch Films

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Über den Autor

Malte wuchs im idyllischen Lilienthal, direkt an der Grenze zu Bremen, der schönsten Stadt im Norden Deutschlands, auf. Seine frühesten Film-Erinnerungen ist, auf dem Schulhof in der neusten TV Movie alles anzustreichen was gesehen und aufgenommen werden muss. Da die Auswahl an Horrorfilmen hier doch recht be- oder zumindest stark geschnitten war entdeckte er Videotheken für sich bzw. seine Mutter, da man diese ja erst ab 18 betreten durfte. Wenn er nicht gerade Filmreviews schreibt ist er wahrscheinlich im (Heim-)Kino oder vor dem Mikrophon für den OV Sneak Podcasts, SneakyMonday.



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