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Veröffentlicht am 19.04.2022 | von Robert Heitmann

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FATHER JOHN MISTY – Chloë and the Next 20th Century


Foto-© Ward & Kweskin

Love’s always gonna leave ya
No matter what they say
You only know what it is once it’s gone away

(Father John Misty – Goodbye Mr Blue)

Für die heutigen typischen Veröffentlichungszyklen der Musikindustrie kommen die vier Jahre, die Joshua Michael Tillman – besser bekannt als Father John Misty – zwischen seinem letzten Werk God’s Favorite Customer aus dem Jahr 2018 und dem am 8. April erschienenem fünften Longplayer Chloë and the Next 20th Century verstreichen lassen hat wie eine kleine Ewigkeit vor. Vielleicht ist hier eine Jahrhundertpandemie Erklärung genug – vielleicht wollte der US-amerikanische Sänger und Musiker aus Maryland sich auch einfach nur ausreichend Zeit nehmen.

Eine prachtvolle Sammlung von insgesamt elf Stücken sind das Ergebnis von Tillmans erneuter Zusammenarbeit mit seinem langjährigen Kollaborator, Produzenten und Multiinstrumentalisten Jonathan Wilson sowie Toningenieur und Mischer Dave Cerminara. Geschrieben im Zeitraum von August bis Dezember 2020, wurde die Songs zunächst in Wilsons Five Star-Recordingstudio aufgenommen, um später in einer Session bei United Recordings mit Arrangements aus Streichern und Bläsern ausgeschmückt, ehe auch Produzent und Songwriter Drew Erickson – zuletzt durch seine Arbeit an Lana Del Reys Album Blue Banisters aus dem Jahr 2021 bekannt – seinen kreativen Teil für einige der Tracks beisteuerte.

Ganz romantisch und mit einem Hauch von Film noir fühlt man sich von der als Single gewählten Jazz-Ballade Funny Girl – eine Anlehnung an die Musicalverfilmung mit Barbra Streisand aus dem Jahr 1968 – in eine vergangene Zeit versetzt, wenn Streicher, Trompeten und Schlagzeug einen melodiösen Klangteppich gemacht wie für einen stilvollen Hollywood-Filmabspann auslegen. Für das Stück Goodbye Mr. Blue übernehmen Akustik- & Pedal-Steel-Gitarren, während der Sound weiterhin federleicht bleib und Tillman schwermütig und gedankenverloren – wahrscheinlich von einer geliebten Person – Abschied nimmt: “This may be the last time / The last time I lay here with you”. Ebenfalls als eine der Singles gewählt, liefert Q4 wieder eine schwungvolle Stimmung mit prunkvollen Streichern, Paukenschlägen, Keyboard-Arpeggios sowie Glockenspiel in den zur Ruhe kommenden Abschnitten des Songs, der auch direkt blumig den 1970ern entsprungen sein könnte. The Next 20th Century entschleunigt und lässt den Raum aus Streichern und Percussion wieder kleiner werden, bevor ein E-Gitarrensolo wieder alles aufweckt und man sich stellenweise an Nick Cave & The Bad Seeds erinnert fühlt.

Einmal mehr beweist sich Father John Misty mit Chloë and the Next 20th Century als unglaublich bedachter Songwriter, der ein Album zum Versinken in Tagträumen zwischen Pop, Jazz und Swing kreiert hat.

Father John Misty – Chloë and the Next 20th Century
VÖ: 8. April 2022, Bella Union
www.fatherjohnmisty.com
www.facebook.com/fatherjohnmisty

YouTube video

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