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Veröffentlicht am 16.06.2022 | von Tom Whelan

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ΣTELLA – Up And Away


Foto-© Dimitra Tzanou

I‘ve been caught in your world
Suddenly
And I want to deliver
Up up and away we go

(Σtella – Up And Away)

Gerade war Yannis Philippakis bei Jools Holland zu Gast. Der Moderator fragte, ob der Sänger sich vorstellen könne, Musik aus der Heimat seines Vaters zu machen. Traditionell Griechisches, nicht international einsetzbaren Rock wie mit Foals. Klar könne er sich das vorstellen. Auch Lianne La Havas wolle sich mehr mit der Musik ihres griechischen Vaters auseinandersetzen, immerhin hat er ihr die erste Gitarre geschenkt. Geschehen ist in beiden Fällen bisher nichts. Warum eigentlich?

Die Dame, die unserem Schriftbild nach Stella Chronopoulos heißt und als Künstlerin Σtella geschrieben werden will (Στέλλα war ihr wohl zu dreist), zögerte auch lange, was Inklusion von Einflüssen aus ihrer Lebensumgebung betrifft. Sie hat drei Alben für die Labels Inner Ear und Arbutus veröffentlicht, da ging es straight in Richtung Electro-Pop. Nicht ganz wie bei Marsheaux, aber so ungefähr. Amtssprache: Englisch. Kaum Instrumente, die man mit Hellas und dem benachbarten Raum assoziiert.

Nun veröffentlicht die Sterngleiche mit Up And Away einen Titelsong, der sich wie in der Taverne anhört. Echtes Schlagzeug, Clapping, klassischer Orgelsound. Dazu der Wunsch, sich von allem loszureißen, wie Sagengestalten es konnten. Das Instrumental Manéros basiert auf einem Hip-Hop-Beat. Christos Skondras greift engagiert in die landestypische Bouzouki, sein Spiel harmoniert sehr mit dem Rhythmus. In Another Nation funktioniert es ähnlich, dieses Mal stimmt Σtella mit ein. So erhält man einen Eindruck von der Welt, in der diese Sängerin und Malerin lebt. Man spürt mediterrane Magie.

Gerne wird der Begriff Weltmusik verwandt, wenn Bouzouki, Kanun oder Laouto in merklichem Ausmaß vorkommen. So schematisch sollte man hier nicht verfahren. Σtella vollzieht keinen völligen Stilwechsel hin zum Folkloristischen. Ihr Produzent ist Redinho. Der Londoner war Mitglied in Hudson Mohawkes Live-Band, hat mit Riz Ahmed gearbeitet und das Video zu seinem eigenen Track Nova Special in Athen gedreht. Er sorgt mit dafür, dass man man beim Hören von Up And Away an Khruangbin denkt. Auch der mikrotonische Flash bei King Gizzard & The Lizard Wizard mag Motivation gewesen sein. The Truth Is und Is It Over haben wegen gechillter Soul-Art mehr mit Sade zu tun. Es ist stets ein Crossover, akustische und elektronische Elemente kommen zusammen, ebenso wie Einflüsse aus verschiedenen Epochen und Regionen.

Auf inhaltliche Tiefe muss man nicht verzichten. Es ist klar, worum es in Black And White geht, um verständnisvolles Miteinander. Das Pfeifen zu Beginn von Titanic lässt zunächst auf Lockerheit schließen, dann fallen Namen von Passagieren, die das Schiffsunglück überlebt haben. Freude und Tragik in einem. Interessant, dass die Athenerin derartig sinniert. Wer weiß jetzt schon noch, wohin die Reise im Land der Reedereien und auf der Welt generell geht. Vielleicht gehen wir alle unter. Kein Problem, wenn Σtella an Bord ist. Mit ihr kann man guten Gewissens abtauchen.

Σtella – Up And Away
VÖ: 17. Juni 2022, Sub Pop
www.stellawithasigma.com
www.facebook.com/stellawithasigma

YouTube video

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