Kritik

Veröffentlicht am 8.09.2022 | von Malte Triesch

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ORPHAN: FIRST KILL – Filmkritik


Foto-© Steve Ackerman/Studiocanal

It´s lovely to be back.

(Esther – Orphan: First Kill)

Aus einer psychiatrischen Anstalt in Estland entkommen, gibt sich Esther (Isabelle Fuhrman) als die vermisste Tochter der wohlhabenden Familie Albright aus und schleicht sich so in die Vereinigten Staaten von Amerika und die Familie ein. Dort angekommen hegen einige Familienmitglieder schnell Zweifel daran, ob Esther wirklich ihr verschollenes Mitglied ist oder vielleicht sogar eine Gefahr für sie darstellt.

Zunächst eine ganz klare Spoilerwarnung für alle, die den ersten Orphan nicht gesehen haben. Der Film ist zwar kein Meisterwerk, endet aber auf einem Twist für die Ewigkeit, der alleine schon den Film absolut sehenswert macht. Diesen haben wir hier in der Synopsis so gerade eben umschifft, aber Teil 2 zu besprechen oder auch nur den Trailer anzuschauen, ruiniert euch Teil 1 komplett. Sind alle die Teil 1 nicht gesehen haben weg? Gut! First Kill ist keine Fortsetzung im eigentlichen Sinne, sondern, wie der Titel First Kill andeutet, ein Prequel. Unter anderem weil Fans wissen wollten und nicht ganz glauben konnten, wie Esther es aus Estland in die USA geschafft haben soll. Da die große Überraschung (Spoiler!), dass Esther in Wirklichkeit kein neunjähriges Mädchen sondern eine 33- jährige Frau mit einer seltenen Krankheit ist, hier bereits im Intro preisegegen wird, haucht der Film der oberflächlich identischen Handlung mit einem kompletten Perspektivenwechsel neue Spannung ein. Denn anstatt zu rätseln, ob oder was mit dem neuen Adoptivkind nicht stimmt, folgen wir der kompletten Handlung dieses Mal aus der Sicht von Esther. Wer nun befürchtet, dass sie damit von der eiskalten Killerin zur heimlichen Heldin des Films wird, hat gar nicht so unrecht, wird aber dennoch überrascht werden. Der Twist des Prequels ist dabei zwar nicht so kreativ wie der des Erstlings, aber ebenso sinister und sollte eben so wenig verraten werden. Die sehr große Herausforderung, eine interessante Fortsetzung zu Orphan zu schreiben, ist also gelungen, aber wie sah es mit dem Dreharbeiten aus? War Hauptdarstellerin Isabelle Fuhrman in Teil 1 mit elf Jahren noch relativ nah an Esther, die im Körper einer Neunjährigen feststeckt, war der Dreh mit nunmehr 23 Jahren eine unweigerlich größere Herausforderung. Vor allem da es sich ja auch noch um ein Prequel handelt. Glücklicherweise wurde dies, neben einer sehr überzeugenden schauspielerischen Leistung fast ohne digitale Effekte, mit perspektivischen Tricks, Make-Up und manchmal einer guten alten Holzkiste (um die Größenunterschiede auszugleichen) gemeistert. Dass dabei teilweise dann doch das echte Alter der Schauspielerin durchblitzt, trägt eher noch zur Glaubwürdigkeit bei, denn Esther ist kein magisch ewig junges Wesen, sondern bleibt nur anatomisch eine Neunjährige.

Regisseur William Brent Bell, bekannt für B-Horrorfilme wie die beiden The Boy-Filme und Devil Inside oder Stay Alive, ist eine Fortsetzung gelungen, mit der Niemand gerechnet hat. In Form eines Prequels, das sinnvoll und mit viel schwarzem Humor eine Lücke in der Geschichte ausfüllt, die wenigen aufgefallen und wohl kaum jemand für füllbar gehalten hat. Solltet ihr die Spoilerwarnung ignoriert und trotz Unkenntnis des ersten Teils bis hierhin gelesen haben, nun noch eine weitere Warnung. Ohne Kenntnis des Vorgängers bleibt euch ein Großteil des Spaßes am Prequel verschlossen. Bei Interesse ist es nun leider zu spät Orphan so zu genießen wie ursprünglich vorgesehen, nehmt euch aber nicht auch den Spaß am Prequel und schaut dennoch unbedingt zunächst den ersten Teil. Genau wie Esthers Adoptiveltern bekommt ihr eine Überraschung, allerdings eine positive.

Orphan: First Kill (USA 2021)
Regie: William Brent Bell
Besetzung: Isabelle Fuhrman, Julia Stiles, Rossif Sutherland, Hiro Kanagawa, Matthew Finlan, Samantha Walkes, Gwendolyn Collins
Kinostart: 08. September 2022, STUDIOCANAL

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Über den Autor

Malte wuchs im idyllischen Lilienthal, direkt an der Grenze zu Bremen, der schönsten Stadt im Norden Deutschlands, auf. Seine frühesten Film-Erinnerungen ist, auf dem Schulhof in der neusten TV Movie alles anzustreichen was gesehen und aufgenommen werden muss. Da die Auswahl an Horrorfilmen hier doch recht be- oder zumindest stark geschnitten war entdeckte er Videotheken für sich bzw. seine Mutter, da man diese ja erst ab 18 betreten durfte. Wenn er nicht gerade Filmreviews schreibt ist er wahrscheinlich im (Heim-)Kino oder vor dem Mikrophon für den OV Sneak Podcasts, SneakyMonday.



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