BLACKBERRY – KLICK EINER GENERATION – Filmkritik


Foto-© Paramount Pictures

We’ll do it perfectly or I don’t do it.

(Mike – Blackberry)

Research in Motion, kurz RIM und ihr Kernprodukt, der Blackberry, sind heutzutage nur noch eine Fußnote in der Geschichte des Smartphones. Eine Fußnote, die es wert ist, sie in (vielleicht besser nicht ganz) zwei Stunden komplett auszuerzählen.

Es gab eine Zeit in den frühen 2000ern, da gab es kein krasseres Gadget als den Blackberry. E-Mail und Telefon in einem. Aber fangen wir, wie auch der Film, am Anfang an. Die Geschichte von RIM dreht sich zunächst um die zwei liebenswerten Nerds Mike (Jay Baruchel) und Doug (Matt Johnson) und die vielen weiteren Nerds, die sich um die scharen. Mike ist ein technisches Genie, aber introvertiert, Doug ist ziemlich smart und obwohl nicht introvertiert, außerhalb der Nerdbubble dennoch nicht besonders kompatibel mit Menschen. Geschäftsleute sind beide nicht einmal ansatzweise und so haben sie zwar die smartesten Techniker Kanadas um sich geschart, aber schaffen es weder ihren revolutionären Pitch an den Mann zu bringen, noch mit regulären Deals Geld zu verdienen. So haben sie zwischen Netzwerkspielen und „EmergencyMovieNights“ im Office zwar viel Spaß an der Arbeit, stehen aber kurz vor dem Ruin. Das ändert sich beides schlagartig mit Jims (Glenn Howerton) forciertem Eintritt in die Firma. Jim geht für den Erfolg, Korrektur, für seinen Erfolg über Leichen. Und bringt potentielle Geschäftspartner in den Verhandlungen zur Unterschrift und die Nerds zu Höchstleistungen.

Die Kombination dieses Trios beschert RIM und somit dem Zuschauer zunächst einen rasanten Aufstieg mit faszinierenden technischen Innovationen. Wenige Dinge sind so befriedigend, wie wenn das Großmaul Jim einen Raum von Executives dazu bringt, den genialen Ideen und Ausführungen von Mike endlich Gehör zu schenken und Doug das Ganze danach mit ihrer Nerd Entourage irgendwie auf die Straße bringt. Aber irgendwann greifen die einzelnen Zahnräder nicht mehr ineinander, werden zu viele Ideale verraten und die unlauteren Geschäftspraktiken holen das Trio und vor allem Jim ein.

Dabei ist Blackberry kein Film über absolute Exzesse oder ein mitreißender Wirtschaftskrimi. Mehr eine Charakterstudie ohne strahlende Helden oder dunkle Antagonisten. Man gönnt allen den Erfolg, freut sich mit ihnen, sieht aber auch von Anfang an die Risse in der Fassade, die Sollbruchstellen von Strategie, Freundschaften und Geschäftspartnerschaften. Matt Johnson führte Regie, schrieb am Drehbuch mit und spielt eine der drei Hauptfiguren „Doug“ mit absolutem Herzblut und Mut zur Hässlichkeit. Mit anderen Worten, genau wie die Geschichte von RIM, ist auch dieser Film eine Herzensangelegenheit. Das spürt man, das fühlt sich richtig an und so wünschen wir auch ihm viel Erfolg. Handwerklich ist der Film, wie der Blackberry, vielleicht nicht ganz so sexy gemacht, etwas zu sperrig und lang, aber liefert da, wo es drauf ankommt, zuverlässig ab. Unterhaltsam, lehrreich und somit sehenswert.

Blackberry (CAN 2023)
Regie: Matt Johnson
Besetzung: Jay Baruchel, Glenn Howerton, Matt Johnson
Heimkino-VÖ: 7. Dezember 2023, Paramount Pictures

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Malte Triesch

Malte wuchs im idyllischen Lilienthal, direkt an der Grenze zu Bremen, der schönsten Stadt im Norden Deutschlands, auf. Seine frühesten Film-Erinnerungen ist, auf dem Schulhof in der neusten TV Movie alles anzustreichen was gesehen und aufgenommen werden muss. Da die Auswahl an Horrorfilmen hier doch recht be- oder zumindest stark geschnitten war entdeckte er Videotheken für sich bzw. seine Mutter, da man diese ja erst ab 18 betreten durfte. Wenn er nicht gerade Filmreviews schreibt ist er wahrscheinlich im (Heim-)Kino oder vor dem Mikrophon für den OV Sneak Podcasts, SneakyMonday.

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