
Foto-© Juergen Teller
I need a thicker skin
This pain keeps getting in
Tell me what to do
‚Cause I’ve always listened to you
And I’m here at your door
And I’ve been here before
Tell me what to do
‚Cause nothing works without you, oh
I know the hour is late
And I know you’ll make me wait
I can sit outside
I set fire to my pride
What is left to lose?
Nothing left to lose
What is left to lose?
Nothing left to lose, no
(Everything But The Girl – Nothing Left To Lose)
Ganz einfach machen es Tracey Thorn und Ben Watt, besser bekannt als Everything But The Girl, den Hörern ihrer über 40 Jahre reichenden Retrospektive nicht. Es geht hin und her, vor und zurück in den 16 Stücken von The Best Of Everything But The Girl– sowohl was die Chronologie der Karriere dieses phänomenalen Pop-Duos betrifft als auch die stilistischen Entwicklungen. Okay, gegen Ende gibt’s mehr Balladen, aber ein bequemer kontinuierlicher Zeitstrahl von 1982 bis in die Gegenwart – vergesst es!
Mit dem wohl größten EBTG-Hit Missing (Todd Terry Remix) von 1994 geht’s im typischen Electropop/House-Sound jener Zeit los, dann springt die Compilation ins Jahr 2023, als Thorn/Watt mit einem feinen Comeback-Album und dem darauf enthaltenen Song Nothing Left To Lose wieder sehr erfolgreich waren. Tracey In My Room (2000) und Walking Wounded, Single (1996) sind mal Dancefloor-Stoff, mal eher Trip-Hop, und damit durchaus repräsentativ für das Spektrum der experimentierfreudigen Briten in den mittleren bis späten Nineties.
Man hat sich gerade wieder an Tracey Thorns einmalige, wunderbar dunkle Stimme zu skelettierten Beats und hypnotischen Synths gewöhnt, da ändern die beiden den Kurs mit ihrer Cover-Version des Bossa-Nova-Klassiker Corcovado – um daran zu erinnern, dass ihre Liebe Anfang/Mitte der 80er Jahre dem Latin-Pop, Easy Listening und soften Jazz gehörte. Zu diesen Genres kehren Everything But The Girl auf dem Best-of-Sampler auch später noch zurück, etwa mit Each And Every One (1984) und Cole Porters Night And Day (1982).
Überhaupt waren Thorn/Watt über die Jahre immer wieder großartige Interpreten von Fremdmaterial – davon zeugen hier I Don’t Want To Talk About It (Danny Whitten) und The Only Living Boy in New York (Paul Simon). Am schönsten aber unter vielen schönen Aufnahmen sind das zu Tränen rührende Cross My Heart und Driving – beide aus einer Karrierephase, als EBTG noch vor dem ganz großen internationalen Durchbruch standen, aber mit den vier Alben Love Not Money (1985), Baby, The Stars Shine Bright (1986), Idlewild (1988) und The Language Of Life (1990) neben The Style Council, The Blow Monkeys, Working Week und Sade zu Aushängeschildern eines „jazzy sophisti-pop“ (Allmusic) wurden.
Danach kam es tatsächlich so, wie das Label Chrysalis aus Anlass der Retrospektive schreibt: „Wer in den 90er Jahren das Radio einschaltete, kam an Todd Terrys Remix von Everything But The Girls ‚Missing‘ nicht vorbei. Das Duo schaffte es mit dem Song von den englischen Tanzflächen aufs internationale Parkett.“ Nach den auch kommerziell ergiebigen 90er-Jahren beschlossen Thorn und Watt, eine Duo-Pause einzulegen. Zwei Dekaden später, nach soliden Solokarrieren und Familienleben, meldeten sich Everything But The Girl 2023 mit dem Studioalbum Fuse zurück und treten nun auch wieder gemeinsam live auf. Da darf gern noch mehr kommen.

Everything But The Girl – The Best Of Everything But The Girl
VÖ: 14. November 2025, Chrysalis Records
www.ebtg.com
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