
Foto-© LEONINE
Not every man who is known, is loved.
(Sheriff Gabriel Dove – The Unholy Trinity)
Die Suche nach dem Mann, der für den Tod seines Vaters verantwortlich ist, treibt Henry Broadway (Brandon Lessard) in die verlassene Stadt Trinity, tief im verschneiten Montana der 1870er. Schnell wird der naive, junge Mann in die verworrene Historie seines Vaters hineingezogen, während alte und neue Konflikte zwischen Sheriff Gabriel Dove (Pierce Brosnan), dem mysteriösen St. Christopher (Samuel L. Jackson), der ausgestoßenen Running Club (Q’orianka Kilcher) und dem ganzen Rest des Dorfes aufkommen.
Zuallererst muss man sich an den Look dieses Westerns von Richard Gray gewöhnen. Besonders die ersten Szenen wirken sehr künstlich. Ein Makel, der sich durch den gesamten Film zieht, denn alles ist einfach etwas sauberer als man es von aktuellen oder klassischen Western kennt. Das lässt den Film zu Unrecht ein wenig wie eine günstige Fernsehproduktion aus den 90ern erscheinen. Vermutlich waren jedoch gerade die ersten Szenen schlicht Pick-Ups vor Greenscreen, nachdem der eigentliche Film abgedreht war. Denn auch wenn Gebäude und Kleidung etwas zu sauber und neu wirken, merkt man durchaus, dass tatsächlich auf der Yellowstone Ranch in Livingston Montana gedreht wurde. So gibt es viele wunderschöne Außenaufnahmen, in denen sowohl wunderschöne Landschaft als auch die Interaktion der Darsteller mit ihr ausgiebig ausgespielt werden. Der Fokus liegt hier aber keineswegs in der Darstellung des harten Überlebenskampfes mit der Natur des „wilden“ Westens wie in The Revenant (2015). Nein, es geht um die Verflechtung und das Aufarbeiten der Geschichte von Henry‘s Vater, der Stadt, dem Sheriff und seiner Frau und St. Christopher. Pierce Brosnan spielt den irischen Sheriff gewohnt charmant, wobei es fast irritierend ist, ihn hier in seinem nativen irischen Dialekt sprechen zu hören. Ebenso seine Frau, gespielt von Veronica Ferres, die passenderweise auch im Film eine deutsche Einwanderin mimt. Samuel L. Jackson spielt, was soll man sagen, einmal mehr Samuel L. Jackson. Man kann sicher ein ruinöses Trinkspiel daraus machen, jedes Mal einen Whiskey zu genießen, wenn er von seinem „black ass“ spricht. Aber auch er macht seine Sache zumindest ok und es ist einfach nett ihn nach Django Unchained erneut in einem Western zu sehen. Die Geschichte von The Unholy Trinity und ihre verworrene Auflösung bedient dabei gleichermaßen viele Klischees wie sie dennoch an vielen Stellen auch zu überraschen weiß. Wirklich viel Action und Duelle gibt es dabei nicht, das erwartet aber auch hoffentlich niemand mehr von Pierce Brosnan, der Mann ist Jahrgang 53. Das macht den Film aber nicht weniger spannend und die actionreicheren Momente, die da sind, sind zwar nicht so spektakulär, aber dafür realistisch und größtenteils mit der nötigen Konsequenz inszeniert.
Ein Western ganz im klassischen Stile der US Genre-Vertreter aus den 70ern, minus den harten Rassismus. Für Fans des Genres und Brosnan mehr als einen Blick wert, aber auch alle anderen denen Filme wie zum Beispiel Wincester ’73 (1950) gefallen haben, können einen Abstecher nach Trinity riskieren. Mehr Spaß als Henry Broadway werden sie dort mit Sicherheit haben.

The Unholy Trinity (US 2025)
Regie: Richard Gray
Darsteller: Pierce Brosnan, Samuel L. Jackson, Brandon Lessard, Gianni Capaldi, David Arquette, Q’orianka Kilcher, Veronica Ferres
Heimkino VÖ: 12. Dezember 2025, LEONINE

