
Foto-© Graham Tolbert
Last night everybody loved me
And nothing hurt too much
Been hiding out in rooms with no names
Michael’s getting hooked on the stuff
Nobody’s been to the bottom
But baby, have you heard
They let me be the one with the shovel
Let me do my worst
I traded in my western sky
For a pair of shaky eyes
There’s got to be some kind of reason
Crusading children go by
Don’t everybody cry
I’ll come running whenever you need me
(Hiss Golden Messenger – Shaky Eyes)
Schlimme Zeiten für Amerika, gute Zeiten für Americana: Die nordamerikanische Mixtur aus Folkrock, Country, Soul, Gospel und Blues hat in diesem tristen Jahr des immer deutlicher zum Vorschein kommenden Donald-Trump-Faschismus erneut Hochkonjunktur. Bevor das neue Album Little Wide Open von Kevin Morby die Folkrock-Fans im Mai umblasen wird (es ist – Achtung, zweiter Spoiler – ein Hammer!), soll hier von einem weiteren guten Bekannten aus der Americana-Community die Rede sein: von MC Taylor aka Hiss Golden Messenger.
Auf I’m People versucht er, fünf Jahre nach dem melancholischen Meisterwerk Quietly Blowing It (seine Reaktion auf die bereits erschütternden ersten Trump-Jahre) und drei Jahre nach dem optimistischeren Jump For Joy (aufgenommen in der ruhigen Regierungszeit von Joe Biden) seine Sorgen und Nöte (und auch Hoffnungen) angesichts der ihm fremd gewordenen Heimat in Songs zu fassen. Taylor, ein in vielen Lebenskrisen gereifter Mittfünfziger aus North Carolina, setzt sich in seinen zwölf neuen, wie immer wunderschönen Songs „mit Herzschmerz und Hochgefühlen und der absolut schwarzen Komödie des Lebens in Amerika im Jahr 2025 auseinander“, schreibt sein Label Chrysalis Records.
„Welche andere Wahl haben wir, als hoffnungsvoll zu sein?“, fragt der dem in den USA bedrohten linksliberalen Spektrum zugehörige Singer-Songwriter und Gitarrist – und ähnelt damit einem Jeff Tweedy, der sich im vergangenen Jahr, dem ersten von „Trump II“, ähnlich zur Lage des Künstlers im aktuellen Amerika äußerte. Die Texte pendeln also zwischen Trauer und Schwermut, Fatalismus und „Muss-ja-irgendwie-weitergehen“-Aufbruchstimmung.
Musikalisch setzt Taylors Bandprojekt Hiss Golden Messenger diese ambivalente Stimmung in zwölf erhabenen, prächtigst arrangierten und produzierten Folkrock- und Countrysoul-Kompositionen um. Wie schon früher (und das ist der einzige Knackpunkt bei dieser Platte – man kennt den Messenger-Sound inzwischen halt schon ziemlich gut) lauten die Stil-Koordinaten: Bob Dylan/The Band, Van Morrison (besonders schön in Mercy Avenue), Little Feat, Otis Redding, The Jayhawks, Lambchop, Wilco, Richmond Fontaine/The Delines – also alles nur vom Feinsten.
Das Album wurde in Dreamland aufgenommen, einer stillgelegten Kirche außerhalb von Woodstock bei New York. „Ich wollte, dass das Album das Gefühl dieses Ortes im Hinterland vermittelt – (…) ein Ort der Poesie, der Erde, des Himmels und der Berge“, sagt Taylor. Als Gäste zu hören sind unter anderem Bruce Hornsby, Sam Beam (Iron & Wine), Marcus King, Sara Watkins, Amy Helm, Eric D. Johnson (Fruit Bats) sowie Griffin und Taylor Goldsmith (Dawes), produziert haben Taylor selbst und Josh Kaufman (Bonny Light Horseman).
I’m People ist eine tiefschürfende, berührende, auch tröstliche Platte – ein kluges Album, das mehr Fragen zum gefährlich schwankenden, erratischen Amerika von heute stellt als Antworten zu geben. Taylor fühlt aber auch Dankbarkeit, in diesem ersten Jahr von „Trump II“ mit so vielen guten Freunden kreativ unterwegs gewesen zu sein: „I’m thankful to get to make music like this with my friends. It was so important in 2025, when things felt like they were on fire.“ Und jetzt – wie geht’s weiter?, fragt er im fabelhaften, gospeligen Pianopop-Closer Depends On The River und in den Liner-Notes dazu. Antwort: „We simply can’t know. It depends on the river.“ Hoffen wir das Beste für gute Amerikaner wie MC Taylor.

Hiss Golden Messenger – I’m People
VÖ: 01. Mai 2026, Chrysalis Records
www.hissgoldenmessenger.com
www.facebook.com/HissGoldenMessenger

