JAMES ELLIS FORD – Lost In Another World


Foto-© Dan Wilton

It’s in the time you waste in the morning
It’s in that song you hate without warning
And when your eyes roll up to the ceiling
I believe in you, I believe in you
It’s in the shapes you make when you’re sleeping
And in the face you pull when they’re speaking
And in the space you leave lies the meaning
I believe in you, I believe in you
I never could believe in anything
And now I know for sure
In this godless world
I believe in you, I believe in you
I believe in you, I believe in you
Do you believe I do?

(James Ellis Ford – I Believe In You)

Man muss nur diese euphorisch abgefeierten Alben der vergangenen drei, vier Jahre nennen, um die Bedeutung von James Ford für den britischen Pop der Gegenwart zu ermessen: The Ballad Of Darren von Blur, Prelude To Ecstasy von The Last Dinner Party, Lives Outgrown von Beth Gibbons, Romance von Fontaines D.C., More von Pulp. Was für Meisterwerke hat der Engländer da auf seiner aktuellen Agenda. Als Producer, wohlgemerkt. Denn als Musiker mit dem Electro-Dance-Duo Simian Mobile Disco und solo (sein Album The Hum erschien 2023) war der inzwschen 47 Jahre alte Studiozauberer auch aktiv, aber nicht ganz so erfolgreich und weltweit renommiert.

Mit dem nun veröffentlichten Werk schlägt er unter dem vollständigen Geburtsnamen James Ellis Ford ein neues Kapitel auf – und zwar ein überaus berührendes. Lost In Another World trägt die Melancholie und die Unsicherheit über das Verlorensein in einer fremden Welt schon im Albumtitel – und das hat seine Gründe. Denn der Multiinstrumentalist und Meisterproduzent war Ende 2024 schwer an einer aggressiven Leukämie erkrankt (mit zeitweise niederschmetternd schlechter Heilungsprognose), sodass er die Songs mit Laptop, MIDI-Keyboard, Mikro und Kopfhörern im Krankenhaus einspielen musste.

„Die meiste Zeit meines Lebens bin ich nicht zu Ärzten gegangen. Ich hielt mich für unbesigbar und quälte meinen Körper“, erinnert sich Ford im Rolling Stone-Interview (August-Ausgabe) an die Vorgeschichte des Schocks. Und womöglich half ihm letztlich die Abwechslung und Ablenkung durch Kreativität dabei, den Blutkrebs trotz mehrerer Rückschläge zu überwinden. Das Schreiben und Aufnehmen der zwölf sehr hörenswerten Synthpop-Tracks „hat mich mit meinem Leben davor verbunden, mit der realen Welt“, sagt er heute. „Das war für meine geistige Gesundheit von unschätzbarem Wert. Es war der Versuch, mich normal zu fühlen.“

Die dabei entstandene Musik ist stilistisch irgendwo zwischen The Blue Nile und Soft Cell, David Sylvian, Brian Eno und Mark Hollis einzusortieren – manchmal federleicht groovend, meist aber eher schwermütig und erhaben über den Dingen schwebend. Auch in einigen Songtiteln (Till Our Days Are Gone, Homesick For Another World, The Ever After, Did You Ever Want To Go To Your Own Funeral?) hat Ford seine Ängste und Todesahnungen hinterlegt.

Dass er aber die Hoffnung nie aufgab, dokumentieren Lieder wie Silver Lining, This Too Shall Pass und This Will All Be A Memory Soon. Tiefe Dankbarkeit für die intensive Begleitung der schweren Zeit durch seine Frau drückt er mit dem wunderschönen Stück I Believe In You (ein Songtitel, den auch die Geistesverwandten Talk Talk für ihr legendäres Spätwerk Spirit Of Eden von 1988 wählten, jedoch ist dies kein Cover).

„Ein Werk aus dem Inneren der Katastrophe“, „eine Zeitkapsel, aufgenommen im Auge des Sturms“, so beschreibt Fords Label Domino das tatsächlich komplett solo eingespielte und bei aller Keyboardlastigkeit doch erstaunlich warm klingende Artpop-Album Lost in Another World. Gut, dass dieser tolle Musiker aus der anderen Welt wieder herausgefunden hat. Jetzt freuen wir uns auf weitere bedeutende Arbeiten als Top-Produzent für britische Acts – und auch auf das eine oder andere Soloalbum. „Ich hoffe, ich finde noch einmal zu diesem Mindset zurück, nur das nächste Mal gern ohne Leukämie“, sagt James Ellis Ford im Gespräch mit dem Rolling Stone. Ja bitte!

James Ellis Ford – Lost In Another World
VÖ: 14. August 2026, Domino Recordings
www.jamesellisford.com
www.instagram.com/jamesellisfordmusic

YouTube Video

Werner Herpell

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