Kritik

Veröffentlicht am 12.04.2017 | von Dominik

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THE YOUNG POPE – Kritik

Ihr habt vergessen, zu masturbieren! Ihr habt vergessen, zu verhüten! Ihr habt vergessen, homosexuelle Beziehungen zu leben!

(Papst Pius XIII. – The Young Pope)

In Zeiten von Trump, Brexit und AfD fehlt nur noch ein junger, amerikanischer Priester, der es fluchend und rauchend und trotz seiner Glaubensprobleme zum Papst schafft. Tja, da war der italienische Star-Regisseur Paolo Sorrentino (La Grande Bellezza – Die große Schönheit, Ewige Jugend) wohl seiner Zeit voraus als er die Serie The Young Pope – Der junge Papst entwickelte.

Lenny Belardo (Jude Law) ist vieles – Priester, Waisenkind, Amerikaner, Raucher – und seit neustem ist er wundersamer Weise auch Papst. Doch damit haben sich anscheinend die Kardinäle bei der Wahl verzockt, denn zwar wünschte man sich einen jungen und offenen Papst – aber eben auch einen, der eher einer Marionette in ihren Händen gleicht und tut was sie wollen. Doch Pius XIII. hat seine ganz eigenen Vorstellungen von Glaube, der Kirche und Gott – was alle schmerzlich erleben sollen. Er will mystisch wirken und dadurch Gläubige anziehen, indem sein Gesicht nie zu sehen ist. Er will Strenge walten lassen, Homosexualität in den Reihen der Kirche verbieten, genauso Abtreibungen. Die Kardinäle, sowie die Presse und die Katholiken sind geschockt – doch der junge Papst lässt sich nicht von seinem Weg abbringen.

Paolo Sorrentino hat ein Herz für Außenseiter, für schrullige Charaktere – genauso wie für pompöse Ausstattung, scharfzüngige Dialoge und großes Autorenkino. Und so ist auch seine erste Serien-Produktion, The Young Pope. Gespickt von bissigen Kommentaren, gar überladen an Kostüm und Ausstattung, angeführt von einem großartig aufspielenden Jude Law, bei dem die Grenzen zwischen göttlich und teuflisch, zwischen stark und schwach, zwischen gläubig und ungläubig immer wieder verwischen, der aber immer für eine Überraschung gut ist. Dass die Handlung häufig eher stockt und sich der Humor vielmehr aus Gesprächen, Situationen und dem Spiel des bis in die Nebenrollen großartig besetzen Casts entfaltet, ist dabei zu vernachlässigen – wenn man sich darauf einlassen kann. Wer das kann wird auf jeden Fall mit einer einzigartigen und gleichzeitig einer der besten europäischen Serien-Produktion unserer Zeit belohnt!

The Young Pope (ITA, ESP & FRA 2016)
Idee: Paolo Sorrentino
Darsteller: Jude Law, Diane Keaton, Silvio Orlando, Scott Shepherd, Cécile de France, Ludivine Sagnier
Heimkino-VÖ: 31. März 2017, Polyband

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