Film

Veröffentlicht am 26.02.2012 | von Dominik

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GESTÄNDNISSE – CONFESSIONS – Filmkritik

Auch wenn das Gesetz dich schützt, ich verzeih dir nicht.

(Yuko Moriguchi – Geständnisse – Confessions)

Eine junge Lehrerin schreitet stoisch, fast apathisch durch ihr Klassenzimmer, spricht in gleichbleibender Lautstärke, als würde sie nicht merken, dass die Schüler der Klasse ihr nicht zuhören, toben, sich anderweitig beschäftigen oder sie einfach nur ignorieren – ein Zustand, der sich schon kurze Zeit später ändern soll. Denn nicht nur verkündet Yuko Moriguchi am letzten Schultag vor den Ferien, dass sie die Klasse nicht mehr länger unterrichten wird, nein, gleichzeitig teilt sie allen Anwesenden auch mit, dass sich unter ihnen die beiden Mörder ihrer jungen Tochter befinden.

Geschockt von dieser Behauptung wollen die Kinder mehr wissen. Frau Moriguchi lässt sich jedoch nicht aus der Ruhe bringen und entfaltet nach und nach die Geschichte, wie ‚Schüler A‘ und ‚Schüler B‘ ihre Tochter, die sich während der Schulzeit manchmal im Aufenthaltsraum allein beschäftigte, umgebracht und ihr das Verbrechen sogar gestanden haben. Und sie geht noch weiter: Vor dem Unterricht habe sie den Milch-Beuteln der beiden Mörder HIV-infiziertem Blut beigemengt – dies solle die beiden lehren das Leben zu schätzen. Kurz darauf klingelt es, die Ferien beginnen – doch in der Klasse wird es nie mehr so sein wie zuvor!

Aufgebaut in mehrere einzelne Handlungsbögen, lässt der japanische Regisseur Tetsuya Nakashima in jedem Strang der Geschichte seine Charaktere Geständnisse abgeben. So zeichnet sich ein immer genaueres Bild der Tragödie, die sich vor und nach der Ansprache der jungen Lehrerin zuträgt und zeigt, wie schwer die Rache der trauernden Mutter wirklich wiegt: von den Mitschülern verstoßen und gepeinigt, suchen die beiden Mörder ihre Flucht in Aggression bzw. im Wahnsinn – der Weg in ein normales Leben ist ihnen verbaut, woran auch der aufopferungsvoll-naive neue Klassenlehrer nichts ändern kann. Mitschuldig daran sind gleichzeitig auch die Familien der beiden. Packend bebildert, hervorragend geschrieben und mit vielen Verweisen an die Popkultur (Radiohead und The XX vertonen beispielsweise das Geschehen) entstand so ein herausragender Film, der wohl niemanden kalt lassen wird: ‚Geständnisse – Confessions

Kokuhaku (JAP 2010)
Regie: Tetsuya Nakashima
Darsteller: Takaku Matsu, Yoshino Kimura, Masaki Okada, Yukito Nishii, Kaoru Fujiwara, Ai Hashimoto
DVD-VÖ: 18. November 2011, Rapid Eye Movies

httpvh://www.youtube.com/watch?v=C1gdeSbhLsc

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Über den Autor

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