Film

Veröffentlicht am 10.08.2012 | von Julia

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GLÜCK – Filmkritik & Verlosung

Der Wuppdich is‘ der Moment, wo man mit der Schaukel ganz oben is‘ un stehn bleibt und alles is‘ gut.

(Kalle – Glück)

Nicht unbedingt nach der Definition von Glück fragt Doris Dörrie in ihrer gleichnamigen Literaturverfilmung, sondern vielmehr nach den ungeraden Wegen dorthin und den unkonventionellen Mitteln, dieses Glück zu halten. Grundlage ist Ferdinand von Schirachs Sammlung von Anekdoten aus dem Berufsalltag des Strafverteidigers, die unter dem Titel ‚Verbrechen‚ seit Wochen die Bestsellerlisten anführen. Regisseurin Doris Dörrie baut den Knackpunkt des entsprechenden Kriminalfalles aus, der ihrer Meinung nach in der Buchvorlage fehlt: das Motiv der Liebe.

In einer märchenhaften, mitunter symbolschwangeren Erzählung führt uns ‚Glück‚ in die verwahrlosten Ecken Berlins. Unser Blick wird auf ungewöhnliche Begegnungen und somit unweigerlich auch auf die Frage nach dem individuellen Schicksal gelenkt.

Aus den Schrecken des Krieges hat sich die junge Irina nach Berlin gerettet, um nun selbstbestimmt und doch selbstverloren der Prostitution nachzugehen. Als sie den Klischee-Punker Kalle und dessen Klischee-Schäferhund kennenlernt, beginnen die zunächst so unangepassten Existenzen behutsam am bürgerlichen Glücksentwurf zu basteln. Der Spielplatz im Wohnghetto wirkt wie ein Zufluchtsort der beiden Hauptfiguren, die verliebt und wie Kinder den „Wuppdich“ auf der Schaukel, den höchsten Punkt des Glücks für immer halten wollen. Dass beide in der Vergangenheit eher die Abwesenheit des Glücks erleiden mussten, erfährt man vom schmalllippigen Punker nur ansatzweise und im Falle Irinas lediglich in Rückblenden.

Für beide soll es Arbeit und ein festes Dach über dem zottel- beziehungsweise perückenbedeckten Schopf sein. Die Angst vorm Alleinsein in der hektischen Metropole, vor allem nach dem Tod des Hundes, wird in der Inszenierung überdeutlich. Nicht aber die Besetzung der Schauspieler. Dem durchtrainierten Vinzenz Kiefer kann man den verlotterten Punker kaum abnehmen, zu süß kommt er daher. Das zurückhaltende und daher umso eindringlichere Spiel der Italienerin Alba Rohrwacher (‚Die Einsamkeit der Primzahlen‚) hingegen überzeugt.

Die Sympathie für ihre Figuren merkt man der Regisseurin durchaus an, beispielsweise beim Vater-Mutter-Kind Schatten-Spielen mit dem vernachlässigten Nachbarsmädchen. In wunderbar farbigen Bildkompositionen innerhalb der Wohnung, am See oder dem Spielplatz versucht Dörrie das kleine Glück einzufangen.

Vielleicht bedienen Kalle und Irina schlicht und einfach Dörris Vorstellung vom armen, aber sexy Berlin, zwei beinah verlorene Existenzen, die sich auf der Suche nach Glück aneinanderklammern und dabei, wie im Falle Kalles, zu besseren Menschen werden. Hier liest der Zuschauer eventuell auch die Moral der früheren Philosophiestudentin Dörrie heraus.

Doch wenn man denkt, es geht nicht mehr (rosa Kirschbaumblüten im Wind, womöglich ein Verweis auf ‚Kirschblüten Hanami‚), kommt von irgendwo ein dicker Freier her, denn schließlich geht Irina auch in der gemeinsamen Wohnung der Prostitution nach. Am Zenit der Handlung bricht ein abermals typisch besetzter Freier tot in der gemeinsamen Wohnung zusammen.

Wie weit würdest du gehen für dein Glück?“ fragt der Trailer des Films. Kalle antwortet mit einer blutigen Entscheidung, die seine eigene Freiheit aufs Spiel setzt. An dieser Stelle seien zarte Gemüter vorm Kinobesuch gewarnt!

Ein interessanter Ansatz ist die Umarbeitung eines Kriminalfalls in eine Liebesgeschichte allemal. ‚Glück‘ ist zusammen genommen ein wunderbar kurzweiliger und sehr unterhaltsamer Film mit viel Einfühlungsvermögen, obwohl man als Zuschauer das Glück der beiden manchmal fast nicht mehr ertragen kann. Eigentlich kann man ‚Glück‘ als eine Aneinanderreihung von rosa feel-good-Momenten definieren, gewürzt mit einer überraschend blutigen Splatterszene, die die Inszenierung abrundet.

Wer die Vorgängerwerke ‚Kirschblüten Hanami‘ oder ‚Der Fischer und seine Frau‚ mochte, wird ‚Glück‘ lieben. Für Freunde des deutschen Kinos und Verliebte auf jeden Fall eine Empfehlung.

Glück (D 2011)
Regie: Doris Dörrie
Darsteller: Alba Rohrwacher, Vinzenz Kiefer, Matthias Brandt, Oliver Nägele
DVD-VÖ: 6. September 2012, Constantin Film

httpvh://www.youtube.com/watch?v=_0yYIfQSZNo

In Zusammenarbeit mit Constantin Film verlosen wir zum DVD-Start von ‘Glück’ am 6. September zwei DVDs des Films! Ihr wollt gewinnen, dann schreibt uns bis zum 24. August eine Mail mit dem Betreff ‘Glück’ und eurer Adresse an gewinnen@bedroomdisco.de und mit etwas Glück habt ihr den Film bald daheim im Briefkasten.

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