Film

Veröffentlicht am 5.02.2013 | von Julia

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RENOIR – Filmkritik

Aus Muse wird Dienstmädchen, aus Dienstmädchen wird Muse. Bild dir bloß nichts darauf ein!

(Die Angestellten – Renoir)

Eine Vermarktung des nationalen Kulturgutes, wie bei einer vorzüglichen Flasche Rotwein kann den wenig-frankophilen Kinogänger an diesem Abend schmerzen. Saftige, sich im Wind wiegende Grashalme an der Côte d’Azur, gepaart mit nackten, kurvigen und blasszarten Frauenkörpern, eine Hommage an die Natur – alles verschmilzt in ‚Renoir‚ zu einer „Komposition“ des Regisseurs Gilles Bourdos.

Und in der Tat versucht sich der Filmemacher stark der Ästhetik des Malers Renoir anzunehmen. Die Geschichte beschreibt die letzten Lebensjahre des weltbekannten Impressionisten. Scheinbar isoliert lebt er mit seinen Bediensteten und dem jüngsten Sohn auf seinem Anwesen an der Côte d’Azur. Von der Gicht und dem hohen Alter schwer gezeichnet, verbringt Renoir die Tage vor der Staffelei in seinem großzügigen Garten.

Doch die Auswirkungen des Krieges lassen auch diese Hausgemeinschaft nicht unberührt: Zwei der Söhne sind bereits zum Dienst eingezogen worden, den Vater quälen seitdem Albträume. Die junge Andrée stößt als Modell in den Kreis der Familie und der Dienstmädchen. Ihr Rotschopf und der blasse Teint der Haut fügen sich perfekt in Inszenierung des Films und auf die Leinwände des Malers. Als Jean Renoir kurz darauf verwundet aus dem Krieg zurückkehrt, entwickelt sich eine zarte Romanze zwischen der aufbrausenden und eitlen Muse und dem zurückhaltenden und scheinbar ambitionslosen Sohn des Künstlers.

Andrée möchte am liebsten alles sein: Schauspielerin, Tänzerin, Sängerin und Modell und kokettiert gern mit ihren angeblichen sexuellen Erfahrungen. Was schon viele Mädchen vor ihr versuchten, endete letztlich doch in der Küche: „Aus Muse wird Dienstmädchen, aus Dienstmädchen wird Muse. Bild dir bloß nichts darauf ein“, giften die Angestellten.

Das Kameraauge versucht sich oft an der Ästhetik des Impressionisten und ahmt mit lichtdurchfluteten Kompositionen dessen Bilder nach, platziert die Entkleideten mit Strohhüten und von Natur umringt am Flusslauf oder auf einer Wiese. Diese schwärmerische Hingabe des Regisseurs ziehen die Handlung leider so zäh in die Länge, dass sich selbst beim geneigten Bordeaux-Trinker und Städel-Dauerkartenbesitzer Langeweile einstellt. Die Charakterstudie des Sohnes, der lange Jahre im Schatten des berühmten Vaters stand und viel später als Regisseur Weltruhm erlangte, kann diese Schwächen jedoch vielleicht beim ein oder anderen wieder wett machen.

Renoir (FRA 2012)
Regie: Gilles Bourdos
Darsteller: Michel Bouqet, Christa Theret, Vincent Rottiers
Kinostart: 07. Februar 2013, Arsenal Fimverleih

httpvh://youtu.be/FHtDYaLkC5Q

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