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Veröffentlicht am 18.08.2015 | von Christian Weining

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LAMBERT – Stay In The Dark

Neben der Liebe ist die Nacht wahrscheinlich eine der größten Inspirationsquellen für Künstler. Lambert, der Musiker mit der schicksten aller Masken, hat sich für sein zweites Album ganz der Dunkelheit verschrieben und das Album komplett in ihrer Dunkelheit komponiert.

Zur Neo-Klassik passt diese Dunkelheit und ihre Melancholie sowieso. Zu den Stücken von Lambert erst recht. Somit ist seine neue Platte ‚Stay In The Dark‚ ein authentischer und vollkommener Hörgenuss und die Nacht begegnet dem Hörer bei jedem Stück von einer anderen Seite. Melancholisch und schwer, doch genau so heiter und vor allem atmosphärisch stimmungsvoll. Dass hier etwas Besonderes geschaffen wurde, kann man übrigens im Oktober und November auf seiner kleinen Clubtour auch live erfahren. Da Lambert sonst auch eine Menge anderes zu tun hat, wie Filmmusik komponieren, Reworks von unter anderem Boy und Oasis aufnehmen, oder mit José Gonzales gemeinsame Sachen zu machen, sollte man sich das nicht entgehen lassen.

Man spürt in jedem Stück des Albums, das am 04.09. beim Label Staatsakt erscheint, die typische Lambert Note und hört man das Album nebenbei, kann man sicherlich das Gefühl bekommen, dass alles sehr ähnlich klingt, was bei der eingeschränkten Besetzung nicht verwunderlich wäre. Hört man jedoch etwas genauer hin und vergleicht die Stücke, merkt man, dass Lambert es sich nicht leicht gemacht hat, was wahrscheinlich die andauernde Faszination für dieses Werk erklärt.

Das Eingangsstück ‚Talk!‚ beispielsweise, mit immer wiederkehrender fast hektischer, verspielter Phrase, ist durch den Piano Klang natürlich auch ein ruhiges Stück, jedoch wesentlich impulsiver als zum Beispiel das nach dem Album benannten ‚Stay In The Dark‚. Oder ‚Locked‚, dass mit einer Leichtigkeit und Offenheit gar nicht so zum Titel passt, aber umso schöner klingt.

Ganz besonders minimalistisch ist z.B. ‚Cole‚, mit sich fast durchgehend wiederholenden Pattern. Aufregend jazzzig dagegen ‚Money & Love‚ mit betont Beat-mäßiger Begleitstimme und wilden Melodiebögen, sowie einem deutlichen immer wieder kehrenden Echo. ‚H‚ ist eine Ode an den Ton h, der laut Lambert generell viel zu kurz kommt, weshalb er ihn in diesem Stück, mehrere hundert mal anschlägt. Es handelt sich also ganz offensichtlich um keine Aneinanderreihung von nach Nacht klingenden Pop Piano Stücken für die Bildrepräsentation des letzten Urlaubs. Viel mehr ist es ein anspruchsvolles, wie inspirierendes und ganz besonders wohl tuendes Hörerlebnis für mit Popkonserven überfüllte Ohren.

Lambert’s Musik ist schwer mit der anderer Künstlern zu vergleichen, da sich alle Stücke mehr oder weniger zwischen Klassik, oder besser Romantik und Minimalismus bewegen, was nicht grade die kommerziellste Genrekombination ist. Mal füllt er die entstehenden Klangwelten mit einem kleinen Bläsersatz oder elektronischen Spielereien. Doch gleich bleiben immer auf der einen Seite die minimalistischen Begleitstimmen mit sich ständig wiederholenden Pattern, die fast eine meditative Wirkung erzeugen. Und auf der anderen Seite die teils sehr dünnen aber auch ausgeführten Melodiephrasen. Klassisch, jazzig, teilweise auch doch irgendwie poppig und ja, was soll man anderes sagen: wunderschön..

Immer schwingt das Gefühl von Filmmusik mit, die Lambert, wie bereits erwähnt, nebenbei auch komponiert wie z.B. für den im Mai erschienen Film ‚Hedi Schneider steckt fest‚. Daher, oder zu dem, kommt auch manchmal das Gefühl auf, dass vielleicht Yann Tiersen hinter dem Ganzen steckt, ist Lambert auch nun mal nicht erkennbar unter der Maske.

Doch man kann grübeln so lange man will, Lambert ist einzigartig. Es ist eine ganz besondere Tiefe, die die Musik von Lambert und ‚Stay In The Dark‘ so besonders macht, die man nicht genau erklären kann. Aber warum auch? Man kann dem Menschen hinter der Antilopen Maske nur dankbar sein, die Platte auflegen, sich in Gedanken verlieren, den hellen Tag durchleben oder die Dunkelheit der Nacht genießen.

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Lambert – Stay In The Dark
VÖ: 04. September 2015, Staatsakt
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