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Veröffentlicht am 20.04.2016 | von Lisa

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PARQUET COURTS – Human Performance

Parquet Courts - Human Performance CD-Kritik

I know exactly, where I was when I
First saw you the way I see you now, through these eyes, waiting to retry
Those pristine days I, recall so fondly
So few are trials when a life isn’t lonely, and now if only
I’d never felt it, I’d never heard it
I know I loved you did I even deserve it, when you returned it

(Parquet Courts – Human Performance)

Parquet Courts traten erstmals 2011 auf die Indie-Bühnen dieser Welt – standesgemäβ für eine hippe Indie-Band aus Brooklyn veröffentlichte das Quartett ihr Debütalbum ‚American Specialties‚ als limitierte Kassetten-Edition. Seitdem folgten drei weitere Alben, die ihnen einen stetigen Platz in der Indie-Rock-Szene verschafften. Nun erschien mit ‚Human Performance‚ das 5. Studioalbum der Band.

In den besten Momenten des Albums erinnert die Band an groβe Namen wie Velvet Underground, The Strokes oder sogar The Libertines zu Zeiten des grossen Indierock-Rauschs der frühen Zweitausender: Schrammelige Gitarren, ein stolperndes Schlagzeug, nervöser Bass und der ganz eigene Gesangsstil von Sänger Andrew Savage, der stets auf dem schmalen Grad zwischen rotzig-abgefuckt-cool und bluesig-melancholisch wandelt, geben den Ton vor. In Songs wie ‚Outside‚ oder dem hymnischen ‚Human Performance‚ erinnert man sich sogar fast ein bisschen an Damon Albarn zu besten Blur-Zeiten erinnert.

Der Titeltrack ‚Human Performance‘ ist sowieso eins der Highlights des Albums – eine schrammelige Garage-Rock-Hymne auf der Savage sich melancholisch einer sich dem Ende nähernden Beziehung gegenüber sieht. Das kurz und knackige ‚I was just here‚ hingegen erinnert fast schon an einen Mix aus Kraftwerk mit Garage-Rock-Einflüssen: Savage betet hier den Text gebetsmühlenartig-monoton und seltsam schräg herunter, während im Hintergrund eine leicht verstimmte Gitarre den Takt vorgibt – bis eine einzige hingerotzte Refrain-Explosion den Song abrupt beendet. Nicht der einfachste Song des Albums, der sich durch seine Sperrigkeit erst nach mehrmaligem Hören beginnt zu entfalten.

Ähnlich anstrengend ist ‚Paraphrased‚ – ein punkig-widerspenstiges Monster von einem Song, in dessen Chorus Savage betrunken-trotzig die Aufmerksamkeit des Hörers kommandiert, nur um in den Strophe wieder in einen mantra-artigen Sprechgesang zu verfallen. Und man bemerkt: auf diesem Album passt auf den ersten Blick oft nichts so richtig zusammen, aber in erstaunlich vielen Fällen funktioniert es trotzdem mysteriöser Weise irgendwie. Das Spiel mit Disharmonien und experimentellen Song-Strukturen ist etwas, was sich durch das Album zieht – so auch auf Songs wie dem funky-poppigen ‚No Man No City‚ or dem Opener ‚Dust‚.

‚Human Performance‘ ist ein sperriges Album, ein artsy, punkig, intellektueller und anspruchsvoller Garage-Rock Bastard, der es dem Hörer zu keiner Zeit leicht macht. Aber was man Parquet Courts zu Gute halten muss ist vor allem die Tatsache, dass es in Zeiten wie diesen wahnsinnig erfrischend ist, sich einer Band gegenübergestellt zu finden, die sich nicht scheut, sich in ihren Texten auch abseits der Herzschmerz / Quarter Lifer Crisis-Thematik zu bewegen. Die Texte auf ‚Human Performance‘ sind eine efrischende Mischung aus philosophisch, selbst-reflektiert und kritisch – und oft ein bisschen seltsam, aber immer ehrlich und direkt. ‚Human Performance‘ ist kein Album, das mit offenen Armen auf einen zuläuft und umarmt, es ist ein Album, das man sich erschliessen muss, das Arbeit erfordert. Man muss bereit sein, sich auf die Disharmonien und Ecken und Kanten einzulassen – nur dann wird man als Hörer auch mit einem reifen und reflektierten Album belohnt.

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Parquet Courts – Human Performance
VÖ: 08. April 2016, Rough Trade Records
www.parquetcourts.wordpress.com


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