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Veröffentlicht am 16.03.2018 | von Susan

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THE FRATELLIS – In Your Own Sweet Time

I heard the time just slips from your sugarplum lips
So I go there just to watch it fall
And then my jaw just drops when your cherry lolly pops
I get nervous when you bounce my ball

(The Fratellis – Sugartown)

Aus alt mach neu, scheint auch das Motto von The Fratellis zu sein. Früher verehrt als eine der angesagtesten Indiebands, heute, mit ein paar Jahren mehr auf den schlaksigen Rücken, nicht minder verkehrt. Denn durch ein wachsames Auge und einiges an Gespür für den richtigen Zeitpunkt, passen sie mit ihrer neuen Platte In Your Own Sweet Time genau das ab, was man gerade so dringend braucht – den guten alten Indiepop. Denn wie oft denkt man daran zurück, wie es wäre noch einmal 16 Jahre alt sein zu können. Mit langer, ungekämmter Mähne würde man wieder auf Wiesen sitzen, den ein oder anderen Grasfleck in Kauf nehmen und durchgeweichtes Käsebrot aus dem Sandwichmaker essen. Ein ganz essentielles Beiwerk dieser Szenerie lieferten damals Bands wie Clap Your Hands Say Yeah, Metronomy und eben auch The Fratellis, die sich zwar im Stil unterscheiden, aber gleichermaßen dafür sorgten, dass man sich trotz fettigen Fingern und Blättern im Haar, äußerst erwachsen und im Einklang mit sich und der Welt befand.

Schon gleich der erste Song Stand Up Tragedy auf In Your Own Sweet Time ist eine dieser typischen Kompositionen der drei Musiker aus Glasgow. Durch einprägsame Gitarrenriffs und Jon’s jugendlicher Stimme, ruft sie dieses Gefühl von Freiheit hervor, wonach man sich schon so lange sehnte. Genau wie der Song Starcrossed Losers, der ebenso an vergangene Hits wie Chelsea Dagger erinnert. Und während Songs wie Sugartown und Told You So noch sehr romantisch an die erste Liebschaft aus vergangenen Zeiten erinnert, werden ab der Mitte der Platte andere Töne angeschlagen. The Next Time We Wed wirkt schon wesentlich gehetzter als seine Vorgänger. Durch das angezogene Tempo wird es aber auch moderner, was man auch in den folgenden Songs Laughing Gas und Advaita Shuffle wiederfindet. Insgesamt findet man zwischen angezogenem Tempo aber auch immer mehr rockige Element wieder, was bei I Guess… I Suppose und I’ve Been Blind, schon leicht überhand nimmt und eher an Stadionhymnen erinnern lässt.

Dennoch merkt man den 11 Songs der Schotten an, dass sie auf ihrem fünften Album all ihre Stärken neu ausloten und dabei einen neuen und lebendigeren Sound, was vor allem ab der Mitte der Platte spürbar wird, erzeugen. Damit vereinen sie den Sound einer Band, die sich selbst neu gefunden hat, ohne dabei ihre Wurzeln, die man aus dem 2006 veröffentlichte Debütalbum Costello Music kennt, zu vergessen. Wer also The Fratellis von früher erwartet, wird genauso fündig werden, wie diejenigen, die sich eine Veränderung herbeigewünscht hatten. Und so wie die Grasflecken in der Hose, bleiben einem zum Glück auch The Fratellis mit diesem Album noch einige Zeit erhalten.

The Fratellis – In Your Own Sweet Time
VÖ: 9. März 2018, Cooking Vinyl
www.thefratellis.com
www.facebook.com/thefratellis

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Über den Autor

Susan wohnt in Hamburg und wollte früher hauptberuflich Groupie werden, bis ihr ein Exfreund einen Song auf Myspace widmete. Der hat bis heute 200 Klicks. Von ihr.



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