Kritik

Veröffentlicht am 10.09.2018 | von Julius Tamm

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GHOST STORIES – Filmkritik

Was ist real, was nur in unserem Kopf? Eine Frage, die jeder gesunde Mensch von sich behauptet, beantworten zu können. Doch was ist, wenn die Grenzen des Rationalen und des Verständlichen sich verschieben? Woran soll noch geglaubt werden, wenn sich das, was als Wahrheit galt, in einem Trugbild auflöst? Andy Nyman und Jeremy Dyson bringen mit Ghost Stories ein Werk auf die Leinwand, das sie schon vorher als Theaterstück inszenierten, und überzeugen damit das Publikum. Zum Heimkinorelease haben wir uns den Film noch einmal angesehen.

Professor Philipp Goodman (Andy Nyman) hat sich das Ziel gesetzt, Mysterien, Spukgeschichten und Aberglauben aufzulösen und die Menschen von seiner rationalen Weltsicht zu überzeugen. Um dieses Ziel zu erreichen, leitet Goodman die Fernsehserie Psychic Cheats, in der er Hellseher*innen und Wahrsager*innen auffliegen lässt.

Eines Tages bekommt Goodman eine Einladung von seinem Idol Charles Cameron (Leonard Byrne), ebenfalls ein Rationalist, der sich aber aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen hat. Cameron beauftragt den Professor, drei alte Fälle von ihm zu lösen, die er sich selbst nicht erklären kann. Überzeugt von seiner Arbeit zieht Goodman los, um die drei Fälle näher zu untersuchen. Es handelt sich um den Nachtwächter eines Irrenhauses Tony Matthews (Paul Whitehouse), den skurrilen Teenager Simon Rifkind (Alex Lawther) und den reichen Geschäftsmann Mike Priddle (Martin Freeman). Alle drei haben traumatische Erfahrungen gemacht, die sie sich selbst nicht erklären können. Matthews sieht während seiner Schicht ein groteskes Mädchen, dass ihm nachstellt, Rifkind trifft in einem düsteren Wald auf ein ziegenbockähnliches Wesen und Priddles Frau sucht ihn nach seiner Geburt als Poltergeist heim. Je tiefer die Nachforschungen gehen, desto weniger kann sich Philipp Goodman die Ereignisse erklären und verliert immer mehr den Glauben an seine Philosophie.

Was das Regisseurteam Nyman und Dyson hier auf die Beine gestellt haben, sieht eigentlich wie ein klassischer Horrorfilm aus. Ein Skeptiker aus der Wissenschaft zweifelt an der Existenz von Geistern und übernatürlichen Phänomen, wird aber im Laufe des Films eines Besseren belehrt. Dazu kommen noch allerlei Horrorfilmklischees, wie kein Handyempfang, alles bei Nacht, Jump-Scares und typische Schauplätze, zum Beispiel eine Psychiatrie, ein dunkler Wald oder ein einsames Haus. Was jetzt nach abgedroschenem Gruselfilm klingt, wandelt sich im Laufe der Zeit zu einem skurrilen Psychohorror, der am Ende sein komplettes Ausmaß entfaltet. Zudem wird der Film unglaublich gut in Szene gesetzt. Von der Kameraführung, über das Licht bis hin zur wunderschön verstörenden Szenerien. Es ist vielleicht nicht eine neue Generation von Horrorfilmen, aber Ghost Stories schafft es doch, sein Publikum zu überraschen.

Ghost Stories (UK 2017)
Regie: Andy Nyman, Jeremy Dyson
Darsteller: Andy Nyman, Martin Freeman, Alex Lawther, Paul Whitehouse, Nicholas Burns, Jill Halfpenny
Heimkino-VÖ: 6. September 2018, Concorde Video

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Über den Autor

Seit 2017 Masterstudent für Medienentwicklung in Darmstadt. Schreibt für bedroomdisco, FRIZZ Darmstadt und im Moment für die Frankfurtert Rundschau.



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