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Veröffentlicht am 1.03.2019 | von Anne Beier

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DIE HEITERKEIT – Was Passiert Ist


Foto-© Dennis Schönberg

Dieses Mädchen ist unnahbar
und steht jetzt neben dir
Dieses Mädchen bin ich
Mit einem anderen Gesicht
Mit einem anderen Namen
Und mit anderen Haaren

(Die Heiterkeit – Dieses Mädchen)

Dass deutscher Pop auch das Gegenteil von Kitsch sein kann, beweisen Die Heiterkeit erneut auf ihrem vierten Studioalbum Was Passiert Ist. Nach Herz aus Gold, Monterey, Pop & Tod I+II klingt die neueste Platte leichter als ihre Vorgängerinnen, ist aber weit entfernt von Oberflächlichkeit. Die Songs der Hamburgerin Stella Sommer – seit 2010 Fixpunkt der sich ständig ändernden Besetzung der Band – lassen die HörerInnen dieses Mal näher heran, ohne die kühle Attitüde aufzugeben, die den Sound der Band ausmacht. Dieses Nähe-Distanz-Spiel und das Aufzeigen der Leichtigkeit der schweren Themen machen den Reiz der elf Lieder über Desillusionierung und Orientierungslosigkeit aus.

Das Album startet ruhig mit den Balladen Was Passiert Ist und Im Fluss – Sommers kühle, sonore Stimme wird hier hauptsächlich von einem Piano begleitet, es geht um Depression und Verlust, aber auch um Annäherung. Mit dem Track Das Wort bekommt das sonst oft zeitlos klingende Album einen Retro-Touch: Keyboards sorgen für den 80s-Effekt, während das lyrische Ich durch Sommers Stimme fast schon beiläufig, aber eindringlich über Einsamkeit sinniert und alles plötzlich recht tanzbar wird. Auch Ein Alter Traum macht Tempo und setzt auf den Retro-Hymen-Sound, der in wunderbarem Kontrast mit Sommers Stimme und den nachdenklichen Lyrics steht.

Ich Sehe Dich Am Liebsten ist wieder ganz leicht und doch getragen und zeigt, dass Sommer es schafft, die Unsicherheiten ihrer Generation auf den Punkt zu bringen: „Ich sehe dich am liebsten / als Bild auf Instagram / Was wir voneinander wissen / wissen wir nicht ganz.“ Und genau dieser Spagat zwischen kühler Beobachtung, Entlarvung des Traurigen im Alltäglichen und der Coolness, trotzdem irgendwie darüber zu stehen, macht dieses Album so besonders. Es ist wie eine wissende Umarmung einer Freundin in schwierigen Zeiten. Im letzten Song der Platte wird es noch einmal düster: „Die Sterne am Himmel sind ausgelaufen / Man kann sie nicht mehr sehen / Der Himmel ist jetzt ein Aschehaufen.“ Ein etwas surreales Finale, das auch vom Klang noch einmal alle (düsteren) Register zieht und trotzdem tröstlich wirkt.

Vielleicht kommt die scheinbare Nahbarkeit des Albums daher, dass die Songs aus der Ich-Perspektive erzählen. Stella Sommer hat die Gitarre gegen Tasten getauscht und setzt vor allem auf Klavier und Keyboard. Die Band wurde reduziert: Am Schlagzeug ist wieder Philipp Wulf zu hören, Jérome Bugnon (Seeed) spielt Posaune, als Bassist ist Produzent Moses Schneider dabei. Das alles macht das Album persönlicher und damit durchdringender. Den Tanz auf dem Abgrund beherrscht Sommer außergewöhnlich gut.

Die Heiterkeit – Was Passiert Ist
VÖ: 01. März 2019, Buback Tonträger
www.dieheiterkeit.de
www.facebook.com/dieheiterkeit

Die Heiterkeit Tour:
14.03. Sputnik Cafe, Münster
15.03. Artheater, Köln
16.03. Manufaktur, Schorndorf
17.03. Slowclub, Freiburg
18.03. P8, Karlsruhe
20.03. Strom, München
24.03. Z -Bau, Nürnberg
26.03. Societaetstheater, Dresden
27.03. Werk2, Leipzig
28.03. Mousonturm, Frankfurt
29.03. Uebel & Gefährlich, Hamburg
30.03. Lido, Berlin


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