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Veröffentlicht am 7.03.2019 | von Robert Heitmann

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SASAMI – Sasami


Foto-© Alice Baxley

One of these nights I’m gunna see you dance again
One of these nights I’m gunna feel your arms again

(Sasami – Not The Time)

Sasami Ashworth ist sich der großen Herausforderung bewusst: Das Leben als Vollzeitmusikerin bestreiten zu wollen, erfordert harte Arbeit, Fokus und Engagement. Die in Los Angeles lebende Songwriterin und Multi-Instrumentalistin sammelte vor allem als ehemalige Livemusikerin und Mitglied von Cherry Glazerr an den Synthesizern ausgiebig Erfahrungen. Während der Zeitspanne von einem Jahr auf Tour mit Cherry Glazerr entstanden Ashworths eigene Songs – in den raren ruhigen Momenten zwischen den Konzerten nahm sie ihre Demoversionen direkt auf einem iPad auf. Das Ende einer innigen Beziehung und der Beginn neuer Bekanntschaften auf Achse – Freunde, Liebschaften und mit sich selbst – machten das Schreiben von eigenem Material zu einer Notwendigkeit: der Aufklang eines höchst emotionalen und ungewissen neuen Abschnitts. Das Resultat ist ein Debütalbum mit zehn melodischen weitgefächerten Rocksongs, die Ashworth als Sasami bei Domino Records Anfang März veröffentlicht.

Auf Tour schienen die Ideen für die eigenen Stücke nur so zu sprudeln – Gedanken und Songfragmente wurden in einer dem Tagebuch ähnlichen Sammlung festgehalten, um zu späterem Zeitpunkt in Form eines Liedes vollendet zu werden. Ashworth vergleicht die Ergebnisse als vollendete Briefe, die jedoch niemals ihren Empfänger erreichen – eine betrübliche Vorstellung, aber umso fesselnder, dass dem Hörer diese Möglichkeit mit Sasami gegeben wird. So thematisiert Not The Time getragen von knisternden Shoegaze-Gitarren die bittersüße Einsicht der erwiderten Liebe für die weder Zeitpunkt noch Ort stimmen. Synthieflächen bauschen sich auf, bevor die Erkenntnis folgt: “It’s not the time or place for us, but you said that you would save some space for us.” Ashworths Arrangement ist fein und durchdacht: Melodien funkeln und wohlige Sounds finden ihren Platz. Die klassische Ausbildung der studierten Studiomusikerin macht sich in der Vorliebe für’s Detail bemerkbar.

Callous führt den genauen Blick auf eine nicht funktionierende Beziehung fort – diesmal mit Kritik auf ein von Anfang an bestehendes ungesundes Ungleichgewicht: „I couldn’t even count the number of times that I let you in and I made myself small, even though I smiled throughout it all.“ Eine eindringliche Ballade, die von Ashworths gelassenen, teilweise gehauchten Gesang getragen wird, ehe druckvolle Drums und Gitarrenfeedbacks den Song zu einem wuchtigen Ende bringen. Alle Songs auf Sasami wurden analog als 16-Track von Thomas Dolas und Ashworths Bruder und persönlichen Guitar Hero Joo Joo aufgenommen und produziert. Doch auch die Mitarbeit von Ashworths guten Freunden wie u.a. Soko, Hand Habits und Alvvays-Drummerin Sheridan Riley trägt zum besonderen Klang und Ästhetik des Albums bei. Mit Devendra Banhart findet sich auf Free ein Duettpartner, um begleitet von sanft schwingend klaren Gitarrenakkorden die schmerzhafte Einsicht einer nicht funktionierenden Beziehung zu besingen, da trotz Zuversicht nicht der entscheidende gemeinsame Nenner vorhanden ist.

Mit Sasami gibt Ashworth ihre Erfahrungen aus ungeahnten zwischenmenschlichen Beziehungen und ihren vielseitigen Verläufe preis – all das im Einklang mit der erstaunlichen Einsicht wie viel davon sich in einem Zeitraum von nur einem Jahr ändern kann. Zehn Lieder wie ein sich öffnendes Tagebuch voller verflossener Erinnerungen ummantelt von einem bemerkenswert eigenen Sound, dass dem Zuhörer einen bereichernd wertvollen Einblick erlaubt.

Sasami – Sasami
VÖ: 8. März 2019, Domino Records
www.sasamiashworth.com
www.facebook.com/SASAMIASHWORTH


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