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Veröffentlicht am 26.04.2019 | von Dennis Möller

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WEYES BLOOD – Titanic Rising


Foto-© Brett Stanley

If I could go back to a time before now
Before I ever fell down
Go back to a time when I was just a girl
When I had the whole world
Gently wrapped around me
And no good thing could be taken away
If I still believe that hearts don’t lie
You’re gonna be just fine
But, babe
A lot’s gonna change
In your lifetime
Try to leave it all behind
In your lifetime

(Weyes Blood – A Lot’s Gonna Change)

Da sind sie. Die Wracks. Tief im Innern. Tief im Unterbewusstsein. Verdrängte Momente, abgeschobene Emotionen. Sie zerren, reißen einen in die Tiefe, wenn man sich erstmal auf sie einlässt. Natalie Mering alias Weyes Blood hat sich auf sie eingelassen und fand am Grund ein Meer aus Persönlichkeit. Untergegangene Gefühlsbilder, komplex und undurchdringlich. Sie fluten den Verstand, höhlen gegrabene Löcher aus. Will man mit ihnen an die Oberfläche, bleiben nur Fetzen. Jedes Video ihres neuen Albums Titanic Rising wirkt wie Restflimmern ehemaliger Erinnerung, Restasche erloschener Emotion. Die Stimme versinkt in der Tiefe, dringt von ganz unten nach oben, doch der Weg, den sie zurücklegt, verzerrt sie. Als sende man einen Satz durch den Kosmos, der durch den Weg, den er zurücklegt immer länger wird; da er die Dinge die ihn kreuzen, mitschleift.

Nichts in Titanic Rising lässt sich greifen, erfassen. Alles verschwimmt. Ein Gemälde auf das man Säure gekippt hat. Die Farben lösen sich von ihrem Platz und vermischen sich neu. In diesem Fall sind es Stimme, Synthesizer, Chor-Arrangements. Auf dem Grund finden sich Musikfetzen von Enya, Joni Mitchell, Frank Sinatra, Jimmy Webb. Sie werden von Ms Blood an die Oberfläche geholt und neu verwebt. Natürlich wurde Titanic Rising bereits von Kritikern als Sprachrohr der Zeit auserkoren. Der Charme des Untergangs trifft auf wage Hoffnungsschimmer. Die Gegenwart ist unerfüllt und muss durch Altes erneuert werden. Aus verkrusteten Farben lässt sich Hoffnung ziehen, um nicht gänzlich unterzugehen. Ein faszinierendes Album, für welches man Zeit braucht. Viel Zeit.

Weyes Blood – Titanic Rising
VÖ: 5. April 2019, Sub Pop
www.weyesblood.com
www.facebook.com/weyesblood

Weyes Blood Tour:
27.04. Kantine am Berghain, Berlin
28.04. Übel & Gefährlich Turmzimmer, Hamburg


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