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Veröffentlicht am 9.05.2019 | von Dennis Möller

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SYML – SYML

Take me home when I lost myself
Love me better than I love myself
Well, my head is the room and the room’s full of broken glass
Take me home when I lost myself
Well, y head is the room and the room’s full of broken glass,
Blood on the pieces the pieces you can’t put back

(SYML – Clean Eyes)

Heute geht es mal um Pop. Denn SYML alias Brian Fennell hat sich bewusst für den Pop entschieden. Das ist wahrlich selten, denn oft kommt der Pop über die Musiker wie ein Unheil, ausgelöst von Label, BWLern und sogenannten Trendsetter, die wissen sollten, dass Pop das Ende aller Trends ist. Doch wer sich als Musiker/in für Pop entscheidet, kann ihm vielleicht doch etwas Neues abgewinnen?

Woher kommt SYML? Wer ist Biran Fennell? Das ganze ist ein wenig komplizierter, aber wissenswert: Mr. Fennell wuchs in Seattle auf, den Geburtsort des Grunge; der dort immer noch lebendig ist, und durch Bands wie Death Cab For Cutie oder Band of Horses entfernt weiter exisitert. In dieser Kulisse gründete Fennell die Band Barcelona und veröffentlichte drei Alben, eines davon gar über Universal. Zehn Jahre lang tourten sie, nahmen auf und kamen doch nie wirklich aus Seattle raus, weil sie „zu poppig“ waren.

Der Umbruch kam im Frühjahr 2016, als Fennell den Song Where’s My Love in das Internet setzte, ohne davon etwas zu erwarten. Einige Wochen und 160 Millionen Spotfiy Streams später war klar: Das, was Fennell in seinen eher traurigen Songs zu erzählen hat, interessiert die Menschen. So entschied er sich für die Solo-Karriere, für SYML. SYML – ausgesprochen „simmel“ – bedeutet auf Walisisch „einfach“, und das wurde zum Motto seiner Solokarriere. Es einfach halten, seine Emotionen destiliiert in simple, aber effektive Songs bringen. Sie bewegen sich zwischen Dream-Pop, Synth-Rock und Folktronica. Thematisch gräbt er tief in der eigenen Vergangenheit oder setzt sich mit den Herausforderungen des Vaterseins auseinander. Dass er sich für „simmel“ entschieden hat, also für Walisisch, liegt an eben dieser Herkunft. Geboren in Wales wurde er adoptiert und nach Seattle gebracht und fragt sich nun von dort aus, woher er stammt. Vor allem im Song Conner über seinen gleichnamigen Sohn vergleicht er seine Rolle als Vater mit der seines Adoptivvaters und kommt zu dem Schluss, wie wenig man sich dieser gewachsen fühlt. Ebenso emotional und verletzlich widmet er sich im Song Girl der heftigen Erfahrung seine eigene Tochter bei einer Operation zu begleiten.

Jeder seiner Songs geht tief und Fennell überzeugt durch seine Texte. Musikalisch jedoch hauen sie einen leider nicht wirklich vom Hocker. Die meisten Kompositionen sind vorhersehbar, bleiben blass. Man wartet auf einen unerwarteten Knall, oder eine schwer auszuhaltende Pause, doch darauf kann man lange warten. Auch seine Stimme wirkt eher zurückhaltend, vorsichtig. Man hat das Gefühl, er wollte zu viel richtig machen. Das SYML auch anders kann, bewies er mit dem Song Fear of the Water, welcher vielschichtiger, mutiger, ruhiger und gleichzeitig expressiver daherkommt. Der Rezensist hätte sich mehr solcher Arrangements für das neue Album gewünscht. Alles in allem ist es ein solides Werk, das viele Hörer/Innen begeistern wird, die auf Pop zum Mitfühlen stehen. Auch wenn er den Pop damit nicht verändern wird.

SYML – SYML
VÖ: 3. Mai 2019, Nettwerk
www.symlmusic.com
www.facebook.com/SYMLMUSIC

SYML Tour:
21.06. Southside Festival, Neuhaus ob Eck
22.06. Hurricane Festival, Scheeßel
23.06. Naumanns, Leipzig
08.08. Haldern Pop Festival, Haldern
12.09. Storm, München
16.09. Zoom, Frankfurt
17.09. Luxor, Köln
18.09. Bi Nuu, Berlin


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