Reviews

Veröffentlicht am 26.11.2019 | von Christian Weining

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JOSIENNE CLARKE – In All Weather


Foto-© Cat Stevens

Sorry is the key to a door
That you will come through
And hurt me some more

(Josienne Clarke – Host)

Wie der Albumtitel In All Weather schon vermuten lässt, geht es auf Josienne Clarkes neuem und ersten Soloalbum vor allem um eins: Stürmische Zeiten. Um so schöner ist es, dass sie nicht nur deren Last besingt, sondern viel mehr davon, wie man durch schwierige Zeiten steuert, ohne sich dabei selbst zu verlieren.

So beginnt ihr jüngst bei Rough Trade Records erschienenes 31-Minuten kurzes Album mit (Learning To Sail) In All Weather, einer schwermütigen Ode an die eigene Stärke. Wer Clarke nicht schon vorher kannte, z.B. aus ihrem Projekt mit dem Gitarristen Ben Walker, wird sofort von ihrer einnehmenden Stimme in den Bann gezogen. Manchmal verschwinden deshalb hinter der lyrischen und stimmlichen Kraft die sehr filigranen Folk-Arrangements, die wie ein harmonisches Meeresrauschen Clarkes Worte tragen. Gezupfte akustische und sanfte elektronische Gitarren, zurückhaltende Drumsets und nur selten elektronische Unterstützung wirken hier wie etwas Besonderes, aus den guten alten Zeiten.

Einzig in If I Didn’t Mind, Slender und Sad & Sentimental weichen die vorsichtigen Klänge einem Folk-Rock Sound. Der steht Clarkes eingängigem Songwriting aber ebenso, wie der überwiegend ruhige Charakter der Platte. Das Album wurde auf einer schottischen Insel produziert, auf die Clarke sich zurückzog, um ein neues Kapitel zu beginnen und Vergangenes hinter sich zu lassen. In Stücken wie Host oder Dark Cloud scheinen die Stürme und brandenden Wellen einer solchen Insel mitzuklingen. Das macht alles so authentisch, wie Folk nur sein kann. Sehr markant ist ihre spielerische Stimmführung, die trotz der großteils melancholischen Machart, den Songs immer wieder ein fröhliches und positives Gewand verleihen und ihre gesangliche Größe nochmal in den Vordergrund rücken. Nicht umsonst wird Clarke mit Sandy Denny, Nina Simone oder Gillian Welch in Verbindung gebracht.

Die 13 Stücke sind zwar im Durchschnitt nur knapp 2,4 Minuten lang, doch scheint Nichts zu fehlen. Durch die Intensität jedes einzelnen Stücks ist es fast eher erschöpfend dieses vielversprechende erste Solo-Werk am Stück durchzuhören. Gleichzeitig aber auch schön und bestärkend! Wohltuend und bedrückend schafft es Clarke auf einem sehr kurzweiligen Album den Hörer zu fesseln und wieder loszulassen, auf zu neuen Ufern.

Josienne Clarke – In All Weather
VÖ: 8. November 2019, Rough Trade Records
www.josienneclarke.com
www.facebook.com/josienneclarkeHQ

YouTube video

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