Musik

Veröffentlicht am 27.03.2020 | von Andreas Peters

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BASIA BULAT – Are You In Love?


Foto-© Richmond Lam

I want to leave my line
And let my old ways fall
Into the shapes I could have foreseen at all
In my hands this time I don’t know what I hold
But I know you’re already for
Already forgiven

(Basia Bulat – Already Forgiven)

Nicht selten erfordert ein neues Album eine Reise. Während es einigen genügen mag, sich dafür im kleinen Rahmen Orte des Rückzugs zu schaffen, zog es die kanadische Singer-Songwriterin Basia Bulat zunächst gleich bis in die Mojave-Wüste, um dann mitten in der Produktion ihres fünften Albums ein ganzes Jahr Auszeit zu nehmen. Eine neue Liebe, der Tod ihres Vaters und das dumpfe Gefühl, den Sinn für Schönheit verloren zu haben – all das drängte sie dazu, sich erstmal ihren inneren Tumulten zu stellen. Es dauerte eine Weile bis sie all diese Konflikte auf ihrem neuen Werk Are You In Love? einfließen lassen konnte. Wie auch der Vorgänger Good Advice mit Jim James von My Morning Jacket produziert, schreckt das Album nicht vor gravierenden Fragen über Tod, Trauer und Vergebung zurück, widmet sich jedoch auch Themen des Neuanfangs, der Neuerfindung und der Liebe. 

Stimmgewaltig und mit viel Pathos beginnt gleich der titelgebende erste Song, der mit einem orchestralen Klangteppich die ganze Gefühlswelt des Albums vorwegnimmt. Etwas besinnlicher zeigt sich dann Electric Roses. Getragen von gezupften Harfen-Elementen und dezent eingesetzten Synthesizern schafft Bulat mit gefühlvoller Stimme ein melodiöses und gleichsam melancholisches Stück. Hall of Mirrors, in ähnlicher Manier, spült eine emotionale Verletzlichkeit an die Oberfläche ohne dabei erdrückend zu wirken. Die ganze entleerende Einsamkeit ruft aus Zeilen wie „You walk in a hall of mirrors“ heraus und es fällt dann in der Tat schwer, die Musik losgelöst von dem Entstehungskontext der Platte zu betrachten. Etwas angetriebener präsentieren sich dann Songs wie No Control, das neben mehr Beat wieder die gesangliche Stärke von Basia Bulat in den Vordergrund rückt. Und so stehen neben ausdrucksstarken Stücken oft Rückzug versprechende Lieder von einer umarmenden und tröstenden Qualität. So zum Beispiel Already Forgiven, einer der Kernsongs des Albums. Hier bringt Bulat thematisch alles an die Oberfläche, was den Arbeitsprozess an der Platte kennzeichnet: Der Wunsch ausgetretene Pfade zu verlassen, neu anzufangen, sich selbst neu zu erfinden und die Fähigkeit, Vergebung auszusprechen.

“To open my heart to all the things I was afraid of”, das hat Basia Bulat in Bezug auf das Album formuliert. Das ist ein mutiger und keineswegs leicht durchzuführender Ansatz für die Produktion einer Folk-Platte. Die Songs sprechen in jedem Fall von dieser furchtlosen Strahlkraft, sind aufgeladen von emotionalen Konflikten und von deren Überwindung. An vielen Stellen ist dabei eine hörenswerte Sammlung von Liedern entstanden, die von tiefer Auseinandersetzung mit sich selbst und entscheidenden Lebensfragen gekennzeichnet sind.

Basia Bulat – Are You In Love?
VÖ: 27. März 2020, Secret City Records
www.basiabulat.com
www.facebook.com/BasiaBulat

YouTube video

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