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Veröffentlicht am 12.06.2020 | von Christian Weining

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WESTERMAN – Your Hero Is Not Dead


Foto © Bex Day

I will try to hold this
If you don’t see where hope is
Your hero is not dead just sleeping
Behind the bars you cling to
On days you’d like to dismiss
The one I like to sing to
From dark into bliss
Your hero is not dead.

(Your Hero Is not Dead – Westerman)

Will Westermans just erschienenes Debutalbum ist spätestens seit seiner 2018 gefeierten Single Confirmation eines der meist ersehnten Alben im europäischen Alternative-Pop. Nicht zuletzt von Pitchfork hoch gelobt und bereits 2016 mit einem Unsigned Music Award ausgezeichnet, beglückt er nun alle, die lange gewartet haben und sich seit vier Jahren mit seinen EPs und Singles vergnügen mussten. Your Hero Is Not Dead umfasst 12 Stücke und wurde von seinem engen Freund, dem Londoner Produzenten und DJ Nathan Jenkins (aka Bullion) produziert.

Warum Westerman, wie er sich als Künstler nennt, so viel besprochen wurde, erklärt sich beim Hören schnell von selbst. Ein unverkennbar eigener Stil zwischen matter Traurigkeit und hoffnungsvollem Leuchten, lassen Liebhaber-Herzen auf der Suche nach den musikalischen Helden ihrer Lebzeiten höherschlagen. Westerman selbst beschreibt seinen Sound sehr treffend: „the sweet point in pop music between happiness and sadness, where it seems to be both“. Dazu schichtet er allerlei Instrumente, viel Gitarre und Synthies im 80s -Sound sowie seine sanfte Chorsängerstimme. Peter Gabriel wird häufig als Referenz herangezogen und der Vergleich liegt tatsächlich nahe, wenn auch weniger in Richtung Sledgehammer, sondern eher die experimentelle Seite des Progressive Pioniers.

Da ergänzen sich sehr poppige harmonische Gitarren mit futuristischen Synthies und disharmonischen Gesangsmelodien während im nächsten Song E-Gitarren Rock-Solos mit stottrigen Beats und Ohrwurm Chorus zusammentreffen. So findet man in jedem Stück fast immer einen einfachen, als auch einen sperrigen Zugang. Er scheint es sich generell nicht leicht zu machen, sowohl an den Instrumenten, als auch am Schreibtisch. Seine teils kryptischen Texte handeln von politischen Fragen und ethischen Dilemmata. Prägend dafür u.a. die große Frage über die Grenzen des moralisch Zumutbaren: „Am I looking too closely? Am I taking it too far? I want to know about where the line is?“ (The Line)

Doch Westerman scheint dabei nicht belehren oder herausfordern zu wollen, er will Teil sein eines kreativen Dialogs über das Menschsein und er will aufmuntern und das sichere Bett sein, in das man sich legen kann, ohne die Komplexität der Welt zu verraten. Dafür bietet er sogar beinahe meditative Instrumentals an wie Drawbridge oder Dream Approriate, die wie sein ganzes Album an eine musikalische Zeit vor 40 Jahren erinnern, in der experimentiert, gebastelt und produziert wurde auf der Suche nach den Klängen der Zukunft, mal groß aufgetragen und vorpreschend, mal ganz unaufgeregt und sanft. Bei einem ersten Hinhören scheint dabei manches überhaupt nicht aneinander und ineinander zu passen, doch Westerman schafft es grade auf diese Weise seinen Stil zu behaupten mit einem faszinierenden Gespür für harmonisch Ungewöhnliches bei ungewohnt beständiger Harmonie. Westerman kann mit diesem Album einen weiteren Stein in das Brett alternativer Pop-Liebhaber schlagen. Wie einst die Kollegen von alt-J verdient er ihn sich mit einer ausgezeichneten Balance von Experiment und Wohlgefallen, musikalischem Know-How und Feeling.

Westerman – Your Hero Is Not Dead
VÖ: 5. Juni 2020, PIAS
www.westerman.world
www.facebook.com/westermanmusic

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