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Veröffentlicht am 4.03.2021 | von Saskia Böttjer

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MOGWAI – As The Love Continues


Foto-© Antony Crook

My oldest friend that I barely knew
So much fun hanging around in the dark
You stop time, managed to somehow find a way
Out of here, a dagger in everyone’s heart

(Mogwai – Ritchie Sacramento)

Laut, lauter, am lautesten – wer die Schotten bisher so eingestuft hat, darf sich mit dem zehnten (!) Album eines Besseren belehren lassen. Klar, nach 25 Jahren hat man seinen Sound auf jeden Fall gefunden, doch die Post-Rocker haben sich einiges einfallen lassen. Denn irgendetwas ist anders…mitunter klingt As The Love Continues warm und freundlich, zum Teil sogar entspannend. Was ist hier los? Dry Fantasy, die erste Single-Auskoppplung ist so ein Song, der von tropfenden Keyboardklängen geleitet wird und fast ins Chillout gleiten könnte. Darauf folgt die zweite Single Ritchie Sacramento, mit Gesang und einem coolen Indie-Midtempo-Vibe.

Wie im Post-Rock üblich, bauen die Songs eine Landschaft auf, kreieren unterschiedlichste Melodien, die Raum für den Hörer lassen, sich diesen hinzugeben oder mit den eigenen Gedanken und Gefühlen zu interpretieren. Ganz klar, dass es dabei auch um feinste Details geht. Giatrrist Stuart Braithwaite wünscht sich, dass As The Love Continues die Leute an einen besseren Ort mitnimmt und ergänzt: “…unless you are somewhere really amazing and then why are you listening to some weird music like this?” Und diese Hoffnung ist in diesem Album auch fast durchgängig zu hören, eben auf die Mogwaische Art, bloß mit ein bisschen weniger Bassgewabere und Gitarrenwände. Ceiling Granny unterstreicht das – viel Energie, sehr rockig, sehr melodiös, wenig Spielereien, hauptsächlich Gitarren, Bass und Drums.

Herausragend ist auf jeden Fall Midnight Flit mit vielen Streichern, orchestral, üppig, sehr berührend, ein wenig 90er Filmmusik angleichend, starke Drums dazu und Gitarre, viele kleine Details, die großen Hörspaß machen – Wow! Und nun kommt die Auflösung: Atticus Ross (Nine Inch Nails) und Colin Stetson (arbeitete u.A. mit Arcade Fire, Feist, Bon Iver, The National), beide unter anderem auch Filmkomponisten, wirkten bei den Album-Aufnahmen mit. Daher weht also der (frische) Wind. Vom super Sound, ganz zu schweigen, insbesondere das Schlagzeug klingt live und kraftvoll.

Zugegeben, nachdem ich die Band vor wenigen Jahren live gesehen habe, brauchte ich erst einmal eine Pause. Dieses „höher, lauter, weiter“–Gehabe hatte ich nicht verstanden, warum spielt man so laut, dass die Feinheiten keinen Sinn mehr machen? Klar, alles wird dadurch intensiver, für mich war der Verlust der Nuancen aber ein größerer Verlust. Doch mit diesem Album werden wir wieder Freunde – denn es ist eben keinesfalls nur laut.

Mogwai – As The Love Continues
VÖ: 26. Februar 2021, PIAS
www.mogwai.scot
www.facebook.com/mogwai

YouTube video

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