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Veröffentlicht am 23.08.2021 | von Elias Ott

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EYEDRESS – Mulholland Drive


Foto-© Razy Faouri

Smokin‘ big gas in the whip
She look better with Prada on
No make up, she got it all
You’re the reason I bought it all, oh

(Eyedress – Prada)

Die viralen Hits Jealous und Romantic Lover hatten letztes Jahr den Vorgänger in die Charts katapultiert, jetzt setzt Idris Vicuñas aka Eyedress schon mit Album Nr. 5 nach. Nach zwischenzeitlichen Cloudrap-Ausflügen als Lil DMT hat sich der philippinische Musiker aus Los Angeles dafür erneut dem – vorsicht, Verwechslungsgefahr mit einem stets gut klingenden Blog – dem Bedroompop verschrieben. Ursprünglich ein Begriff für Aufnahmen fernab von Bühne und Studio, steht er inzwischen für einen sanft verschwommenen Sound, der riecht und klingt wie die Flanellhemden Mac DeMarcos.

Und Bedroompop ist, obwohl einsam am Laptop produziert, globale Kollektivarbeit: In den Schlafzimmern dieser Welt wird aus nostalgischen Versatzstücken und einer gehörigen Portion Teenage-Angst gemeinsam eine einladende Vorstellung subkultureller Jugend zusammengebaut. Für Vicuñas und viele andere steht dabei standes-gemäß Kalifornien Pate: Sommernächte unter Palmen, Skate-Videos in VHS-Optik – California Dreamin‘ ist mächtiger als die Realität, in der mittlerweile die ersten Reichen und Schönen aus dem brennenden Bundesstaat fliehen, während sich die Bedroompop-Vorreiter Ariel Pink und John Maus als Trump-Supporter outen.

Das nach der Straße durch die Hollywood Hills benannte Album kreist also, von der zaghaften Gesellschaftskritik von Body Dysmorphia einmal abgesehen, um die Freuden des Lebens: gemeinsame Zeit mit der Familie und Freunden, denen Vicuñas Dankbarkeit und Wertschätzung entgegenbringt. Das ehrt ihn nicht nur, es macht das Album zumindest auf dem Papier umso spannender, weil es sich dort noch mit dem eher düsteren Sound aus staubtrockenen Drumloops und dem Post-Punk-Gejaule der Gitarren beißt.

Doch so, wie die Schattenseiten fester Bestandteil der Hollywood-Romantisierung sind, versprechen auch bollernde E-Bass-Achtel längst ewige Jugend statt No Future. Der nihilistische Sound trauriger Skater-Kids verträgt sich bruchlos mit frohen Botschaften, aber wer darüber noch staunt, hält Sneaker auch für Straßenmode statt Büro-Schuhe. Das Ergebnis ist erschreckend berechenbar: die 15 skizzenartigen Songs liefern das Gegenstück zu endlosen Beat-Compilations á la beats to study oder beats to sleep/chill to ab, deren angenehme Austauschbarkeit immerhin schon wunderschöne Parodien von Lenin- bis Merkelwave hervorgebracht hat. Hier und da ragen aus dem Hintergrundrauschen entlang des Mulholland Drive die zahlreichen Features heraus: Dâm-Funk, King Krule oder Paul Cherry aus dem Schlafzimmer nebenan sorgen dafür, dass es zwischenzeitlich nach interessantem Mix- statt schluffigem Demotape klingt.

Doch bei all der eigenen Liebe zu hallgesättigtem Postpunk, vernuscheltem Gesang und verklärten Sommernächten: Nach der branchenüblichen Hymne auf Luxuskonsum, mit der Vicuñas in Prada den Schlusspunkt setzt, überwiegt der Wunsch nach einem Werbedeal für ihn, damit er sich nicht länger mit Musik finanzieren muss. Fazit: Album skippen, nochmal in Macs Flanellhemd kuscheln und lieber eine Runde lo fi merkelwave beats to relax/get nothing done to hören.

Eyedress – Mulholland Drive
VÖ: 27. August 2021, Lex Records
www.eyedress.tv
www.facebook.com/eyedress

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