Kritik

Veröffentlicht am 29.09.2021 | von Dominik

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NOMADLAND – Filmkritik


© 2020 20th Century Studios All Rights Reserved

Vielleicht habe ich zu viel Zeit in meinem Leben mit Erinnern verbracht.

(Fern – Nomadland)

Seit über dreißig Jahren ist Frances McDormand eine der gefragtesten Charakterdarstellerinnen und sorgt regelmäßig dafür, dass die Filme, in denen sie mitspielt, noch mal einen Qualitätssprung machen. Ihren ersten Oscar als Beste Hauptdarstellerin gewann sie 1997 für ihre Rolle in Fargo, den sie mit ihrem Mann, dem Regisseur Joel Coen, drehte. Und nachdem sie auch in 2018 für die Darstellung einer verzweifelten Mutter in Three Billboards Outside Ebbing, Missouri die begehrte Trophäe mit nach Hause nahm, wurde sie auch dieses Jahr wieder als Beste Hauptdarstellerin (neben dem Besten Film als Produzentin – der Film gewann insgesamt drei Oscars bei sechs Nominierungen) für das Drama Nomadland ausgezeichnet! Unsere Filmkritik zum Heimkino-VÖ!

Fern (Frances McDormand) hat ein ganzes Leben hinter sich gelassen, ohne Wiederkehr. Ihr Mann ist verstorben, die Fabrik, die gleichzeitig auch die komplette Stadt gestellt hat, in der sie lebte, ist geschlossen und damit gibt es ihre Heimat letztlich nicht mehr. Nachdem sie sich so lange wie möglich dort an die Erinnerungen festgeklammert hatte, verweigert sie sich einem neuen Lebensort, der all das einfach ersetzt – sie bricht auf und lebt ihr Leben aus einem Van, lässt sich treiben, verdient sich mit Gelegenheitsjobs und einer kleinen Community, die es genauso tut. Und sie merkt: für sie gibt es keinen Weg mehr zurück…

Der dritte Spielfilm der gebürtigen Chinesin Chloé Zhao ist der erste Film, in dem die Filmemacherin auch mit professionellen Darstellern*innen arbeitet – nicht ohne dafür aber mit ihnen gemeinsam komplett in die Materie abzutauchen. Monatelang verbrachten Zhao und McDormand auf Wohnwagenparkplätzen, schlossen Freundschaften und lernten die Geschichten und Charaktere der Straßennomaden kenn, die letztlich selbst ihren Weg in den Film fanden. McDormands Schauspiel ist – gerade auch im Vergleich mit der selbstbewussten und lauten Darstellung aus Three Billboards Outside Ebbing, Missouri – leise, fast schwelgerisch, haucht sie ihrer Figur doch schon mit wenigen Gesten Leben und seelische Tiefe ein, wie kaum eine andere. Nach und nach lüftet der Film in nur wenigen Sätze auch ihre Geschichte und setzt ein Bild zusammen, feinfühlig, zurückhaltend, wunderschön bebildert, poetisch. Es sind die Geschichten der Straße, der Außenseiter und der Überlebenskünstler, die hier noch lange nachwirken – und die immer wieder auch mit etwas Humor versehen den Film auflockern. Und auch, wenn das Erzähltempo sehr langsam ist, lohnt sich der Film unbedingt – denn er lässt sich eben treiben, wie seine Charaktere.

Nomadland (USA 2020)
Regie: Chloé Zhao
Darsteller: Frances McDormand, David Strathairn, Bob Wells, Peter Spears, Linda May, Swankie, Gay DeForest
Heimkino-VÖ: 30. September 2021, Walt Disney

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Über den Autor

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