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Veröffentlicht am 28.09.2021 | von Christian Weining

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MORITZ KRÄMER – Die traurigen Hummer


Foto-© Max Zerrahn

Im Tunnel klumpt sich Blech
der Dreck hängt in der Luft
Er wollte das nicht so haben
Aber er sagt, dass das so sein muss
Diesen Typen hab ich auf der Gala im roten Rathaus getroffen
Ich war Pausenclown
Ich hab schon Schlimmeres verbrochen
Nein nein nein
Wir haben nichts zu verlieren
Was kaputt geht kann man auch wieder reparieren

(Moritz Krämer – Verlieren)

Vor zwei Jahren schon hätten die Songs aus Moritz Krämers Album Die traurigen Hummer eigentlich erscheinen sollen. Schon die Singles, aber letztlich alle zehn Stücke des Albums verraten uns das gleich beim ersten Hören, passen sie doch viel mehr in die Linie des Debüts von 2011, als in die des zwar unterhaltsamen, aber auch weniger zugänglichen Doppelalbums Ich habe einen Vertrag unterschrieben (2018/2019).

Jetzt klingt alles wieder ganz vertraut nach Wir können nix dafür und nach Die Höchste Eisenbahn. Sehr melodiös, grundmelancholisch und mit dem Teufel in den Details der Arrangements spielt Krämers Band so weiter, wie sie es immer tat. Folkige Gitarren, schwelgende Streicher und fröhliche Keyboards vereinen das Beste aus frühlingshaften und herbstlichen Gefühlen mit Krämers zerbrechlich vorgetragener Lyrik, die nach wie vor mit Ausnahme von einigen wenigen Mitstreiter:innen seinesgleichen sucht.

Alltägliche Beobachtungen und Geschichten verweisen auf politische Themen (Nackt und einsam, Verlieren) und persönliche Krisen, spielen an auf Selbstwirksamkeit (Die traurigen Hummer), Imposter-Syndrom (Auffliegen) und Lebensentwürfe zwischen Kindern, Stadt und Land (Beweisen, Jetzt); mal schonungslos und traurig, mal augenzwinkernd: „Viele laufen jeden Tag / viele in Paris, für Prada / viele kaufen Bitcoins / ich lieg im Bett mit Kater / ich hab meinen Rhythmus.“ (Rhythmus)

Die Arrangements scheinen dabei oft gegen die Schwere der Themen zu laufen, beispielweise bei Austauschbar (zwischen Verlust, Tod und Austauschbarkeit), wo sich in Form eines ansatzweisen This Must Be The Place-Cover die Melancholie und Leichtigkeit der fröhlich plätschernden Flöten und Piano Melodie mit dem Text vereint und damit die Schwere nimmt. Das ist es, was auch Krämers neues Album so stark macht; es nimmt Schwere von schweren Themen ohne oberflächlich zu werden und erzählt mit Leichtigkeit bei wohl dosierter Melancholie von Themen, die uns alle beschäftigen. Der Unterschied zu Die Höchste Eisenbahn? Wie immer klein und vielleicht noch kleiner als bei den Vorgängeralben, aber doch da. Bei Krämer ist weniger immer mehr und die erzählten Bilder sind an den Rändern etwas ausgefranzter. Da bleibt mehr Raum für Fantasie.

Es ist nicht überraschend, aber umso wichtiger zu betonen: auch mit Die traurigen Hummer bleibt Moritz Krämer eine einmal lang herbeigesehnte und tatsächlich eben nicht austauschbare Ausnahme in der deutschen Popmusik.

Moritz Krämer – Die traurigen Hummer
VÖ: 1. Oktober 2021, Tapete
www.moritzkraemer.de
www.facebook.com/moritz.kraemer2

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