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Veröffentlicht am 12.10.2021 | von Lea Kleisinger

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SAM FENDER – Seventeen Going Under


Foto-© Jack Whitefield

They say I’m the spit of you
And they’re not wrong
Bury my head too
Stomach hurts all the time
Can’t shift it
Been like that since eight
Knotted up with the baggage
Neck like a stone
All sounds just like you
Smashing cups off the floor
And kicking walls through
That’s me and you.
I can talk to anyone
I can talk to anyone
I can’t talk to you…

(Sam Fender – Spit Of You)

Sam Fender kommt aus North Shields, einer kleinen Stadt im Nordosten Englands. Seine Kindheit war behütet, bis seine Eltern sich trennten und seine Mutter so krank wurde, dass sie nicht mehr arbeiten konnte. Plötzlich fand er sich in der Situation wieder, um das Existenz-Minimum kämpfen zu müssen. Wie er in einem Interview verriet, war seine Jugend von der Angst beherrscht nichts aus sich zu machen. Er fing an in Pubs zu arbeiten und coverte für gerade genug Geld bekannte Lieder. Bis ihn der Manager von Ben Howard entdeckte. Von dort an ging es schnell bergauf. Ihm wurde unterstellt die Stimme einer traurigen, von Lastern geprägten und vor allem männlichen Jugend zu sein. Daran stört Sam Fender nur, dass er es anmaßend findet als Stimme für eine ganze Generation zu gelten. Sein erstes Album Hypersonic Missiles erschien 2019 und brachte ihn und seine Band an die Spitze der Albumcharts. Bei den Brit-Awards gewann er sogar den Kritiker-Preis. Zurecht wie wir finden.

Jetzt ist er mit Seventeen Going Under zurück und erzählt auf 11 Tracks von der Zeit, bevor er berühmt wurde. Seine Vocals sind akzentuiert und schneidend und seine Texte hoch sensibel. Zwischen wunderbaren Saxofon-Einlagen und Gitarren-Soli erstrecken sich die hymnischen Tracks wie Seventeen Going Under und Getting Started zu wütenden Rocksongs wie Aye. Letzterer überzeugt mit treibendem Beat und erzählt von der desillusionierten Arbeiterklasse Englands. Das grandiose Finale bleibt so noch lange im Ohr. In Spit of You singt Sam Fender über toxische Maskulinität aber besonders über seinen Vater und die emotionale Distanz zwischen den beiden. Mit Last to Make It Home baut er eine schöne Hymne ein, während das darauffolgende The Leveller eine wütende Ode an seine Heimatstadt ist. Unter den vielen Highlights gehört auch Mantra hervorgehoben. Ein Song über fehlendes Selbstvertrauen und das gute alte Impostor-Syndrom, das ihn regelmäßig heimsucht. Es folgt der große Track Paradigms, der die prekäre Situation des Berühmt-Seins bespricht. Abschließend, denn es behandelt ein Sam Fender sehr wichtiges und nahegehendes Thema, The Dying Light. Er verlor seinen besten Freund jung an Suizid und erzählte in einem Interview, dass sich auch letztes Jahr ein Freund von ihm das Leben nahm. Auch er erlebt oft dunkle Stunden: „I’m damned if I give up tonight. I must repel the dying light. For Mam and Dad and all my pals. For all the ones who didn’t make the night.“ Der Song wird langsam aufgebaut. Während das Klavier den Anfang macht und alles sich auf seine Vocals konzentriert, endet der Song mit vollem Einsatz der Band.

Sein beeindruckender Stimmumfang sowie das Gefühl für Melodie und Rhythmus machen ihn und seine Band zum Must-Hear. Wofür wir Sam Fender auch danken können außer für ein grandioses Album? Mit The Kitchen und Howdon Aldi Death Queue haben er und seine Band die B-Seite der Singles wiederbelebt, und zwar mit unglaublich energiegeladenen Tracks. Worauf wartet ihr also noch?

Sam Fender – Seventeen Going Under
VÖ: 8. Oktober 2021, Polydor
www.samfender.com
www.facebook.com/samfender

YouTube video

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