Kritik

Veröffentlicht am 12.10.2021 | von Patrick Freitag

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THE LAST DUEL – Filmkritik


Foto-© Patrick Redmond. © 2021 20th Century Studios. All Rights Reserved.

I swear to god, I’m telling the truth.

(Marguerite – The Last Duel)

Jean de Carroges (Matt Damon) und Jacques Le Gris (Adam Driver) sind zwei Waffenbrüder, die im Heer des Königs unter dem neuen Grafen Pierre d’Alençon (Ben Affleck) dienen. Dieser scheint ein Problem mit Jean zu haben und während Jacques immer weiter in der Gunst des Grafen steigt, muss sich Jean immer wieder den Respekt des Grafen erkämpfen. Als eines Tages Jacques Jeans Frau Marguerite (Jodie Comer) vergewaltigt haben soll und vor allem der Graf ihr die Wahrheit abspricht, fordert Jean diese in einem Duell um Leben und Tod herauszufinden.

The Last Duel ist neben House of Gucci einer von zwei Filmen von Regisseur Ridley Scott, die dieses Jahr in den Kinos starten. Anders als bei House of Gucci, stammt die Idee des Films dabei nicht von Scott selbst, sondern von Matt Damon und Ben Affleck, die ihn auf dieses Projekt ansprachen und ihn als Regisseur wollten. Beide waren dabei auch als Drehbuchautoren tätig, welches sie gemeinsam mit Nicole Holofcener (Can you ever forgive me), schrieben. Als Vorlage diente ein Buch, welches jedoch auf einem historischem Ereignis des letzten Gerichtskampfes beruht, der 1386 in Frankreich stattfand.

Heraus gekommen ist dabei ein sehr spannendes Mittelalter-Drama, welches aufgrund seiner Thematik hervorragend in die heutige Zeit passt. Der Film behandelt die Geschichten der drei Akteure rund um den Übergriff auf Marguerite: Das Opfer Marguerite selbst, der vermeintliche Täter Jacques und der Ehemann Jean. Dabei unterteilt sich der Film in drei Kapitel und zeigt in jedem Kapitel die Ereignisse aus Sicht der einzelnen Protagonisten. Daraus ergibt sich dann ein Gesamtbild, welches aufgrund der klugen Inszenierung keine abschließende Meinung zulässt, sondern Raum für Interpretation lässt. Denn die Erinnerungen sind aufgrund der eigenen Wahrnehmung der Charaktere in den selben Ereignissen trotzdem unterschiedlich. So erinnert sich der eine an seine eigene mutige Rede, während diese aus einer anderen Perspektive nur als zusammenhangloses Gestammel wahrgenommen wurde, oder in einer Schlacht ist jeweils der Protagonist selbst für die Rettung des anderen verantwortlich. Daraus ergibt sich, dass man als Zuschauer Szenen doppelt oder dreifach sieht, der Fokus aber immer auf anderen Details liegt, oder Informationen für den Zuschauer ergänzt werden. Dennoch erscheinen die Erinnerungen teilweise auch eher identisch und bewirken so, dass der Film vor allem im Mittelteil teilweise etwas langatmig wirkt, was bei einer Laufzeit von insgesam 153 Minuten letztlich nicht verwundert.

Das stärkste der drei Kapitel ist die Perspektive von Jodie Comers Marguerite. Hier wird vor allem der Bezug zur Gegenwart und MeToo-Debatte hergestellt. Marguerites Aussage wird aufgrund ihres Geschlechts hinterfragt, der Täter aufgrund seiner Position geschützt und am Ende kann nur der Mann im Duell ihre Aussage bewahrheiten. In den anderen Kapiteln stehen dagegen eher Themen wie Loyalität, Freundschaft und Verrat im Vordergrund.

Die Inszenierung und Produktion des Filmes erinnert an frühere Ridley Scott-Filme, wie Königreich des Himmels oder Gladiator, wobei The Last Duel weniger auf Action setzt. So werden Schlachten zwar angeteast und dies auch sehr beeindruckend, aber nie in voller Länge gezeigt. Auch das ganze Szenenbild wirkt, wie bei Scott gewohnt, sehr authentisch und aufwendig. Sei es das Einreiten von Rittern in eine Burg, eine Feier, oder das Burgleben. Ein Highlight ist dann auch das namengebende Duell. Vielleicht einer der besten Mittelalterkämpfe, welcher in seiner Wucht in Ton und Bild noch lange im Gedächtnis bleibt.

Auch Schauspielerisch überzeugt der Film durch den ganzen Cast. Wobei (mit Augenzwinkern) das größte Highlight Damons und Afflecks Frisuren sind, von denen man sich schon im Trailer überzeugen kann. Man merkt aber, dass der Film ein Herzensprojekt der Schauspieler ist – vor allem Affleck scheint viel Spaß an seiner eher unüblichen Rolle zu haben.

Ein starkes Historiendrama, welches durch eine authentische, teils gewaltige Inszenierung überzeugt. Teilweise zwar etwas zu lang, aber Schauspiel und Geschichte überzeugen und schaffen es einen über zweieinhalb Stunden ins Mittelalter zu ziehen, ohne die Gegenwart vergessen zu lassen. Sehr sehenswert!

The Last Duel (USA/UK 2021)
Regie: Ridley Scott
Besetzung: Matt Damon, Adam Driver, Jodie Comer, Ben Affleck, Harriet Walter, Nathaniel Parker, Sam Hazeldine
Kinostart: 14. Oktober 2021, Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

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