Kritik

Veröffentlicht am 7.10.2021 | von Malte Triesch

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TITANE – Filmkritik


Foto-© Carole Bethuel

Das Pressematerial zu Titane beschränkte sich lange Zeit auf die Beschreibung des namensgebenden Metalls (extrem hitze- und rostbeständig…). Später kam eine kryptische Beschreibung über rätselhafte Verbrechen und einen Vater, der nach zehn Jahren plötzlich mit seinem Sohn wieder vereint wird hinzu. Dazu ein Teaser ohne Worte, in dem die Protagonistin Alexia (Agathe Rouselle) sexuell völlig überstilisiert auf Autos strippt, ein junges Kind, welches eine Metallplatte aus dem titelgebenden Material eingesetzt bekommt und den eingangs erwähnten Vater Vincent Legrant (Vincent Lindon).

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die französische Regisseurin Julia Ducournau, die bereits 2016 mit ihrem Debut Raw schockierte und begeisterte, ihr Zweitlingswerk Titane zumindest vorab weder erklären noch erläutern möchte, sondern sich wünscht, dass der Zuschauer es unvoreingenommen erlebt. So bleibt auch die Protagonistin Alexia nahezu den ganzen Film über stumm. Und so ließe sich die Story zwar in wenigen Sätzen zusammenfassen, was dem Film jedoch nicht gerecht werden würde. Eine Synopsis des Plots hilft auch in keiner Weise den Zuschauer vorzubereiten oder als Entscheidungsgrundlage, ob man Titane schauen soll, sondern ruiniert nur das Seherlebnis und das ist der Film im wahrsten Sinne des Wortes. Wobei das Erlebte selten angenehm ist. Es werden viele Themen wie Familie, Homosexualität, Körperbewusstsein, Stereotypisieung von Geschlechtern und Sexualisierung von Frauen angesprochen. Konzeptionell geht es um die scheinbare Unmöglichkeit Frau und Mutter gleichzeitig und in allen Ausprägungen zu sein, wie Menschen sich selbst belügen um die Realität ihren Wünschen anzupassen und erträglich zu machen und all die Irrungen und Wirrungen des Lebens, wenn wir doch am Ende einfach nur von einem geliebten Menschen in den Armen genommen werden wollen.

Was man aus Titane mitnimmt, variiert, aber schockiert wird nahezu jeder daraus hervorgehen. Was hier an Bodyhorror aufgefahren wird, würde wahrscheinlich selbst David Cronenberg teilweise den Appetit verderben. Dennoch, so abstoßend die Bilder teilweise erscheinen, so wunderschön sind sie gleichzeitig. Die Brutalität ist mal realistisch, mal fantastisch, fühlt sich aber immer echt an und ist nie Selbstzweck. Ebenso wie die surrealen Elemente immer echte bzw. realistische Gefühle visualisieren.

Auch wenn man am besten völlig unvoreingenommen in Titane geht, auf diese beiden Spitzen, Brutalität und Surrealismus, sollte man sich einstellen. Ebenso wie das titelgebende Material ist Titane hart, unnachgiebig und thematisch zeitlos. Ein auf Hochglanz polierter Schlag in die Magengrube, bei dem man oft wegschauen will, aber nicht kann und auch nicht sollte.

Titane (FR 2021)
Regie: Julia Ducournau
Besetzung: Vincent Lindon, Agathe Rouselle, Garance Marillier, Myriem Akheddiou
Kinostart: 7. Oktober 2021, Koch Films

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Über den Autor

Malte wuchs im idyllischen Lilienthal, direkt an der Grenze zu Bremen, der schönsten Stadt im Norden Deutschlands, auf. Seine frühesten Film-Erinnerungen ist, auf dem Schulhof in der neusten TV Movie alles anzustreichen was gesehen und aufgenommen werden muss. Da die Auswahl an Horrorfilmen hier doch recht be- oder zumindest stark geschnitten war entdeckte er Videotheken für sich bzw. seine Mutter, da man diese ja erst ab 18 betreten durfte. Wenn er nicht gerade Filmreviews schreibt ist er wahrscheinlich im (Heim-)Kino oder vor dem Mikrophon für den OV Sneak Podcasts, SneakyMonday.



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