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Veröffentlicht am 25.07.2022 | von Christian Weining

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BLACK MIDI – Hellfire


Foto-© Atiba Jefferson

By standing in line today
You secure a place among the saints
Go get them, son, now your life begins
To die for your country does not win a war
To kill for your country is what wins a war

(black midi – Welcome To Hell)

Hellfire heißt nun nicht mehr nur der wohl bekannteste Dungeons & Dragons Club der Welt, sondern auch das neue herausfordernde Werk der britischen Rock-Hoffnung black midi. Oder sind wir mal ehrlich, mittlerweile sind die drei Londoner nicht mehr nur Hoffnung, sondern so etwas wie das Epizentrum einer neuen britischen Rock Generation, die jegliche Stil-Grenzen sprengt, aufbaut und gleich wieder einreist. Hellfire treibt das auf die Spitze. Chaos verschmilzt mit fast schon andächtigen Stimmungen zu einem Höllenfeuer, das sich nicht so schnell vergessen lässt. Erzählt werden dabei Geschichten, wie auch schon teilweise beim Vorgänger Cavalcade, die aus Sicht von sehr streitbaren und aggressiven Zeitgenossen dunkle Gedanken und kontroverse Themen an die Erdoberfläche befördern – direkt neben Kriegsschauplätzen, Militärbasen und Bordellen: „So don’t tell me of your troubles, your emotional grief; Take in the sights, this is shore leave; Don’t talk of true love, unscrew your frown; Enjoy the entertainments of nighttime town; Experience the red rooms, the green tables, the souvenirs; Make memories; haunting or fabled; The gallant mist of red blooded chivalry instilled in basic training”

Während das an der einen Stelle, martialisch und ja fast unerträglich klingt (The Race is About To Begin) geht es genau so sanft und feierlich zu (Still oder The Defence). Meistens aber werden standesgemäß alle erdenkbaren Stil und Sound Dimensionen in einen Song gepackt, so dass man manchmal das Gefühl für Raum und Zeit verliert. Diese heftigen Kontraste machen nach wie vor den Reiz von black midi aus – aber, und das darf betont werden – für den wirklichen Genuss ist es immer wieder zu viel. Häufig ertappt man sich leicht genervt am Lautstärkeregler oder schreckt hoch, wenn man sich grade wieder zu sehr auf die herrlich instrumentierten genügsamen Stellen eingelassen hast. Man kann black midi nicht vorwerfen, dass sie nur auf Effekt aus sind, nein, durch und durch ist das Album brillant komponiert und eingespielt. Ihre Kreativität kennt keine Grenzen und beliebig ist hier mal gar nichts. Und dennoch gibt es viele Momente auf dem Album, die man nicht lange vermisst, wenn die zehn Stücke durchgebrettert sind.

Es ist unbestreitbar, dass black midi mit Hellfire einen weiteren sehr relevanten Beitrag zur Rockgeschichte leisten. Nicht zuletzt, weil sie es schaffen eine bemerkenswerte Stimmung aus Text und Musik zu erzeugen, die so manche Abgründe des menschlichen Daseins sehr eindrücklich darstellt – emotional, brachial, unmittelbar. Wie viel das Album am Ende aber tatsächlich gehört wird ist die andere Frage, zugänglicher waren die beiden Vorgänger allemal. Höllenfeuer ist Chaos, wer sich traut, der stürze sich rein.

black midi – Hellfire
VÖ: 15. Juli 2022, Rough Trade Records
www.bmblackmidi.com
www.facebook.com/blackmidi

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