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Veröffentlicht am 21.09.2022 | von Christian Weining

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MARCUS MUMFORD – (self-titled)


Foto-© Universal Music

I hope your memory is less vivid than mine
And is free from that awful maple light
I have to say I still wish you had just done it in the dark
So the pictures didn’t burn so bright
But I’ll forgive you now
Release you from all of the blame I know how

(Marcus Mumford & Brandi Carlile – How)

Klar war, irgendwann wird eins kommen; ein Solo-Album von Marcus Mumford, der Bilderbuch Frontmann von Mumford & Sons. Was man genau zu erwarten hat, war wiederum weniger klar, wandelte sich doch der Sound vom ruralen Band-Folk-Pop Sound, der sie anfangs zur Neuentdeckung überhaupt machte, hin zu einem Stadion Rock-Pop Gemisch, das so schnell verblasste, wie es kam. Nun also Marcus Mumford Solo und wie der Albumtitel sagt, wird es persönlich: (self-titled).

Mit dem Opener Cannibal könnte es auch tatsächlich nicht viel intimer beginnen. Mumford thematisiert seinen eigenen, als Kind erlebten Missbrauch sehr explizit, verletzt aber selbstbewusst. Der ruhig beginnende Folk-Song schlägt irgendwann in eine Klangwucht um, die sehr an die ersten beiden Mumford Alben erinnert. Ein gelungener Auftakt mit Gänsehautpotenzial. Niemand Geringeres als Steven Spielberg hat das dazugehörige Video als One-Shot mit einem Smartphone gedreht.

Die Unmittelbarkeit des Openers geht über die nächsten Stücke dann jedoch verloren: Grace, eine eher uninspirierte Country-Rock Nummer sowie Prior Warning und Better Off High, wenig ausgereifte flache Songs, die jedoch wenigstens durch das Experimentieren mit allerlei Sounds positiv auffallen und durch ihre nach wie vor persönlichen und verletzlichen Texte, nun über Drogen- und Alkoholmissbrauch: „Bless that medicine. For bringing ‚round that click in your head. Better off high than dead.“ (Better Off High).

Und auch der weitere Verlauf des Albums ist eine Berg- und Talfahrt zwischen erwartbaren und besonderen Momenten, entlang an eher halbherzigen Paul Simon-Vibes mit Clairo (Dangerous Game) und emotionalen Balladen mit Phoebe Bridgers, Monica Martin und Brandi Carlile. Das sind große Gesten und wirklich gute Songs, aber der Charme, den man rückblickend auf die Anfänge von Marcus Mumford erwartet hätte, fehlt leider oft. Bei aller Kritik darf man jedoch nicht vergessen, dass allein Mumfords Stimme und die besagten Texte so manches ausgleichen, was sonst nicht über die letzten Mumford & Sons Platten hinauskommt.

Letztlich bleibt Marcus Mumford in der Außenwahrnehmung wohl für immer gefangen in seinem ursprünglichen Erfolg als Anführer einer der erfolgreichsten Folk-Bands der Welt, die aus dem Nichts eine ganze Musikrichtung wieder auf die Platte brachten. Sein erstes Soloalbum ist nach der musikalisch schwachen Fortsetzung der Bandgeschichte nun ein individueller Schritt nach vorne. Neben den intimen Welten, die Mumford darauf mutig teilt, hat das Album sowohl seine guten als auch schwachen Momente; oft zu flach, mal perfekt austariert. Gespannt sein kann man darauf, inwiefern dieser Soloausflug den Mumford & Sons Sound beeinflussen wird und ob Marcus Mumford Geschmack gefunden hat auch alleine weiter zu arbeiten.

Marcus Mumford – (self-titled)
VÖ: 16. September 2022, An Island Records
www.marcusmumford.com
www.facebook.com/Marcus-Mumford-103611275721117

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