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Veröffentlicht am 19.09.2011 | von Dominik

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BRIGHTON ROCK – Filmkritik

Du bist gut Rose und ich bin böse, wir sind füreinander bestimmt!

(Pinkie – Brighton Rock)

Bedrohlich und düster branden die Wellen unter dem Pier, nein, schon früh wird klar, dass es sich bei diesem Küstenstädtchen nicht um das Brighton handelt, in das Kele Okereke im Bloc Party-Song ‚Waiting For The 7.18‚ übers Wochenende reisen wollte. Noch nicht, um genau zu sein, spielt ‚Brighton Rock‚ doch in den sechziger Jahren, zumindest in der Neuinterpretation von Autor und Regisseur Rowan Joffe, der basierend auf dem gleichnamigen Buch von Graham Greene, ein düsteres Stück Film inszenierte, das sich nicht so recht zwischen Thriller und Romanze entscheiden will.

Unruhig wie das Meer verhält es sich auch auf den Straßen von Brighton: ein Krieg ist entfacht zwischen den Motorroller fahrenden und Parkas tragenden Mods und den Lederjacken-Rockern. Und auch in der Unterwelt werden die Messer gewetzt, was durch ein Ungeschickt dem Anführer einer der beiden rivalisierten Banden das Leben kostet. Pinkie Brown (Sam Riley), eigentlich nur Laufbursche seiner Gang, macht sich danach auf den freigewordenen Posten auszufüllen. Mit seiner ersten Handlung, der Rache an dem Mord seines ehemaligen Mentors und Anführers, setzt er ein Ausrufezeichen – nur blöd, dass es eine Zeugin gibt: die junge Bedienung Rose (Andrea Riseborough) könnte ihn an den Galgen bringen und seine ganze Gruppe zersprengen.

Während sich die Schlinge immer fester um seinen Hals legt, versucht Pinkie einen Ausweg zu finden und verstrickt die gutgläubige Rose in eine Romanze, die sie daran hindern soll, gegen ihn auszusagen. Das wiederum ruft deren Chefin Ida (Helen Mirren) auf den Plan, die sich nicht nur Sorgen um ihre junge Angestellte macht, sondern Pinkie auch aufgrund einer Freundschaft zu seinem ersten Opfer zur Strecke bringen will.

Wie schon in ‚Control‚ steht und fällt auch bei ‚Brighton Rock‘ vieles mit der wieder mal sehr guten Darstellung von Sam Rileys Protagonisten. Kühl kalkulierend, aber ohne ein wirklich guter Taktiker zu sein, verstrickt er sich als skrupelloser Kleinganove immer tiefer, bis es keinen Ausweg mehr zu geben scheint. Soweit so gut, doch warum kann der Film trotz großer Namen nicht richtig überzeugen? Wie schon Pinkies Charakter seine Pläne nicht ganz zu Ende denkt, kratzt ‚Brighton Rock‘ leider auch allzu sehr an der Oberfläche der Charaktere, sodass die eindimensionalen Gestalten zu Stereotypen verkommen: Pinkie ist böse, Rose dümmlich lieb, Ida kalkulierend und zielstrebig. Letztlich leidet man nur noch mit der loyalen und naiven Rose, kann nicht nachvollziehen, warum sie anscheinend in den Rüpel Pinkie verliebt ist und verliert das Interesse am Rest. Dennoch hat der Film hier und da, ähnlich wie schon ‚Control‘, hauptsächlich visuelle Lichtblicke und kann durch seinen Stil gefallen…wenn schon oberflächlich, dann wenigstens mit einer schönen Oberfläche!

Brighton Rock (UK 2010)
Regie: Rowan Joffe
Darsteller: Sam Riley, Andrea Riseborough, Helen Mirren, John Hurt, Philip Davis, Nonso Anozie, Andy Serkis
DVD-VÖ: 8. September 2011, Studiocanal

httpvh://www.youtube.com/watch?v=yv83bwRpV58&feature=results_video&playnext=1&list=PL27640F66A7903781

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Über den Autor

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