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Veröffentlicht am 21.11.2017 | von Lea Kleisinger

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BLUE HAWAII – Tenderness


Foto-© Landon Speers

At last
I am thankful for you saying no to me
See the reasons for the path I was asked to take
I learn to greet the day
With as much tenderness
As if I were laying in your arms
Learning how to be
Alone without you
And happy to be with me

(Blue Hawaii – Tenderness)

So zärtlich wie es der Name des Konzeptalbums Tenderness von Blue Hawaii verspricht, führen die 16 Songs des Albums den Zuhörer durch die verschiedenen Phasen des Erkennens und Loslassens einer gescheiterten Beziehung und damit einer geliebten Person.

Raphaelle Standell-Preston (Ra) und Alexander Cowan (Agor) beschäftigen sich in ihrem Album anhand ihrer gescheiterten Internetbeziehung mit den Schwierigkeiten, die Fernbeziehungen mit sich bringen. Wie in früheren Werken wird besonders die Frage behandelt, wie und ob man in der durch Technologie und Internet auf eine neue Art verbundenen Welt, trotz physischer Distanz, Nähe und Zärtlichkeit austauschen kann. Sind die neuen Möglichkeiten ein Geschenk oder ein Fluch? Die von Ra gesungene Reise durch ihre Gefühlswelt wird von Agor durch smoothe House Jams, 80er Jahre Dancemusic, Deep Disco Cuts und Ras Akustikgitarrenspiel sowie ab und zu von Saxophon- und Streicheinlagen begleitet. Zudem tauchen immer wieder kurze Interludes, wie eine Nachricht auf einem Anrufbeantworter auf, welche das Thema des Albums unterstützen. Beispielsweise ist Big News eine Sprachnachricht von Ras Tante, die auf technischem Weg versucht, Kontakt mit ihrer Familie aufzunehmen.

Der erste Song des Albums, Free At Last, greift Anfangs schon eine der schlussendlich wichtigsten Fragen des Albums auf: Ist mein individuelles Glück abhängig von einem Partner oder von meiner Einstellung gegenüber mir selbst? Unterlegt ist dieser geniale Track mit einem rhythmischen und gleichzeitig super smoothen House Jam, der einen sofort abholt. Auf den gelungenen Start in das Album folgt ein Ausflug in die 80er Jahre Discoklänge. Der harmonische Track No One Like You behandelt die Erkenntnis der schmerzhaften Wahrheit. Ra singt über die immer wieder aufblühende Hoffnung einer gemeinsamen Zukunft und das Verwerfen dieser Gedanken, weil sie erkennt, dass sie ihre Traurigkeit schon lange genug unterdrückt hat. Ihre hin- und hergerissene Gedankenwelt wird auch in Belong To Myself dargestellt, ist jedoch mit moderneren House Jams unterlegt. Ra ist sich nicht sicher was sie will. Sie fühlt sich, als würde sie nicht mal mehr sich selbst gehören: „What if I were to say I don’t belong to anyone? But then I don’t feel like I even belong to myself. Cause I feel one thing then feel another. Want one thing then want another. Touch one thing then touch another”.

In Younger Heart übermittelt der minimalistische Electrosound und die schön eingearbeiteten Saxophoneinlagen eine gewisse Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit. Dieser minimalistische Sound begleitet Ras Gesang auch bei Blossoming From Your Shy. Der Sound des Songs erinnert an smoothen Reggea-Dubstep und sprüht vor Kraft und Energie. Abwechslungsreich geht es auch mit Do You Need Me weiter. Dieser schöne Track lebt von seiner Zärtlichkeit durch den smoothen Electro-Sound, der von Streichinstrumenten begleitet wird. Nach einem soften Drop wird Ras Stimme bis zum Schluss von schönen minimalistischen Rhythmen begleitet. Der Titelsong Tenderness ist so gut, dass er das Album auch hätte einleiten können. Jedoch zeigen seine Lyrics, wieso er das Album so gut wie abschließt. Der Track ist der Schlüssel zu Ras Unentschlossenheit. Sie erkennt, dass sie ihr Glück nicht bei anderen Personen findet, sondern nur bei sich, indem sie sich selbst kennenlernt und ihre Stärke wiederfindet.

Tenderness klingt im Gegensatz zu den früheren Werken von Blue Hawaii einnehmender, sinnlicher und schwungvoller, was damit zusammenhängen könnte, dass Agor eine Zeit lang in Los Angeles und Berlin gewohnt hat, um sich in Sachen Dancemusik-Produktion weiterzubilden. Die kleine Auszeit, die die beiden nach ihren ersten aufsehenerregenden Alben Blooming Summer 2010 und Untogether 2013 eingelegt haben, scheint ihnen nicht geschadet zu haben. Das Album ist ein gelungenes Gesamtkunstwerk, das sich zärtlich und ernsthaft mit der widersprüchlichen Kraft von Technologien innerhalb der Gesellschaft auseinandersetzt. Während die heutigen Möglichkeiten das Erzeugen von Nähe und Kontakt zu vereinfachen scheinen, entfremden sie die Menschen gleichzeitig. Anders als die meisten Diagnosen dieses Problems, wird hier jedoch auch eine positive Seite beleuchtet. Vielleicht ist es an der Zeit für persönliche Weiterentwicklung, damit man sich nicht im großen Netzwerk der technologischen Möglichkeiten verliert.

Blue Hawaii – Tenderness
VÖ: 6. Oktober 2017, Arbutus Records
https://bluehawaii.bandcamp.com
www.facebook.com/trubluhawaii

Blue Hawaii Tour:
23.11. Gewölbe, Köln
24.11. Karlstorbahnhof, Heidelberg
25.11. Internet Explorer, Berlin

Wir präsentieren die Tour von Blue Hawaii und verlosen in dem Rahmen 2×2 Tickets für die Show des Duos im Karlstorbahnhof Heidelberg! Ihr wollt hin? Dann schreibt uns bis zum 24.11. eine Mail mit dem Betreff „Blue Hawaii“ an gewinnen@bedroomdisco.de und mit etwas Glück steht ihr schon am Freitag mit einer Begleitperson auf der Gästeliste!

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