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Veröffentlicht am 1.11.2017 | von Susan

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GIRLS IN HAWAII – Nocturne

I wake up in a cave
You’re by my side
I see the chandeliers gleam
A thousand lights
Picture on the wall
Of ‘96
You and I
Just smiling
Like monkeys

(Girls in Hawaii – Guinea Pig)

Wie man handelt, was man als gut oder ungerecht empfindet, wird schon von früh an geprägt. Doch das, was wir nach außen hin preisgeben und das, was wirklich in einem vorgeht, muss dabei keinesfalls zusammenpassen. Um sich dennoch mitteilen zu können und die zuckersüßen Gedanken, ebenso wie die dunkelgrauen teilen zu können, sucht man sich Freunde. Ein Freund unterscheidet sich von anderen Menschen eigentlich nur insofern, dass man ihm Dinge anvertraut, die sonst eher verstörend auf andere wirken würden. Aber vor allem kann man mit einem Freund teilen, ob nun das letzte Wan Tan, oder die Liebe zur Musik, wie bei den Belgiern Antoine Wielemans und Lionel Vancauwenberghe aka Girls In Hawaii.

Mit Holzklampfe und Gespür für melodische Kompositionen, gründeten die beiden jungen Männer aus der Provinz, 2001 ihr Band eher als willkommenen Zeitvertreib. 2003 veröffentlichten sie dann ihr erstes Album From Here to There, es folgten Plan Your Escape im Jahr 2008 und Everest 2013. Aus den beiden Freunden wurde mittlerweile mit Denis Wielemans, Brice Vancauwenberghe, Christophe Léonard und Daniel Offermann eine 6-köpfige Formation, die ganz und gar nichts mit Aloha-Feeling gemein hat. Aber Girls In Hawaii hörte sich nunmal, nach Angaben des heutigen Bassisten Offermann, besser an als Boys From Bruxelles.

4 Jahre nach Everest, folgt nun Nocturne. Ein agiles Werk mit wenig Instruktionen, dafür klaren Linien. Denn während Everest durch den frühzeitigen Tod von Denis Wielemans geprägt war, konnten sie sich in ihrem neuen Werk wieder sichtlich mehr fallen lassen und der Musik hingeben. Die Gruppe konnte sich neu finden, ohne die Vergangenheit in ihren neuen Songs außer Acht zu lassen. So entstanden 10 Stücke mit der gewohnten Sensibilität, aber auch mit einem neuen Fokus auf die Gegenwart. Diese spiegelt sich vor allem musikalisch wieder: der gewohnte Indie Gitarrensound weicht in Nocturne wieder ein wenig mehr elektronischen Elementen.

Girls In Hawaii sind erwachsen geworden, was vor allem in den gesellschaftskritischen Songtexten in Up On the Hill und Blue Shape sichtbar wird, die an die aktuellen Geschehnisse in der Welt anknüpfen. Voller Emotionen wird man in einen Strudel der Gefühle hineingezogen wie in Blue Shape; ein kleiner Junge am Strand, gezeichnet vom Leben. Aber so werden auch Widersprüche deutlich, denn da wo die Dunkelheit aufhört, fängt das Licht meist an, wie der Song This Light zeigt. Ein Piano und Gitarren, verschlungen von einer langsamen Welle des Synthesizers gehen in das Mantra “Keep your distance from this light” über. Guinea Pig wiederum widmet sich der Vergänglichkeit des Seins, was durch die herzerwärmenden Leichtigkeit, die man von Girls In Hawaii kennt, schon fast überzeugend wirkt. Monkey und Walk hingegen entpuppen sich, mit einprägsamen Refrains und 80er Jahre Layers, als die tanzbarsten Songs des Albums.

Damit haben es Girls In Hawaii nicht geschafft zu schocken, aber das war auch nicht die Intention. So wird man den ein oder anderen Song mehr lieben, doch beim Hören wird immer wieder auffallen, dass alles rund läuft und aufeinander abgestimmt ist. Im nächsten Jahr sind die Musiker dann auch in Deutschland unterwegs und wer vom Album noch nicht überzeugt ist, sollte sich live von der Gelassenheit, wie sie nur wahre Freunde versprühen, mitreißen lassen.

Girls In Hawaii – Nocturne
VÖ: 20. Oktober 2017, PIAS
www.girlsinhawaii.be
www.facebook.com/GirlsInHawaii

Girls In Hawaii Tour:
12.02. Strom, München
13.02. Beatpol, Dresden
14.02. Bi Nuu, Berlin
16.02. Gebäude 9, Köln

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Über den Autor

Susan wohnt in Hamburg und wollte früher hauptberuflich Groupie werden, bis ihr ein Exfreund einen Song auf Myspace widmete. Der hat bis heute 200 Klicks. Von ihr.



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