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Veröffentlicht am 15.01.2018 | von Lea Kleisinger

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TUNE-YARDS – I can feel you creep into my private life

My country served me horror coke
My natural freedom up in smoke
My pre-polluted fetus lead us
Into the obscene, I mean.

I’m on a desert island and I ate up all the coral
I was so hungry, but I know that isn’t normal, oh no
But my behaviour isn’t anything but moral So unhappy! (ABC!)

I called you up because we had a great connection
You couldn’t hear me cause of NSA protection
But we’ll unite before the very next election
No abstentions! VOTE
The ABCs

(Tune-Yards – ABC 123)

Endlich sind sie zurück, die ungebändigt kreative Band um Frontfrau Merrill Garbus und ihrem angenehmen Wahnsinn in der Stimme. Tune-Yards beeindrucken mit ihrem neuen Album I can feel you creep into my private life auf ein Neues mit ihrer wilden Aufrichtigkeit. Die 2006 von der Amerikanerin als Soloprojekt ins Leben gerufene Band, wird seit 2010 von ihrem Kollegen und Manager Nathaniel Brenner vervollständigt. Ihre Musik wird richtigerweise in die Genres Independent und Experimentelle Musik eingeordnet.

Merrill Garbus kann man als wahre Künstlerin bezeichnen, selbst bezeichnet sie sich auch als Rhythmusbesessene. Sie konstruiert die Melodien indem sie Trommel, Perkussionsinstrumente, Ukulele und ihre Stimme loopt und damit ihren Gesang untermalt. Nathaniel Brenner unterstützt ihre fein konstruierten Beats mit seinem E-Bass. Auch Synthesizer und MPC Samples werden von ihr besonders auf dem neuen Album gerne verwendet. Die Orientierung am 80er Jahre Robotic-Stil, Detroit House und EDM haben für sie bei der Entwicklung des Albums eine wichtige Rolle gespielt. Erwähnenswert ist auch ihre während des Studiums in Kenia verbrachte Zeit. Wie man in tollen älteren Songs wie My Country aus dem Album WHOKILL und Lady, bei denen die Band mit ?uestlove, Angelique Kidjo und Akua Naru zusammengearbeitet hat, merkt, wurde sie von ihrem Afrika-Aufenthalt musikalisch stark geprägt.

Tune-Yards vielschichtige, antreibende und mit Rhythmen spielende Melodien sind absolut einzigartig. Obwohl sie auf dem neuen Album mit ihren Lyrics bedeutende gesellschaftliche Themen wie Geschlechterteilung, Feminismus, Politik und Umweltverschmutzung ansprechen, verführen die zwischen Schwere und Leichtigkeit schwankenden, energiegeladenen Beats zum ausgelassenen Mittanzen. ABC 123, eines der musikalischen Highlights des Albums, lebt von einem antreibenden Drum-Beat und Garbus ironisch-glücklich klingendem Gesang. Andere Songs übermitteln ein beklemmendes Gefühl oder lassen sogar, wie bei Free, leichte Wut in einem aufsteigen. Immer wieder ruft sie dem Zuhörer „don´t tell me I´m free“, unterlegt mit einer Art Punk-Rock Hommage, entgegen. Sie scheint ihre Enttäuschung, besonders bezüglich bedeutender gesellschaftlicher Probleme in den USA, herauszuschreien ohne dabei die Hoffnung auf eine bessere Zukunft zu verlieren. Dabei ist sie nicht immer deutlich, vielmehr wirken ihre Songtexte abstrakt. Der Zuhörer muss sich seinen Teil denken, so wie sie es getan hat: „Yes, the world is a mess, but I’ve been attempting to look more and more inward: How do all of these “isms” that we live in manifest in me, in my daily activities, interactions?“

Tune-Yards haben sich weiterentwickelt, ebenso was ihren Sound angeht als auch die Gefühle, die sie damit übermitteln wollen. Vorherige Alben strahlten eine farbenfrohe und mitreißende Leichtigkeit, aber auch Verbesserungspotenzial aus. An jedem Album wurde mit dem Anspruch gearbeitet, sich selbst neu zu erfinden und musikalisch weiterzubilden. Diesen Anspruch haben sie mit I can feel you creep into my private life erfüllt. Merrill Garbus übt darin Kritik an der Menschheit und wünscht sich, wie sie in Look at Your Hands singt, ein ausgeglicheneres Zusammenleben auf der Erde: „Harmony, harmony. Vibration when voices are free. Harmony, harmony. How I long to see.“ Sie sind gewachsen und man kann sich nur darauf freuen, was zukünftige Projekte bringen werden. Vielleicht gewinnt die Menschheit etwas Harmonie und sie damit ihre Leichtfüßigkeit zurück.

Tune-Yards – I can feel you creep into my private life
VÖ: 19. Januar 2017, 4AD
www.tune-yards.com
www.facebook.com/tuneyards

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