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Veröffentlicht am 10.04.2018 | von Lea Kleisinger

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JACK WHITE – Boarding House Reach


Foto-© David James Swanson

Hear me out, it ain’t easy but I’ll try to explain
Everything in the world gets labeled and named.
A box, a rough definition, unavoidable
Who picked the label doesn’t want to be responsible.
Truth, you’re the warden, here’s the keys to the prison
You create your own box, you don’t have to listen.
To any of the label makers, printing your obituary.

(Jack White – Ice Station Zebra)

Mit Boarding House Reach hat Jack White uns ein sehr persönliches Album geschenkt. Schon sein Album-Teaser Servings and Portions from my Boarding House Reach hat, verständlicherweise, allgemeine Neugierde erweckt. Sein neuestes Album ist lange nicht so Riff-lastig wie man es von Jack White gewohnt ist, trotzdem steckt in fast jedem Song die erforderliche Menge an Rock´n´Roll.

Um die Lieder zu kreieren, die jetzt sein Album schmücken, hat er seine alte Vorgehensweise über Bord geworfen: „Boarding House Reach is the culmination of, like, ‘I don’t care.’ I want it to sound like this. I don’t care how it was made.“ Er hat sich mehrere Monate ein Apartment in Nashville gemietet und dort isoliert auf unterschiedlichste Weise Melodien entwickelt. Manchmal mit seiner uralten Ausrüstung, aber hauptsächlich wie er es sich vorgenommen hatte – direkt aus dem Kopf auf das Blatt: „I should try to write like that and just ignore chords and notes and instruments and just think it up. So that’s what I did.“ Herausgekommen sind vielschichtige, groovige und einzigartige Songs, die einen bei jedem Hören etwas Neues entdecken lassen.

Over and Over and Over und Connected by Love sind die bisher wohl beliebtesten Lieder des Albums, was wohl einerseits an der dominanten E-Gitarren Einlage, andererseits an dem funkigen Keyboard liegt. Aber auch die experimentelleren Songs, die teilweise Tendenzen von Funk, Gospel Blues, Elektro, Punk, Klezmer und Hip Hop aufweisen, sind eindeutig Höhepunkte des Albums. In Why Walk A Dog verwandelt Jack White Orgel und Funk-Gitarre in eine Art Blues. In Humoresque hat er eine wunderschöne Komposition von Antonín Dvoŕak mit der Lyrics eines von Al Capone in Alcatraz verfassten Liedes verbunden. In Abulia and Akrasia lässt er seinen Lieblingsvokalisten C.W. Stoneking ein Gedicht aufsagen, bei dem sein Ziel darin bestand, auf komplizierteste Weise eine Tasse Tee zu bestellen.

Im Studio hat sich Jack White beeindruckende musikalische Unterstützung, wie Louis Cato oder Charlotte Kemp Muhl, gesucht. Neben dem Gesang spielt er akustische und elektrische Gitarren, Schlagzeug, Orgel und Synthesizer. Die Kommunikation der Künstler erfolgte über die Musik, da die meisten noch nicht zusammengearbeitet hatten und nicht dieselbe Sprache beherrschten. Dadurch entstanden teilweise leidenschaftliche, 30-minütige Improvisationen, die am Ende gekürzt werden mussten um die Kapazitäten nicht zu sprengen.

Fazit ist: Wer sich das Album noch nicht angehört hat sollte es schnellstmöglich tun. Wer es erst 1x gehört hat sollte es nochmal hören und nochmal. So lange wie man darauf warten musste, sollte man es jetzt genießen.

Jack White – Boarding House Reach
VÖ: 23. März 2018, XL Recordings
www.jackwhiteiii.com
www.facebook.com/jackwhite

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