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Veröffentlicht am 14.02.2019 | von Christian Weining

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PETULA – Fuck This Shit

You’re a leaf house
A watchful eye
You’re a micropolis
A place to stay and die
You’re a handful
A second thought
And you’re an expert at tying knots

(Petula – Juno)

„Musik als Flucht nicht vor, sondern in die Schwere in dir.“Petula, das Berliner Ein-Mann Projekt von Sebastian Cleemann, macht nach ganzen 6 Jahren mit seinem neuen Album Fuck This Shit eine klare Ansage: Fuck This Shit!

Was in den Turbulenzen des Lebens manchmal so leicht von den Lippen geht, gestaltet sich bei Petula musikalisch jedoch nicht so derb, wie der Albumtitel zunächst erwarten lässt. Petula steht für melancholischen Folk-Pop mit einer ausgewogenen Mischung aus Elektronik und Gitarren. Immer klingen die Songs schwer, aber doch nur so, dass sie sich gut in das Dazwischen des Alltags integrieren lassen. Sowas braucht der Mensch. Und so ist auch Fuck This Shit! Die Stücke schweben teilweise vorsichtig und ruhig durch die Luft, wie The Feed oder WHNWSYATYHOAFITTD. Andere entwickeln sich mit ihrer typischen aufbauenden Loop-Struktur zu echten Ohrwürmern, wie Awlite Awlite oder The Light Inside. Immer hinterlassen sie Spuren, man fühlt mit.

Wie könnte es anders sein? Es geht um Liebe und Liebeskummer, um Großstadt und Chaos, um Verloren-Sein und Freundschaft. Selten (ein bisschen) munter, meist melancholisch. Bei Cleemanns tiefer, hauchender Stimme geht das auch eigentlich nicht anders. Manchmal kommt es bei den 8 Stücken so vor, als würde dir ein guter Freund tief aus dem inneren unmittelbar in dein Ohr erzählen, was grade alles mal wieder schwierig ist oder dir einen gut gemeinten Rat geben. Nur, dass er das Ganze noch in eingängigen Melodien singt und mit Folk-Gitarren Pickings, mal kleinteiligen und mal breitflächigen Synthies und ein bisschen Beat harmonisch ummantelt. Du willst dann nur noch „Danke” sagen, dass jemand da ist, der dich nicht alleine lässt und dazu noch schöne Musik macht. Jackpot!

Denkt man an das kürzlich erschiene ClickClickDecker Album Am Arsch der kleinen Aufmerksamkeiten, bei dem Cleemann ebenfalls mitgewirkt hat, werden hier und da parallelen deutlich. Melancholie, irgendwo auch mit Humor, ausgefeilte Arrangements, ohne dass der Sound versucht über alles hinwegzufegen und durchweg eine Stimmung, in der man sich verlieren kann. Die erste Single Juno scheint musikalisch und inhaltlich exemplarisch für die Platte: Ein trockenes, aber enttäuschtes „I never wanna see you again!“ ist die Konsequenz aus Gefühlsverwirrungen und Entscheidungsschwierigkeiten zu einem geliebten Menschen. Vielleicht ist genau das auch das Gefühl von Fuck This Shit?

Es ist auf jeden Fall ziemlich schön und beweist, dass Petula das Gespür nicht verloren hat große Gefühle, sympathisch und direkt zu transportieren, so dass einem warm und kalt zugleich wird.

Petula – Fuck This Shit
VÖ: 22. Februar 2019, Golden Ticket
www.petula.org
www.facebook.com/petulapetula


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