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Veröffentlicht am 1.05.2019 | von Eva-Marie

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ALDOUS HARDING – Designer


Foto-© Clare Shilland

Auf guten Festivals gibt es immer diesen einen Moment, der die späteren Erinnerungen besonders auszeichnet. Oft ist es gar nicht die Lieblingsband, die einen in den Bann zieht, sondern dieser eine Act auf dieser kleinen Bühne da hinten. So ein Act war Aldous Harding, die ruhig und freundlich auf die Bühne schritt, sich ans Mikrofon stellte und damit alle Gespräche zum Verstummen brachte. Einige hatten wahrscheinlich ihre damalige Performance bei Jools Holland gesehen und wollten jetzt wissen, wie sich das live anfühlt. Die kurze Antwort ist: intensiv. Gestik und Stimme vereinen sich zu einer Mischung, die im ersten Moment irritierend ist und im nächsten unübersichtlich viele Gefühle auslöst.

Nun ist ihr drittes Werk Designer erschienen und damit kann sie auch die letzten Zweifler*innen überzeugen. Die erste Single The Barrel führt ein bisschen von dem weg, was sie auf den früheren Platten veröffentlicht hat. Der Song wirkt gelöst und ihm haftet nicht mehr diese Schwere an, die vor allem das letzte Album umgab. Nichtsdestotrotz handelt es sich dabei unverkennbar um einen Aldous-Harding-Song, der sich in seiner Instrumentierung in einem erweiterten Folkspektrum bewegt und viele kleine Melodien in sich vereint. Zweite Single und gleichzeitig Opener der Platte ist Fixture Picture, der wieder mehr an den Sound der Songs der letzten Platten erinnert. Flächige Streicher supporten die lange Gesangslinie, die sich traurig verunsichert nach oben in helle, anmutige Oktaven singt: „Fixture. Picture. Iv’e got it. I’m on it. You’re in it. I’m honoured.”

Desginer irritiert zuerst mit seinem Intro und wird dann nach ein paar Sekunden zu einem ganz anderen Song, in dem es auch zum ersten Mal ein paar Percussions zu hören gibt, die sich wunderbar an die anderen Rhythmen und Melodien anschmiegen und dabei einen 70s-Sound entstehen lassen, der auch im Freakfolk-Genre zu Hause sein könnte. Zoo Eyes ist dann wieder ganz süßlich erzählerisch, ohne dabei an Exzentrik zu verlieren. Treasure ist mal wieder ein Beweis dafür, wie schön Songs mit mehrfach aufgenommen Gesang sind und zusammen mit Klavier und Gitarre einen besonderen halligen Sound entwickeln – genau deswegen erinnert das an José González.

Aldous Harding hat mit Designer endgültig ihren Sound gefunden und Songs zusammengestellt, die ihre musikalische Bandbreite angemessen ausdrücken. Im Gegensatz zum Album davor ist der Sound noch verspielter geworden. Sie bricht oft mit traditionellen Songstrukturen, weiß aber auf der anderen Seite wie sie sich Bewährtes zu eigen machen kann. So schleicht sich auch schon mal ein Drumcomputer ein (Weight of the Planets), ohne fehl am Platz zu wirken oder es gibt ihn dann doch, den traurigen Song an der Akustikgitarre (Heaven is Empty). Sie begibt sich immer wieder in ein Spannungsfeld aus Gegensätzen und widersprüchlichen Gefühlen, um daraus Kreativität zu schöpfen und damit im Endeffekt solche intensiven Songs zu schreiben und diese dann genauso intensiv auf die Bühne zu bringen.

Aldous Harding – Designer
VÖ: 26. April 2019, 4AD
www.aldousharding.com
www.facebook.com/AldousHarding

Aldous Harding Tour:
12.05. Privatclub, Berlin – ausverkauft
18.11. Kranhalle, München
19.11. Artheater, Köln
20.11. Heimathafen, Berlin
26.11. Knust, Hamburg

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