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Veröffentlicht am 29.07.2019 | von Dennis Möller

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CAAMP – By and By

Oh I hear a motor car
Coming up the coast
You know I’ve seen other cities but I like this one most
There’s a girl down the valley says that we can take it slow
Or we can push fast forward on it
Love success and rock and roll   

But it gets hard sometimes
Don’t I know it
I been up for a week
I can’t get no sleep
I lose my cool  

(Caamp – No Sleep)

Es ist schon bemerkenswert wie vor einigen Jahren der Folk die Charts erklomm wie ein Bergsteiger die Alpen. Oben angelangt fühlte er sich nicht wohl. Die Luft war dünn und die Fans unecht, also ging es ganz schnell wieder runter, in die Berghütte, wo die Welt einen nicht sehen kann. Was ist aus Justin Vernon geworden? Einer, den der Ruhm überrollte, der sich daraufhinn zurückzog, um mit digitaler Zerstörung zu antworten? Was ist mit Bear’s Den, die das Banjo ablegten um die 80er zu feiern? Oder Mumford & Sons, die alle hörten und die jezt irgendwie keiner gehört haben will?

Eine Band, die gar nicht erst auf den Gipfel kam, da sie sich erst in der Hochphase des Neo Folks gründete und verspätet im Spotify River einige Erfolge erzielte, schenkt uns nun ihr Debütalbum. Caamp – allein der Name und die Pressefotos der drei schnieken Langhärigen in Jeansjacke verrät viel. Man erwartet soften Folk und Banjo-Sound. Keine Verstärker, keine Synthies, unplugged eben. Und das bekommt man auch. Das Album geht runter wie Öl und nach drei ersten Songs mit Banjo wird der Stecker in No Sleep dann doch gezückt. Aber auch nur, weil es in Bars Steckendosen gibt. Es wirkt wie ein langer Ausflug in die idealisierte Welt der ruhigen USA. Nach einer Tour durch die Natur kommt man dort an, wo Alkohol und E-Gitarren fließen. Der Sound erinnert an Rayland Baxter, ebenso der Style. Es ist der Sound der bewusst Stehengebliebenen. Jene, die mit dem Trubel der Welt nichts angefangen können und sich in die Natur und Bars zurückziehen, um kopfschüttelnd Kaufleute und Bänker vorbei ziehen zu lassen. Wenn die Bar schließt, wird sich nochmal ans Lagerfeuer gesetzt und bis in die Nacht gezupft, gesummt und Light Beer getrunken. Der Song Moonsmoke erschafft genau dieses Bild. Der Rauch des Feuers verhüllt den Mond, die Hektik in der Ferne kann man nicht hören, man weiß von ihr aus dem Smartphone. Huckleberry Love ist eine Liebeserklärung an dieses entschleunigte Leben in Gedenken an Mark Twain. Der Spirit des weisen Mannes ist spürbar und das einfache Leben wird in jeder erdenklichen Weise gefeiert. Das Albumcover ziert die Illustration eines Bären, der bepackt die Landschaft durchstreift. Aus ihm sprießen die Tropfen, als würde es aus ihm regnen. Vielleicht schwitzt er auch nur? Ein Leben in stetiger Bewegung um vor der Welt zu flüchten, kann eben auch anstregend sein.

Man muss sagen, diese Jungs haben fast alles richtig gemacht. Das Album ist eine Wohltat für Ohren und Seele und einige Songs haben das Potenzial Lagerfeuer-Klassiker zu werden. Das einzige, was sie falsch gemacht haben, ist, sich zu spät zu gründen. Im Jahr 2012 hätten sie bestimmt mehr mit dem Album gerissen. Aber vielleicht wollen sie das auch gar nicht.

Caamp – By and By
VÖ: 26. Juli 2019, Mom + Pop Music
www.caamptheband.com
www.facebook.com/CaampBoys

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