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Veröffentlicht am 4.07.2019 | von Anne Beier

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OUTER SPACES – Gazing Globe


Foto-© Chester Gwazda

The jug of wine seemed infinite
Well, baby, I fell into it
Time teaches you to forget
The things that haven’t happened yet
I’m moving to the other side, oh
I’ve lived here mostly all my life

(Outer Spaces – I See Her Face)

Cara Beth Satalino, Songwriterin und Kopf von Outer Spaces kennt sich mit dem Alleinsein aus. Aufgewachsen im 500-Seelen-Ort Pittstown, NY, brachte sie sich das Gitarre spielen nach Gehör selbst bei. Obwohl sie in vielen Bands gespielt hat, nennt sie sich selbst eine schlechte Teamarbeiterin und so entstand Outer Spaces nach dem Wunsch, solo Musik zu schreiben. Nach der Trennung von Bandmitglied und Partner Chester Gwazda (der u.a. die ersten drei Future Islands Alben produzierte), in einer Phase introvertierter Einsamkeit, schrieb sie Gazing Globe – das intime zweite Album des Projekts. Inspiriert von dem Wunsch, sich und ihre Facetten wieder neu zu entdecken und zu verstehen, verlor sie sich in dem Bild einer verspiegelten Kugel im Garten, in der sich das Mondlicht fängt (Gazing Globe) und man nicht weiß, woher genau welche Reflektion eigentlich stammt. Den Schreibprozess nutze sie als eine Art tägliche Meditation und Therapie: “It was a way of encouraging myself. I wrote from the perspective of who I wanted to be, rather than how I felt at the time.” Dabei klingt das Album weitaus weniger dramatisch als man anhand dieser Umstände meinen könnte. Die klaren Gitarren, die reduzierten Arrangements und der nonchalante Gesang Satalinos klingen sogar recht lässig, ohne oberflächlich zu wirken. Und so ist Gazing Globe ein nachdenkliches Indie-Pop-Album, das nicht in Melancholie abrutscht, sondern auf vielfältige Art zeigt, welche Kraft aus Krisen entstehen kann.

Der häufig bemühte Fleetwood Mac-Vergleich drängt sich zwar bei den ersten Tönen des Openers I See Your Face auf, aber Satalino ist zu klug, um dieses Konzept einfach zu kopieren. Und so wird der Song nach der Bridge noch richtig kraftvoll – Perspektivenwechsel ist nicht nur das inhaltliche Motiv der Platte, sondern auch das musikalische. Dissonant, aber melodisch spiegelt das Album wider, wie sich der Blick auf das Selbst zuerst fremd anfühlt und sich dann in hunderte Perspektiven auflöst. Den Hang zum vermeintlichen Retro-Sound erklärt vielleicht die die zweite Single aus Gazing Globe, Album For Ghosts, in dem es um Nischenmusik der Vergangenheit geht: „[It’s about a] period where I was obsessed with finding music from the past that has a cult following now, but never really ‘caught on’ at the time it was released, either because it was ahead of its time or simply because no one had really heard it. I was thinking of the music industry today and how it’s basically flooded with musical content. And how with a changing world (climate change, etc.), we might not be in a position to be searching the archives of Bandcamp for musical relics in 50+ years. In the end it was like “You’re going to do this anyway, despite the outcome.”’

Nicht ganz so intim und abstrakt wie der Opener und die meisten anderen Songs der Platte kommt Truck Song daher. Als Liebeslied an pannenanfällige Tourfahrzeuge bleibt die Erkenntnisse: „Get on your feet / You’re on your own.“ Ähnlich nachvollziehbar und beschwingt rät Satalino ihrem Ex-Lover in YWLGOML (ein Akronym für „You Won’t Let Go of My Life“) sich doch lieber in unbekannte Sphären zu stürzen als weiter um sie herum zu kreisen. Musikalisch bleiben hier schmissige Gitarren und pure Keyboards in Erinnerung. Ein weiteres Highlight der Platte ist I Slowly Close My Eyes. Hier kehrt mit elektrischem Piano und reduzierten, aber dominanten Gitarren und rhythmischen Überraschungen das Motiv des Erkennens zurück: „I slowly close my eyes / And I see nothing.“

Und so ist Gazing Globe ein Album, das tiefgründige und zutiefst alltägliche Themen wie Selbstfindung und Autopannen gekonnt vermischt. Ehrlich, intim und trotzdem lässig treibt der Indie-Slow-Pop von einem Thema zum nächsten und trotzdem bleibt die namensgebende Selbstreflektion, mal verschwommen, mal klar, das zentrale Motiv der Platte. Der moderne, gitarrenlastige Retro-Sound ist dann noch das Tüpfelchen auf dem I – ein Album, in dem man sich verlieren und bei jedem Hören etwas Neues entdecken kann. Auf Gazing Globe macht Nachdenken Spaß, denn Satalino schafft es, zutiefst verletzlichen Situationen durch schonungslose Ehrlichkeit ein Augenzwinkern abzugewinnen.

Outer Spaces – Gazing Globe
VÖ: 28. Juni 2019, Western Vinyl
www.outerspacesband.com
www.facebook.com/outerspacesband


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