LANA DEL REY – Norman Fucking Rockwell!


Foto-© Universal Music

Fear fun, fear love
Fresh out of fucks, forever
Tryin’ to be stronger for you
Ice cream, ice queen
I dream in jeans and leather
Life’s dream, I’m sweet for you
Oh God, miss you on my lips
It’s me, your little Venice bitch
On the stoop with the neighborhood kids
Callin’ out, bang bang, kiss kiss

(Lana Del Rey – Venice Bitch)

Lana Del Rey liebt Amerika trotz aller Krisen. Die turbulente Liebe zu ihrem Heimatland besingt sie in 14 Songs auf ihrem fünften Album Norman Fucking Rockwell! – erneut träumerisch, sehnsuchtsvoll und sehr retro.

Norman Rockwell mag hier zwar nicht sehr bekannt sein, umso mehr in Amerika. Seine Gemälde und Illustrationen zeichneten das Leben des normalen Durchschnittsamerikaners des 20. Jahrhunderts. Fröhlich und etwas kitschig und gerade auch deshalb sehr beliebt bei den Amerikanern. Der American Dream ist mit Trump wohl erst mal zerplatzt. Betrachtet man nämlich das Albumcover, sieht man Lana Del Rey auf einem Boot vor einer Küste, die brennt. Nach den Amokläufen von Dayton und El Paso veröffentlichte Del Rey Looking for America, auf dem sie von einem Land ohne Hass und Waffen träumt. Kein schönes Amerika momentan – doch Del Rey ist hoffnungsvoll.

Sie verteufelt ihre Heimat nicht. Dafür hat sie schon zu viel über die Liebe zu ihrer West Coast gesungen. “We’ll have a party, we’ll dance till dawn, I’ll pick up all of your folks and all of your Rolling Stones”, heißt es auf California – in einer typischen Del Rey Zeile. Immer eine lässige Kombi aus Hedonismus und Nachdenklichkeit. Auf Venice Bitch toppt sie dieses Flair noch und besingt ihre Sehnsucht nach ihrem Geliebten. Mit fast zehn Minuten ist der Track alles andere als eine normale Single, trotzdem wirklich betörend, denn hier mixt sie Blues mit Psychedelic und Synthie. Verantwortlicher Produzent ist niemand Geringeres als Jack Antonoff, der schon die Hit-Alben von Lorde und Taylor Swift mischte. Aber Lana Del Rey ist schon längst vom Mainstream weg. Sie lässt sich eben nicht so einfach in eine Pop-Schublade packen. Dafür hat sie einen zu speziellen Sound. Fuck It I Love You spielt mit 60s Pop, während Love Song hymnisch wie Video Games klingt. “Oh, be my once in a lifetime, lying on your chest in my party dress”, singt sie hier. Klassisch Lana.

Norman Fucking Rockwell! legt wieder den Schwerpunkt auf melancholische Piano-Balladen und psychedelische Einflüsse, während der Vorgänger Lust for Life ja fast durchgehend mit Hip-Hop, ähnlich zu Lanas Debüt liebäugelte. Nur Doin’ Time, ein Cover der Ska Band Sublime von 1996, fährt mit Hip Hop Beats und Sommer-Nostalgie auf. “Summer time and the living’s easy.”

“I’ve been tearing around in my fucking nightgown, 24/7 Sylvia Plath, writing in blood on the walls”, singt sie auf dem Abschlusstrack hope is a dangerous thing for a woman like me to have – but I have it, ein schöner Piano-Track. Hier verarbeitet Del Rey ihren Kampf mit ihrer früheren Alkoholsucht, gepaart mit Auszügen aus der Poesie von Sylvia Plath, die als feministische Ikone gefeiert wird. In all den Wirrungen des Lebens hat Lana Del Rey immer noch Hoffnung und feiert weiter. Norman Fucking Rockwell! ist jetzt schon ein Klassiker unter Del Reys Werken. Etwas minimalistischer und lyrisch vielfältiger als noch Lust For Life, saugt die Platte den Zuhörer direkt ein. Und ist doch himmlisch wie immer.

Lana Del Rey – Norman Fucking Rockwell!
VÖ: 30. August 2019, Vertigo Berlin
www.lanadelrey.com
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