YAEJI – What We Drew 우리가 그려왔던


Foto-© Dawnqmentary

When you grow older, do you quit the things you find hassling?
Are you scared of being hurt?
Do you live without emotions?
When you grow older
do you quit it
Cuz you feel lazy
You feel crazy
You’re hurt maybe
You don’t have room to say maybe no more.
Feeling like I, I been exposed
To the ones that shouldn’t know
The ones that think I know
The ones that still have hope.

(Yaeji – WHEN I GROW UP)

Wer die vergangenen Jahre aufmerksam war hat Yaeji wahrscheinlich schon länger auf dem Schirm. Mit mehreren Singles, einer 5 Lieder fassenden EP und einem Boiler Room Auftritt hat sich die US-Koreanerin schnell in die Herzen der New Yorker Underground Szene gespielt. Jetzt ist Yaeji mit ihrem neuen Mixtape What We Drew 우리가 그려왔던 zurück und dazu bekommen wir als Video zu WAKING UP DOWN noch ein von ihr persönlich entworfenes Manga, das ihre enge Freundin Annie Zhao mit knalligen Farben zum Leben erweckt hat. Yaeji singt größtenteils auf Koreanisch, hat aber dieses Mal die englischen Übersetzungen zu ihren Texten mitveröffentlicht. Eine einmalige Melange aus verzerrten Vocals und Beats, hämmernden Bässen, mystischem Gesang und versteckter Melancholie zeichnen die zwölf überaus fortgeschrittenen Tracks aus.

Das Album beginnt mit MY IMAGINATION: Der brummende Bass und die verbogenen Vocals gehen in die Underground-House Richtung und der Track zeigt perfekt, was uns die nächsten Lieder so erwartet. In WHAT WE DREW entwickelt sich ein abstrakter Beat zu einem mystischen Track mit einer plätschernden Melodie und minimal in Schräglage versetzten Vocals. Yaeji erzählt uns von ihrer Liebe zum Zeichnen und im Musikvideo wird eine wirklich riesige Zwiebel verehrt. Es folgt IN PLACE – ein experimentell anmutender Track, der zwischen flächigen Melodien und minimalistischen Parts seine Flügel ausbreitet. Der darauffolgende Track MONEY CAN’T BUY erweckt einen düsteren Eindruck und überzeugt durch das Rap Feature von Nappy Nina. WAKING UP DOWN ist das Glanzstück des Albums. Ein tanzbares Wunderwerk, das zusammen mit dem Anime neue künstlerische Sphären eröffnet und einfach nur Spaß macht. Zu Ende geht das Album mit abstrakteren Tracks, die höchstwahrscheinlich auf jeden Zuhörer anders wirken und schwierig in Worte zu fassen sind. Spielerisch eingebaute Drums und Bläser sorgen immer wieder für Überraschungen. NEVER SETTLING DOWN zeigt sich schon beinahe im Pop-Gewand und wieder merkt man, wie vielschichtig Yaejis Mixtape letztendlich ist.

Inhaltlich verstecken sich hinter den bunten, flackernden Bildern und groovigen Beats ernste Themen. Die Lieder erzählen von der Überforderung mit dem Erwachsenwerden, intensiven zwischenmenschlichen Beziehungen, Berufung, Neid und Zugehörigkeit. Wer es sich zutraut sollte diesem Album unbedingt einen Besuch abstatten und am besten jedes Lied individuell auf sich wirken lassen. Ziemlich sicher hat man nämlich bisher noch nicht viel vergleichbares kennenglernt.

Yaeji – What We Drew 우리가 그려왔던
VÖ: 2. April 2020, XL Recordings
www.yaeji.com
www.facebook.com/kraejiyaeji

YouTube video

Lea Kleisinger

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